Die Liebe in Zeiten des Chansons

Barbara Russ am 15.11.2010
Leatitia Casta als Brigitte Bardot
Leatitia Casta als Brigitte Bardot
Gainsbourg und Birkin
Gainsbourg und Birkin
Gainsbourg und seine "Fresse"
Gainsbourg und seine "Fresse"
Gainsbourg und Bardot
Gainsbourg und Bardot

So lächerlich die deutsche Übersetzung des französischen Originalfilmtitels "Serge Gainsbourg, vie héroïque" auch sein mag: „Gainsbourg – der Mann, der die Frauen liebte“ - so phantasievoll ist seine Inszenierung.

Der Regisseur Joann Sfar, eigentlich Comiczeichner, wuchs mit der Musik Serge Gainsbourgs auf und träumte lange Zeit von einem Treffen mit dem französischen Weltstar. Zu lange – 1991 starb Gainsbourg an einem Herzstillstand, bevor der junge Sfar ihm seine Comiczeichnungen, inspiriert von Gainsbourgs Buch „Das heroische Leben von Evgenij Sokolov“, zeigen konnte.

Ein Comiczeichner wird zum Regisseur

Stattdessen entdeckt Jahre später ein Produzent bei One World Films Sfars Vision eines rauchenden, trinkenden Frauenhelden mit der Liebe zu Kunst und Musik und ist begeistert. Es seien nicht Gainsbourgs Wahrheiten“, die ihn interessierten,“sondern seine Lügen“ sagt Sfar dem Produzenten. Dieser ist begeistert und will es wagen, das Leben Serge Gainsbourgs auf die Leinwand zu bringen. Neben einigen der begehrtesten Schauspieler, die Frankreich derzeit zu bieten hat, haben auch Sfars Zeichnungen einen Platz in der Geschichte, genauso wie die „Fresse“ von Gainsbourg, eine übergroße Pappmaché-Marionette, die ihn zu Dummheiten und Draufgängertum anstiftet, aber auch als treuer Begleiter an seiner Seite ist, als er sich im Wald vor den Deutschen verstecken muss.

Vo Ginsburg zu Gainsbourg

Denn Serge Gainsbourg wird nicht als dieser geboren. Auf die Welt kommt er als Lucien Ginsburg, Sohn einer russisch-jüdischen Immigrantenfamilie, der noch nicht einmal gerne Klavier übt, sondern lieber zeichnet. Er beginnt mit 13 zu rauchen und entdeckt ebenso früh seine Leidenschaft für die Frauen.

Frauenherzen und zensierte Orgasmen

Seine Eroberungen sind zweifelsohne legendär, die Affäre mit Brigitte Bardot (Latitia Casta) und die vermutete mit Juliette Gréco (Anna Mouglalis) brachten dem poetischen Lebemann den Ruf eines Frauenhelden ein. Schließlich folgt die Romanze mit Jane Birkin (Lucy Gordon- die der Birkin ebenso aus dem Gesicht geschnitten ist, wie der Gainsbourg-Darsteller Eric Elmosnino seinem berühmten Vorbild), aus der eine bewegte Ehe wird. Gemeinsam nimmt das Paar den berühmten Chanson“Je t’aime... moi non plus“ auf, der ihnen Weltruhm beschert und die Kirche wegen der sexuellen Anspielungen und des Stöhnens von Jane Birkin gegen sie aufbringt. In einigen Ländern wird der Song sogar ganz verboten – was natürlich seine Berühmtheit nur steigert.

Einsame Fresse 

Solange Gainsbourg verheiratet ist, ist die Fresse übrigens auf das Abstellgleis verfrachtet, sitzt lustlos über den Dächern Paris‘ und raucht eine Kippe nach der anderen. Der brave Lebenswandel des Familienfaters missfällt seinem Alter Ego sehr – und so dieses wird ungeduldig und gewinnt schließlich wieder die Oberhand über das Leben des Sängers. Es folgen mehr Alkohol, mehr Zigaretten, ein Herzinfarkt und schließlich die Scheidung. 

Die Verfilmung des bewegten Lebens eines großen Künstlers, Poeten und Musikers, dessen Werk bis heute die französische Film- und Musiklandschaft prägt, ist Sfar in diesem modernen und tragischen Märchen absolut gelungen. Originalfassungen mit Untertiteln zeigen beispielsweise die Yorck Kinos Rollberg, Broadway oder Passage.