Schon seit einigen Jahren schließen sich Tanzparkett und Indierock nicht mehr aus. Auch für Punk'd Royal muss gute Gitarrenmusik tanzbar und ansteckend sein.
Mit ihrer neuen EP schicken die drei jungen Düsseldorfer die Modestadt auf den Tanzboden. Unlängst konnte das Trio auf dem "Open Source"-Festival ihr Talent auch live auf der Bühne zur Schau stellen. Die Brüder Aljoscha und Niklas Mallmann berichten Globe-M von dem Mangel an Auftrittsmöglichkeiten in Düsseldorf und der Unverzichtbarkeit von Livekonzerten.
Globe-M: Eure neue EP klingt, als hätten die Achtziger Jahre euren Sound beeinflusst. Was ist so toll an diesem Jahrzehnt?
Aljoscha Mallmann: Gute Frage! Neben tollen Casio Uhren gab es scheinbar eine Menge verschieden klingender Künstler, die sich entweder stark befruchtet haben oder sich eben musikalisch komplett abgrenzen wollten. Wir haben die Achtziger nicht erlebt, aber werden von unserem Sound her oft in die Richtung geschoben. Das ist uns nicht immer ganz recht, aber allemal besser als die Neunziger Jahre.
Globe-M: Als Referenz zu euren Songs sind mir The Whitest Boy Alive eingefallen, eine Band, die im Indie-Kreis offen zu ihrer Liebe zu House und Dance Music steht. Sind sie ein Einfluss für euch?
Aljoscha Mallmann: The Wihtest Boy Alive sind eine unglaublich tolle Band, ganz ohne musikalische Hemmnisse und mit einer unfassbaren Energie - und doch ganz ruhig. Wir funktionieren allerdings anders, wir sind laut und etwas weniger beherrscht. Irgendwie wilder. Aber sie gehören definitiv zu unseren Lieblingsbands.
Globe-M: Die Kilians oder Robocop Kraus, mit denen ihr bereits gespielt habt, sind Beispiele für deutsche Bands, die eine Bekanntheit erreicht haben, die über die eigene Szene hinaus geht. Wie schätzt ihr den Ruf oder das Standing von Punk'd Royal über Düsseldorf hinaus ein?
Niklas Mallmann: Ich schätze, dass doch einige Leute, nicht nur aus der Szene, uns kennen und schätzen gelernt haben; sei es live oder durch die Rotationen auf Sendern wie Motor FM in Berlin. Es ist momentan ehrlich gesagt schwer zu einzuschätzen, da wir auch momentan keine Platte physisch vertreiben, an der wir unseren Bekanntheitsgrad ablesen könnten. Ich denke unser Ruf ist gut, zumindest geben wir uns Mühe, uns nicht komplett daneben zu benehmen und legen recht viel Wert auf Professionalität, da so die ganze Sache für alle einfach mehr Spaß macht und entspannter ist.
Globe-M: Ihr habt 150 Shows in den letzten drei Jahren gespielt und auch in diesem Sommer seid ihr sehr aktiv. Was bedeutet es für euch aufzutreten?
Niklas Mallmann: Live zu spielen bedeutet für uns alles! Man merkt erst live, dass es die Band wirklich gibt und dass sie lebt! Sonst würden wir doch den ganzen Tag nur vorm Laptop oder im Studio hocken. Außerdem sind Konzerte unserer Größe immer eine prägende Erfahrung was Menschenkenntnis und den Umgang mit extraordinären Leuten angeht. Sowas lernst du doch nirgendwo sonst!
Globe-M: Ist es schwer, sich als kleinere Band eine Deutschlandtour zu organisieren?
Niklas Mallmann: Nein, ich könnte dir an einem Tag zehn Gigs in Folge buchen, allerdings ohne Gage, ohne Spritgeld und ohne Nahrung geschweige denn Bier! Die wirkliche Schwierigkeit als kleinere Band ist es leider, sich eine Tour zu buchen, die sich selber finanziell einigermaßen trägt. Ich mache da keinem direkt Vorwürfe, aber Independent-Live-Musik hat einfach keinen Gegenwert mehr in Deutschland.
Globe-M: Tanzen ist das Stichwort. Wo gehen Punk'd Royal am liebsten aus in Düsseldorf?
Aljoscha Mallmann: Es kommt drauf an, was man möchte und vor allem wie der Abend enden soll. Also unsere Favoriten sind die Anaconda, das Pretty Vacant und der Salon des Amateurs. Die Clubs sind auf ihre Weise sehr liebenswürdig und unterscheiden sich stark, sowohl in der Musik als auch vom Publikum her. Die Anaconda hat mit den besten Elektro in der Stadt, im Pretty kann man auch gut rocken und im Salon passt der Wein zum Teppich!
Globe-M: Wie beurteilt ihr die Düsseldorfer Musikszene? Gibt es gute Auftrittsmöglichkeiten?
Aljoscha Mallmann: Das ist schwierig. Man hat das Gefühl, dass es nur besser werden kann. Mal abgesehen von Pretty Vacant und dem Kulturzentrum zakk gibt es kaum Möglichkeiten gute Konzerte zu spielen. Die Stadt scheint es nicht sehr zu kümmern. Es passiert schon mal, dass Clubs ihre Erlaubnis verlieren, Konzerte zu veranstalten, weil sich irgendein neu zugezogener Nachbar beschwert. Da packt man sich dann an den Kopf und denkt wie doof manche Leute sind, in die Altstadt zu ziehen und dann über Lärmbelästigung zu meckern. Es kommen oft eher wenig Leute zu Konzerten, spontan erst recht nicht. Es gibt auch nicht wahnsinnig viele gute Bands und irgendwie dreht sich vieles um sich selbst. Von Köln oder Berlin ist Düsseldorf leider weit entfernt. Aber wir haben das Gefühl, dass sich etwas tut.
Mehr Informationen: http://www.punkdroyal.com