Eine dunkle Begierde

Jessica Bock am 16.10.2011
© Universal Pictures International
© Universal Pictures International

Regisseur David Cronenberg erzählt in seinem neuen Film eine Dreiecks-Geschichte aus der Kinderstube der Psychoanalyse.

Eine gefährliche Methode

Der Schweizer Psychotherapeut C.G. Jung (Michael Fassbender) hat sich bereits einen Namen gemacht, als er eines Tages die junge Hysterikerin Sabrina Spielrein (Keira Knightley) kennenlernt. Sie wird seine Patientin und offenbart ihm während der Therapie ihre masochistischen Vorlieben. Jung nimmt Kontakt zu seinem berühmten Vorbild Sigmund Freud (Viggo Mortensen) auf, um sich im Fall Spielrein Ratschläge zu holen. Freud empfängt ihn zunächst freundlich, ist er doch davon überzeugt in Jung seinen Nachfolger gefunden zu haben. Fachliche Streitereien entzweien sie jedoch immer mehr. Als Jung schließlich eine Affäre mit Sabrina Spielrein beginnt, droht die Beziehung zwischen Freud und Jung endgültig zu zerbrechen.

Es fehlt die Leidenschaft

David Cronenberg ist bekannt für das Genre des Body Horrors. In seinen Filmen, wie eXistenZ, spielen Zerbrechlichkeit und die Angst vor Verletzungen und Infektionen eine zentrale Rolle. In den letzten Jahren hat er sich jedoch zunehmend den psychologischen Aspekten menschlicher Abgründe zugewandt. In Eine dunkle Begierde zeigt er, was geschieht, wenn Menschen die täglich in die Abgründe anderer Menschen schauen, in ihre eigenen fallen. Jungs Faszination für Sabrina Spielrein bringt nicht nur seine private Welt, sondern auch seine berufliche Zukunft ins Wanken. Trotzdem lässt er sich bewusst darauf ein.

Die auf Tatsachen beruhende Geschichte vermag nur stellenweise den Zuschauer zu fesseln. Vor allem die Dialoge zwischen Freud und Jung sind unterhaltsam. Aus anfänglichen Wohlwollen wird bald ein Verhältnis, das von Konkurrenzkampf und Missbilligung geprägt ist. Mortensen und Fassbender sind in der Lage, das vergiftete Vater-Sohn-Verhältnis plausibel darzustellen. Die Liebesbeziehung zwischen Jung und Spielrein hingegen schafft es nicht zu berühren. Die oft beschworene Leidenschaft kann vor allem Keira Knightley nicht glaubhaft vermitteln.
Ein dunkle Begierde gibt zwar eine interessante Episode aus dem Leben des herausragenden Denkers C.G. Jung wieder, es fehlt dem Film aber an Relevanz. Die spannende Idee, das Verhältnis der wichtigsten Vertreter der Psychoanalyse zu beleuchten, scheitert leider an einer allzu lieblos erzählten Liebesgeschichte.

Weitere Informationen

Eine dunkle Begierde
Filmstart: 10. November 2011
Länge: 99 min
Verleih: Universal Pictures International

Website zum Film