Musik ist „Ausdruck des Lebens“, sagt Herbie Hancock. Und so scheute sich der legendäre Jazz-Pianist nie, dieses Leben in seine Musik zu packen: Debussy bis Ravel, Folklore, Gershwin, Rhythm & Blues, Rock, Pop und Rap. Heute feiert Hancock seinen 70. Geburtstag.
Mit Mozarts fünftem Klavierkonzert in D-Dur, begleitet vom Chicago Symphony Orchestra, spielte das Wunderkind 1952 zum ersten Mal vor großem Publikum. Da war er zwölf. Seitdem erschien sein Name auf mindestens 200 Alben. Der Jazzer gilt als einer der einflussreichsten Komponisten und Interpreten des Genres.
Ein Purist oder Verteidiger einer elitären Kunstform wollte er nie sein. In Interviews protestierte Hancock dagegen, „Jazz ins Museum“ abzuschieben. „Jazz ist offen“, erklärt er. „Jazz geht auf andere Kulturen und Genres zu, öffnet sich und verbindet die verschiedenen Einflüsse zu neuen Sounds.“
Das Handwerk bei Miles Davis gelernt
1940 in eine afroamerikanische Mittelstandsfamilie in Chicago geboren, nahm Herbert Jeffrey Hancock schon als Kind Klavierunterricht. 1963 stieg er in das Quintett von Miles Davis ein. Zu jener Zeit war er selbst noch „ein richtiger Jazz-Snob“, ein Purist, bekennt Hancock. Da aber Miles Davis alles hörte – Jimi Hendrix, Cream, die Rolling Stones – öffnete sich auch Hancock anderen Einflüssen: „Weil ich so hip und cool sein wollte wie er.“ Das Miles-Davis-Quintett mit Wayne Shorter, Ron Carter, Tony Williams und Hancock wurde zu einer der einflussreichsten Jazz-Combos der 60er Jahre.
„Watermelon Man“ aus Hancocks Debüt-Album „Takin' Off“ (1962) machte die Jazzgemeinde erstmals auf den jungen Musiker aufmerksam. Der Hit gilt als Blaupause für guten Jazz und ist seitdem von über 200 Musikern gecovert worden. Es folgten Erfolge wie „Cantaloupe Island“ oder „Maiden Voyage“. Schon damals nahm Hancock Anleihen bei Rock und Rhythm & Blues. Mit dem auch kommerziell erfolgreichen Album „Chameleon“ landete er später sogar in der Disco-Ecke.
Auch für Filmmusik nicht zu schade
Immer wieder stürmte Hancock die Hitparaden und schreckte auch vor der Vertonung von Werbespots und Fernsehserien nicht zurück. Er komponierte die Musik für den Action-Streifen „Ein Mann sieht rot“ (1974) mit Charles Bronson und bekam einen Oscar für den Soundtrack von Bertrand Taverniers Jazz-Film „Round Midnight“ (1986).
Hancock ist seit 1968 mit der Deutschen Gudrun Meixner verheiratet und hat eine Tochter. Seit 1972 ist er Buddhist. Leben und Musik sind für ihn verknüpft: „Ich will, dass mein Leben mehr ist als eine bloße Folge von Ereignissen“, sagte der zwölffache Grammy-Preisträger. „Was ich suche, ist die Magie, die den Raum mit Herz erfüllt.“
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dpa/Lino Wirag