Kölner Klänge: Entertainment For The Braindead

Bastian Küllenberg am 12.03.2010

Entertainment For The Braindead erforscht die Grenzen des alleine Machbaren. "Ich bin meine eigene Band", sagt Julia Kotowski. Die Kölner Songwriterin ist seit über zwei Jahren dabei, ein höchst spannendes Soloprojekt zu entwickeln.

Melodien Schicht für Schicht

Wer auf sich allein gestellt ist, muss sich technische Hilfe suchen, um Limitierungen auszugleichen. Julia Kotowski hat einen interessanten Weg gefunden. Um weitere Möglichkeiten der Instrumentierung zu erhalten, bedient sich die Songwriterin der Loop - Maschine. Schicht für Schicht überlagern sich so die unterschiedlichen Spuren und lassen atmosphärische Klangwelten entsehen. Nicht selten wundert man sich, dass für diesen Sound tatsächlich nur eine Person verantwortlich ist und auch live funtkioniert das Konzept äußerst überzeugend.

Nach einigen teils im Eigenvertrieb, teils durch verschiedene Online-Labels veröffentlichten Platten, erschien Anfang 2010 die EP "Roadkill". Hier widmet die Künstlerin zehn Stücke einem einzigen Instrument. Nur das Banjo darf die sanfte, zeitweise zerbrechlich klingende Stimme begleiten und in einem Fall gesellt sich noch ein Tamborin dazu. Doch wer denkt, durch diese Begrenzung käme rasch Langeweile auf, der irrt gewaltig. Vielmehr zeigen diese Lieder, was man aus einem Instrument holen kann, das üblicherweise hauptsächlich dem Country zugeordnet wird.

Musik als Ausdruck und Verarbeitung

Veröffentlicht wurde "Roadkill" bei Aahhh-Records. Das Leipziger Online-Label bietet die Musik zum Download oder als reguläre CD an. Wer sich mit den qualitativ nicht zu beanstandenden MP3-Dateien begnügt, darf nach dem Herunterladen selbst über den Preis entscheiden oder kann die EP auch gratis abstauben.

Man merkt, dass hier die Möglichkeit zu Ausdruck und Verarbeitung wichtiger ist, als das, was im Geldbeutel landet. Entertainment For The Braindead ist Liebhaberei und zwar höchst ambitioniert. 
 

Interview mit Julia Kotowski (Entertainment For The Braindead)

Globe-M: Entertainment For The Braindead ist ein Soloprojekt und wird von Ihnen als Ihre "eigene Band" beschrieben. Wie kam es zu dem Alleingang?

Julia Kotowski: Es hat viele, wenn auch miteinander verzweigte Gründe, die ich nicht vollständig in Kürze erörtern kann. Es ist eine Frage der Logistik, der Arbeitsweise, wenn man so will. Es ist eine Frage von Schüchternheit. Irgendwo vielleicht auch eine Art künstlerisches Prinzip. Inzwischen taue ich ein bisschen auf und mache mehr auch mit anderen zusammen, auch mal in Band-Kontexten. Aber das ist dann etwas anderes... meine eigenen Sachen sind zu persönlich, vielleicht auch zu egozentrisch, als dass da im Entstehungsprozess überhaupt Raum für noch jemand anderen wäre.

Globe-M:
Bei den Liedern der neuen EP wird hauptsächlich ein Banjo benutzt. Woher kommt die Faszination für gerade dieses Instrument?

Julia Kotowski: Ich hatte das Banjo immer für ein brachial lautes, grobschlächtiges Instrument gehalten. Aber als ich dann letzten Herbst erstmals eins in der Hand hielt, schien mir eher etwas Sehnsuchtsvolles, fast Schwermütiges in seinem Klang zu liegen, das mich sofort ergriffen hat. Bei näherer Betrachtung erweist es sich außerdem als erstaunliches Universalinstrument: Man kann es zupfen, man kann es mit einem Bogen spielen. Mit seinem Fell ist es außerdem schon ein halbes Schlagzeug, das man mit bloßen Händen, mit Klöppeln oder sogar Besen bespielen kann. Trotzdem zieht sich etwas wie ein roter Faden durch alle Arten von Klängen, die es produziert.

Globe-M:
Auf der Homepage werden die Instrumente als "Freunde" bezeichnet. Seit wann besteht diese Freundschaft schon?

Julia Kotowski: Meine Blockflöten und ich kennen uns bereits seit der Grundschule, haben aber nur noch selten Kontakt. Meine Gitarre habe ich kurz nach dem Abitur kennengelernt, einige Zeit zuvor hatte ich eine flüchtige Bekanntschaft mit einer Geliehenen gemacht, aber wir haben uns zunächst nicht wirklich verstanden. Erst als ich mich 2006 in die Ukulele verliebte, sind wir uns tatsächlich näher gekommen und inzwischen weiß ich sie sehr zu schätzen. Überhaupt würde ich sagen, dass die Begegnung mit der Ukulele den größten und wichtigsten Anstoß für alles Weitere gegeben hat. Seither habe ich einen stetig wachsenden Freundeskreis.

Globe-M: Der Klang von Entertainment For The Braindead ist sehr atmosphärisch und oft melancholisch. Wodurch kommt die Inspiration zu solchen Songs?

Julia Kotowski: Wichtige Grundlage für meine Herangehensweise an Musik ist zum Einen auf jeden Fall ein ausgeprägter Spieltrieb. So sind mir ja auch die Instrumente eher Spielgefährten als Werkzeuge, ich probiere meistens bloß aus, mehr als dass ich irgendetwas bereits beherrsche. Aber die eigentlichen Lieder entstehen selten bis nie allein aus diesem Spieltrieb heraus, sondern nähren sich immer auch aus irgendwelchen Konflikten, Ängsten oder Zweifeln, die ohnehin nach außen drängen und damit dann an die Oberfläche und herausgespült werden. Wie bei einer emotionalen Nasendusche. Daher wohl der überwiegende Hang zur Melancholie. Zudem ist es vielleicht auch eine gewisse Grundstimmung, die sich da wiederspiegelt. So ganz kann ich es natürlich von hier aus nicht einschätzen, aber ich glaube, das hört sich schon alles sehr nach mir an.

mehr Infos: http://www.entertainmentforthebraindead.com