Düsseldorf, UK

Bastian Küllenberg am 11.01.2011

Hanno Stecken, Manuel Kalb und Sebastian Böltner teilen eine Liebe zu britischer Gitarrenmusik. Mit ihrer Band The Distinctives leben die Düsseldorfer diese seit dem letzten Jahr auch im Proberaum und auf der Bühne aus.

Ende 2010 veröffentlichte die Band im Eigenvertrieb ihre erste EP "Hermeneutica" und für das neue Jahr haben sich die drei Herren Einiges vorgenommen. Globe-M bat die Düsseldorfer Newcomer zum Gespräch.

Globe-M: Eure Debüt-EP „Hermeneutica“ ist kürzlich erschienen. Wie sind die Aufnahmen gelaufen?

Hanno Stecken: Das war eigentlich eine sehr entspannte Aktion. Aufgenommen haben wir zusammen mit der Tresorfabrik, die ja jetzt ein neues zu Hause in Duisburg hat. Im Juni war das allerdings noch nicht so – also mussten wir das Ganze in unserem Proberaum machen. Das hatte den Vorteil der vertrauten Umgebung und des gewohnten Sounds, vielleicht auch ein Grund, warum wir sehr zufrieden sind mit der EP.

Manuel Kalb: Glen Nichols hat in London dann das Mastering gemacht, das war dann noch mal eine Stufe genialer und hat uns vollends glücklich gemacht mit dem Endprodukt. Zu dem Zeitpunkt waren wir gerade mal ein paar Monate als Band zusammen.

Globe-M: Wenn man die Songs auf „Hermeneutica“ hört, denkt man schnell an britische Bands wie The Jam oder The Wedding Present. Darf man euch „Britpop“ nennen?

Manuel Kalb: Britpop sind ja eigentlich Bands, die auch britisch sind. Auf der anderen Seite haben wir aber natürlich einen britischen Sound. Mit Britpop können wir prinzipiell ganz gut leben, damit sind wir als Kinder der 90er ja auch aufgewachsen.

Sebastian Böltner: In unserer Generation gibt es wahrscheinlich niemanden im Bereich Indie Pop, für den Oasis nicht der Anlass waren, eine Band zu gründen. Mit The Wedding Present wurden wir bisher allerdings noch nicht verglichen. Das käme in der Liste dann hinter The Coral und anderen Bands mit denen wir verglichen wurden. Dass Britpop ja eigentlich schon tot sein soll und doch wieder lebt, macht so einen Genre-Begriff ja nicht unbedingt leichter. Mit „Indie“ ist das ja genauso.

Globe-M: Stören euch Schubladen oder Vergleiche mit anderen Bands?

Hanno Stecken: Nein, die passieren ja immer automatisch. Menschen finden sich ja schließlich anhand von Bildern und Vorurteilen in der Welt zu Recht. Wichtig ist nur, dass man flexibel bleibt und sich traut, die eine oder andere Schublade mal aufzuräumen. Auch wenn wir uns The Distinctives nennen, haben wir die Popmusik ja nicht neu erfunden.

Globe-M: Was beeinflusst euer Songwriting?

Hanno Stecken: Eine große Rolle spielt immer, was man aktuell gerade selbst hört. Es ist dabei auch nicht maßgebend, ob das die Bee Gees, Miles Davis oder Stockhausen ist. Es gibt eine Vielfalt von Sounds, die wiederum eine Vielfalt von Assoziationen hervorrufen. Beim Songwriting spielt man damit.

Manuel Kalb: Sebbi schreibt den Großteil der Songs. Das sind sicherlich die wichtigen Grundlagen. Entscheidend ist aber auch, wie man das arrangiert. Wir sind eine Drei-Mann-Band und entsprechend passende Klangfarben zu machen, die nicht zu sehr aus einem Guss klingen, ist deshalb eine große Herausforderung.

Sebastian Böltner: Unser Lied „On Time“ ist vom Songwriting eher klassisch. Es geht um Zeitgefühl, Angst, Liebe und Verzeihen, aber alles fest strukturiert in drei Minuten, mit offenem Ende. Bei „You Better Run“, dem letzten Song auf der EP und zurzeit unser Konzert-Opener, beruhte das Songwriting dann aber auch mal nur auf einem ausgiebigem Jam bei der Probe. Interessanterweise hat der Song etwas sehr dunkles. Der zugegeben kurze Text passte einfach so, ohne dass man sich zu tiefe Gedanken über die Wort machte. Im Nachhinein kann man da natürlich viel rein interpretieren.

Globe-M: Wie beurteilt ihr die Musikszene in Düsseldorf?

Manuel Kalb: Witzigerweise haben wir im Rahmen unseres gemeinsamen Studiums mal eine Umfrage dazu gemacht. Die Musikszene ist existent und lebt. Allerdings hat man das Gefühl, dass die Musik vor allem ein paar Verrückte und die Musiker selbst interessiert. Für eine so große Stadt mit der Bürde, mit Kraftwerk eine der bedeutendsten Bands aller Zeiten hervorgebracht zu haben, ist das ein bisschen wenig. Schade, aber das muss ja nicht so bleiben.

Globe-M: Welche Düsseldorfer Bands außer Euch sollte man sich unbedingt anhören?

Sebastian Böltner: Bei Hack Mack Jackson, Georg Zimmermann, The Wedges und Justus Parker spielen zumindest Düsseldorfer mit. Also unbedingt anhören!

Globe-M: Wo tretet ihr in Düsseldorf am liebsten auf?

Hanno Stecken: Das „Pretty Vacant“ ist der beste Laden, um kleine Live-Gigs zu spielen. Dort haben wir bereits viele gute Abende gehabt – auf der Bühne und auch vor der Bühne auf der Tanzfläche. Für größere Gigs ist das sehr sympathische „zakk“ immer ein Konzert wert. Das „Open Source“-Festival wäre auch eine feine Sache und zu guter Letzt endlich mal ein Auftritt in der Philipshalle oder gleich in der Esprit-Arena.

Globe-M: Wo geht's für euch hin, wenn es darum geht einen "perfekten Tag" in Düsseldorf zu haben?

Manuel Kalb: Der perfekte Tag beginnt mit einem Füchschen und einem Mettbrötchen auf der Ratinger Straße. Bei Hitsville mit ein paar Platten eingedeckt, geht es anschließend zum Chillen in den Volksgarten und danach zur Fortuna, deren Sieg dann in den diversen Clubs, wie dem „Pretty Vacant“ und Kneipen, etwa dem „Schaukelstühlchen“ gefeiert wird.

Globe-M: Ich danke euch für das Gespräch.

Weiterführende Links: The Distinctives bei MySpace

Nächste Live-Termine:

13.1.2011 Krefeld - Kulturfabrik (mit The Bishops)

15.1.2011 Düsseldorf - zakk (mit beat! beat! beat!)