Gerüchten zufolge soll das Flamingobild des russisch-ukrainischen Fotografen Fjodor Moon im Schlafzimmer von Kevin Spacey hängen. Trotzdem wird der Künstler von keiner Galerie vertreten. Seine mystisch anmutenden Arbeiten zeigt er nur privat.
In der spätsowjetischen Ära blieb den sogenannten informellen Künstlern keine andere Wahl, als ihre Bilder in Wohnungen oder Ateliers zu präsentieren. Im heutigen Moskau dagegen gibt es für einen Künstler, wenn man von einigen reaktionären Ausnahmen absieht, keinerlei Einschränkungen ideologischer oder sonstiger Natur. Es ist daher ziemlich verwunderlich, dass die Ausstellung eines renommierten Fotografen im ganz privaten Rahmen, einem zwar geräumigen, aber trotzdem keinesfalls "präsentablen" Atelier stattfindet.
Vernissage unter Freunden
Für Fjodor Moon ist es ganz normale Praxis: Alle seinen Fotoarbeiten zeigt er fast ausschließlich nur privat. Ob das eine Marotte oder aber eine Marketing-Strategie ist, ist schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall sind zur Vernissage auch diesmal Menschen gekommen, die mit Moon nicht nur feiern wollen, sondern am Erwerb seiner Kunst interessiert sind. Unter 1x1 Meter großen Fotos sieht man gelegentlich weiße Klebzettel, auf denen ein Vorname gekritzelt steht: Diese Arbeiten gelten als verkauft.
Alle Abstufungen von Licht
Alle ausgestellten Fotografien gehören zu seiner neuen Serie "Hölle, Fegefeuer, Paradies". Es sind unglaublich plastische und herrlich matte Nahaufnahmen von Hortensienblüten, die im Begriff sind zu verwelken oder schon verwelkt sind. Die großformatigen Bilder mit ihren blassen Farben und diffusen Konturen könnten vielleicht an ausgeblichene Postkarten und Poesiealben aus dem späten 19. Jahrhundert erinnern, ihre Wesensart hat aber nichts mit dem verkitschten Sentiment zu tun, sondern allein mit der Suche nach Tiefe – im räumlichen und im philosophischen Sinne des Wortes.
Dreidimensionale Fotografie
Fjodor Moon bedient sich einer eigentümlichen Technik, die er einmal entdeckt und weiterentwickelt hat. Er schraubt ein altes sowjetisches Objektiv mit einer professionellen Digitalkamera zusammen und lässt dadurch andere Lichtverhältnisse entstehen. Damit hält der Künstler Objekte und Landschaften fest, wobei es ihm vor allem um Schatten in allen Helligkeitsstufen geht. Für Moon ist der Schatten nicht die scharf gezeichnete Silhouette an einer Wand, sondern Abstufungen von Licht. Die Schattenübergänge, die der Künstler einfängt, erzeugen eine fast holografische Tiefe, die auf den Betrachter einen Sog ausübt und ihn nicht mehr loslässt. In die Bilder von Moon schaut man hinein, wie in alte Ziehbrunnen, denen nachgesagt wird, man könne in ihrer Tiefe auch tagsüber Sterne sehen.
Seinen Fotografien haftet etwas Mystisches oder zumindest Märchenhaftes an. Die Versuchung ist groß, sich auch ihren Schöpfer als einen Zauberer vorzustellen. Das wäre dann eine gute Erklärung dafür, warum Fjodor Moon das grelle Licht der Öffentlichkeit scheut und viel lieber im Verborgenen seine magische Kunst ausübt.