Als „der miese peter“ präsentiert Markus Berger seit 2005 sein ständig aktualisiertes Musik-Kabarett-Programm: „liederliches, lästerhaftes“ in ganz Deutschland und Österreich. „der miese peter kritisiert wortgewandt das Zeitgeschehen, unterhält mit doppelbödigen Liedern
und spielt respektlos mit allem, was ihm zwischen die schlimmen Finger kommt“, so Berger. Wir freuen uns, dass wir diesen „Hofnarren der heutigen Zeit“ für eine monatliche Kolumne gewinnen konnten. globe-M wünscht viel Vergnügen!
Kann den Wulffen Sünde sein?
Liebe Mietbürger! Ich bin vielleicht nicht der richtige Bundespräsident für ihr Land, aber ganz bestimmt der passende. Denn ist nicht jedem von uns schon einmal Büromaterial heimlich nach Hause gefolgt, hat sich unsere Privatpost geschickt zwischen Briefen der Firma versteckt oder drängten uns Lieferanten auch privat gewaltsam ihre Prozente auf? Das ist doch alles nicht so schlimm, schließlich haben wir es uns verdient, ganz normales Wulffen halt.
/p>Als demokratische Egoisten wissen Sie natürlich: Wer immer nur fremde Interessen vertritt, dem können auch mal eigene dazwischen geraten. Schließlich sind wir bei der Arbeit zuhause, und ein schönes Zuhause ist auch Arbeit (meint meine Frau). Und viele unserer Geschäftspartner sind nur deshalb unsere guten Freunde, weil wir unabhängig von unserem Job so unglaublich interessante Typen sind. Wer will ihnen das verdenken?
In den Blättern zur Berufskunde habe ich mal gelesen: „Unternehmer schenken nicht, sie investieren“. Aber mal ehrlich: Das hätten die anderen doch gemerkt! Und wer von uns ist schon in der Lage, den feinen Unterschied zwischen einem unabhängigen Finanzoptimierer und einem Betrüger bestechend zu erklären? Meine Banker und Anwälte jedenfalls nicht. Dabei kennen die sich schon von Berufs wegen mit der Wahrheit aus – schließlich bezahle ich sie dafür. Und gerade die Bild-Zeitung sollte doch wissen, dass Nehmen genauso selig ist wie Geben, solange denn der Geber selig ist. Aber das habe ich so nicht gesagt – auch nicht am Telefon.
Irgendwer meint, ich hätte Fehler gemacht. Das tut mir leid. Auch, dass ich nicht weiß, welche. Dennoch bin ich bereit, meine Frisur zu ändern. Und meine Brille. Und ein Buch zu schreiben: „Frau tätowiert, Typ gebrandmarkt“, oder so. Irgendwer wird’s schon bezahlen. Aber das bleibt jetzt mal unter uns Pastorentöchtern.
Um zukünftige Bundespräsidenten vor ähnlichen Identitätskrisen zu bewahren, schlage ich zudem die Mainzelmännchen als neue moralische Instanz vor. Erstens haben auch sie beste Kontakte zur Wirtschaft. Zweitens wissen sie nach einem Streich stets, dass sie etwas ausgefressen haben. Und drittens gefällt mir ihre Moral von der Geschicht‘: Mit dem Zweiten sieht man besser – weg.
Mit unbezahlbaren Grüßen
Ihr öffentlich-rechtliches Bundesrudiment Markus Berger
Zum Blauen See 31
40878 Ratingen
02102-7088014
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