Down by Law

Jessica Bock am 09.01.2012
Germaine Richier: Le Griffu, 1952, Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Germaine Richier: Le Griffu, 1952, Museum Ludwig, Köln © VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Kasper Königs letzte programmatische Ausstellung im Kölner Museum Ludwig setzt sich mit der Rolle des Gesetzes in der Gesellschaft auseinander. Zu sehen sind Skulpturen und raumgreifende Arbeiten.

Die Rechtlosigkeit des einfachen Mannes

Ausgangspunkt für die Ausstellung Vor dem Gesetz ist die gleichnamige Parabel, die Franz Kafka 1915 verfasste. Darin beschreibt er einen einfachen Mann vom Lande, dem Zeit seines Lebens ein Torhüter den Zugang zum Gesetz verwehrt. Der Mann erfährt nie, was das Gesetz ist. Zudem ist er sich auch nicht seiner gesetzlichen Rechte bewusst.
Die Ausstellung zeigt nun verschiedene künstlerische Positionen, die sich mit dem abstrakten Begriff „Gesetz“ beschäftigen.

Systematische Ungerechtigkeit

Direkt am Anfang der Ausstellung befindet sich eines der stärksten Exponate: Jimmi Durhams Building a Nation. Seine Installation besteht aus alten Möbelstücken und sonstigem Zivilisationsmüll. Dazwischen versteckt finden sich immer wieder historische indianerfeindliche Zitate – unter anderem vom ehemaligen Präsidenten Theodore Roosevelt. Thematisiert wird die systematische Ausrottung und Vertreibung der amerikanischen Ureinwohner und was aus ihrem Land wurde. Die Indianer wurden nicht durch die Gesetze des weißen Mannes geschützt und stehen damit stellvertretend für den noch heute ungerechten Umgang mit ethnischen Minderheiten.
Den Extremfall dieser Ungerechtigkeit deutet Andreas Slominskis Glückspfennig an. In einer großen Glasvitrine präsentiert er einen einzelnen Reichspfenning – Prägejahr 1943. Angeblich hat er ihn bei einem Besuch des ehemaligen Konzentrationslager Buchenwald gefunden. Als winziges Versatzstück der Geschichte wirft das Geldstück Fragen auf. Wem gehörte die Münze einst? Welche Rolle spielte diese Person an diesem historisch belasteten Ort? Wem brachte der Pfennig Glück und wem Verderben?

Zivilcourage ist ein wichtiges Thema in der modernen Gesellschaft. Im Jahr 1889 schuf Auguste Rodin die Plastik Die Bürger von Calais. Er erinnerte damit an die Opferbereitschaft von sechs Bürgern der Stadt, die sich während des Hundertjährigen Kriegs freiwillig in englische Gefangenschaft begaben, um die restliche Bevölkerung zu schützen. Sowohl die Legende, als auch die Plastik Rodins sind bis heute Symbol für Zivilcourage. In zwölf Städten – verteilt auf der ganzen Welt – finden sich aktuell Abgüsse der Plastik. Die Fotografin Candida Höfer hat sie dort festgehalten. Sie zeigt die verschiedenen Präsentationsarten der Plastik und hinterfragt damit dem Umgang mit dem kollektiven Gedächtnis.

Wie kein anderes Medium vermag es die Kunst Fragen zu stellen. Was ist das Gesetz? Wer macht es? Behandelt es jeden gleich? Die Ausstellung visualisiert diese Fragen und regt damit zum Nachdenken über die eigene Position „vor dem Gesetz“ an.

Weitere Informationen

Vor dem Gesetz. Skulpturen der Nachkriegszeit und Räume der Gegenwart
17. Dezember 2011 bis 22. April 2012
Museum Ludwig
Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr


Ausstellungsvermerk des Museums Ludwig

 
 

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