
Eine Gruppe Medienstudenten arbeitet momentan an einer unabhängigen Webserie namens Gangster of Love, die zum ersten Mal in Deutschland versucht, das Format ernst zu nehmen.
Die Webserie ist ein – zumindest in Deutschland – noch eher unterentwickeltes Format. Versuche wie die Bild-Produktion Deer Lucy oder das StudiVZ-Format Pietshow sind, obwohl sie doch beachtet wurden, nie so wirklich in den Mainstream durchgesickert. Wie bei allen Trends sollte man in die USA schauen: Dort ist das neue Format bereits angekommen. Große Produktionen wie Battlestar Galactica überbrücken den Zeitraum zwischen den einzelnen Staffeln mit eigenen, aufwändig produzierten, internetexklusiven Episoden, ganz zu schweigen von einer Masse an unabhängigen Produktionen. Auf dem deutschen Markt teilen sich die Versuche bis jetzt in Webserien, die versuchen, kommerziell erfolgreiche Formate und Ideen nachzuahmen, und solche, die in schlichtweg schlecht produzierte Comedy abdriften. Die Gemeinsamkeit beider Species: Sie spielen immer in Berlin.
Größer als geplant
Die momentan entstehende Webserie Gangster of Love ist wahrscheinlich nicht diejenige, die das Format aus der Nische holt, in der es momentan vor sich hin dümpelt. Sie lohnt aber zumindest einen Blick, weil sie nicht nur aufwändig produziert ist, sondern auch das Format ernst nimmt. Regisseur von Gangster of Love ist der Medienstudent Thomas Mielmann. Die Serie wurde sehr viel größer als ursprünglich geplant: Was zunächst nur ein kleines studentische Projekt werden sollte, um in Medienseminaren gelernte Theorie zu Übungszwecken praktisch umzusetzten – was also eigentlich nie das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollte - wurde bald zu einer Großveranstaltung mit einem dicken Skript und einer Crew von mehr als hundert Mitarbeitern. Im Mittelpunkt steht der Student Max, der sich mit Promotionjobs über Wasser hält, sein Studium eher vernachlässigt, Gefühlsangelegenheiten blauäugig angeht, und ansonsten auf der Suche nach seiner Herzensdame ist. Und dabei natürlich in allerlei Verwicklungen zwischen Einsamkeit und Skurrilität gerät. Was inhaltlich klingt, als höbe es sich wenig vom Mainstream ab, ist aber doch eine Neuheit: Die Macher von Gangster of Love sind keine Anfänger, die ohne Sinn und Verstand zusammengestopselte Youtube-Clips online stellen. Nicht nur die Schauspieler, auch alle, die hinter der Kamera stehen, haben schon Erfahrung in ihrem Bereich gesammelt.
Ein kleines Juwel
Gangster of Love ist vor allem deshalb interessant, weil es eine anspruchsvolle, unabhängige Serie ist, die professionell produziert wird. Selbstverständlich wird Gangster of Love nicht die deutsche Serienlandschaft umkrempeln, obwohl sie im Fernsehen vielleicht auch Erfolg hätte. Aber Gangster of Love ist ein kleines Juwel, und dürfte allen Freude bereiten, die im Netz darüber stolpern.
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