Das Leben der Anderen

Roland Opschondek am 06.10.2011
Foto: Matt Yohe, Wikipedia
Foto: Matt Yohe, Wikipedia

Steve Jobs, Chef der Computer- und Lifestyle-Firma Apple, ist im Alter von 56 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung gestorben. „Ich verbrauche meine Zeit nicht, um das Leben anderer zu leben“, sagte er vor Jahren sinngemäß.

Der bewunderte Verkäufer brachte mit Apple-Produkten Elektronikgeräte auf den Markt, die Millionen von Menschen mitunter auch gerade davon abhalten, ihr eigenes Leben zu leben. Mit dem iPod, iPhone und den iMacs kann ganz schön viel Lebenszeit verplempert werden.

Im Zeichen des Apfels

Die weltweite mediale Bestürzung und Fan-Trauer über den Tod von Steve Jobs ist durchaus vergleichbar mit dem Tod John Lennons. Es gibt weitere Berührungspunkte.
Beide wuchsen bei Pflege-Eltern auf, wurden zu bewunderten Popstars: Lennon mit dem damals gängigen Weg über Kunst und Popmusik, Jobs quasi über das Motherboard und Design, den Pop-Pfaden der 1980er Jahre.
Beide waren für ihre zielgerichtete Art bekannt und berüchtigt, und der Erfolg gab ihnen recht: Beatlemania – Applemania.
Erst vor ein paar Monaten landeten die ersten Beatles-Songs im iTunes-Shop, nachdem lange über die Namensgleichheit der Apple Inc. mit der Beatles-Plattenfirma prozessiert worden war.
John Lennon galt vielen Friedensfreunden als Heilsbringer, und eine Schlagzeile zu Steve Jobs verstieg sich gar in den Begriff "iGod".
"…one more thing": die runde Brille.

Berühmte Rede

2005 hat Jobs vor Studenten der Stanford-Universität in Kalifornien eine persönliche und programmatische Rede – ja fast Predigt – gehalten; sie zeigt etwas von der Lebenseinstellung dieses Selfmade-Milliardärs. Wir zitieren aus dem letzten Teil über den Tod, in einer leicht überarbeiteten Übersetzung von Sergiu Longodor.

"Meine dritte Geschichte ist über den Tod

Als ich 17 war, las ich ein Zitat das ungefähr so klang:
„Wenn du jeden Tag so lebst, als wäre es dein letzter, wird es höchstwahrscheinlich irgendwann richtig sein.“ Es hatte mich beeindruckt und seit damals über 33 Jahre habe ich jeden morgen in den Spiegel geschaut und mich selbst gefragt:
„Wenn heute der letzte Tag in meinem Leben wäre, würde ich das tun, was ich mir heute vorgenommen habe zu tun?“
Und jedes mal wenn die Antwort „nein“ war für mehrere Tage hintereinander, wusste ich, ich muss etwas verändern. Mich zu erinnern, dass ich bald tot sein werde, war für mich das wichtigste Werkzeug, das mir geholfen hat alle diese großen Entscheidungen zu treffen. Weil fast alles - alle äußeren Erwartungen, der ganze Stolz, die ganze Angst vor dem Versagen und der Scham – diese Dinge fallen einfach weg angesichts des Todes und es bleibt nur mehr das, was wirklich wichtig ist. Sich zu erinnern, dass man sterben wird, ist der beste Weg, den ich kenne, um der Falle zu entgehen und zu glauben man hätte etwas zu verlieren. Du bist vollkommen nackt. Es gibt keinen Grund, um nicht seinen Herzen zu folgen. 
 

Ungefähr vor einem Jahr wurde bei mir Krebs diagnostiziert.

Ich hatte eine Untersuchung um 7:30 in der Früh und es war deutlich ein Tumor auf meiner Bauchspeicheldrüse zu sehen. Ich wusste nicht mal was eine Bauchspeicheldrüse ist.

[…] Der Arzt riet nach Hause zu gehen und meine Angelegenheiten alle in Ordnung zu bringen, was die Ärzte so sagen, wenn sie meinen, man soll sich vorbereiten zu sterben. […] Es bedeutet dass alles geklärt sein soll, damit es später so leicht als möglich für die eigene Familie wird. Es bedeutet sich zu verabschieden. Ich lebte mit dieser Diagnose den ganzen Tag. Später am Abend […] stellte sich heraus, dass es ein ganz seltener Bauchspeicheldrüsenkrebs ist, der mit einer Operation heilbar ist.

Ich hatte die Operation und bin nun gesund.

Da war ich dem Tode am aller nähesten gekommen und ich hoffe das wird auch so bleiben für die nächsten Jahrzehnte. Das nun durchlebt zu haben, gibt mir die Möglichkeit euch mit mehr Gewissheit sagen zu können, dass der Tod ein rein nützliches geistiges Konzept ist: Niemand will sterben. Nicht mal Menschen, die in den Himmel kommen wollen, wollen sterben, um dorthin zu gelangen. Und dennoch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand ist jemals entkommen. Und das ist so, wie es sein sollte, weil der Tod möglicherweise die beste Erfindung des Lebens ist. Er ist der Vertreter des Lebens für die Veränderung. Er räumt das Alte weg, um Platz zu machen für das Neue. […] Deine Zeit ist begrenzt, also verbrauche Sie nicht, um das Leben anderer zu leben. Sei nicht gefangen von dem Dogma, das Leben nach den Vorstellungen Anderer definiert. . . . Und das aller Wichtigste, habe den Mut dem eigenen Herzen und der Intuition zu folgen. Sie wissen irgendwie genau, was du wirklich sein willst. Alles andere ist zweitrangig.

 […] 

Bleibt hungrig. Bleibt töricht."

Die vollständige Rede ist auf der website humanity zu finden.

"Bleibt hungrig. Bleibt töricht." ist ein Zitat aus dem Whole Earth Catalog von Steward Brand