Kölner Klänge: Leon Laskowski

Bastian Küllenberg am 13.04.2010
Leon Laskowski, Fotos: MySpace
Leon Laskowski, Fotos: MySpace

Dass Folk nicht nur auf dem Lande reift, bewiesen schon Bob Dylan und Paul Simon. In den 2000er Jahren verhalfen New Yorker Künstler wie Adam Green und Jeffrey Lewis, denen bald das Label "Anti-Folk" anhaftete, dem Metropolen-Songwritertum zu neuer Blüte. Auch in Köln gibt es junge Musiker, die jenen Spuren folgen, auch wenn die Akustikgitarre in der Domstadt einem nicht gerade ins Auge springt.

Leon Laskowski wandelt neben seinen Bands Nil und beeline seit einiger Zeit auf Solopfaden. Im Interview mit Globe-M berichtet der Songwriter von Auftrittsmöglichkeiten und teilt Gedanken zur Szene.

Globe-M: Was bedeutet für Dich als Großstadtbewohner des Jahres 2010 das Wort "Folk"? Wie stehst Du zur Bezeichnung "Anti-Folk"?

Leon Laskowski: Ich lebe erst seit zweieinhalb Jahren wieder in einer Großstadt. Im Kern bin ich also Landei. Für mich ist Folk traditionelle amerikanische Volksmusik, deren Prinzipien sich der "Anti- Folk" bedient, um Texte von Großstädtern des Jahres 2010 zu vertonen. Gibt es eigentlich auch "Anti- Schlager"?

Globe-M: Wie beurteilst Du die Kölner "Anti-Folk" und "Singer/Songwriter"-Szene?

Leon Laskowski: Wenn ich zum Beispiel Künstlern aus Brooklyn von Köln erzähle oder versuche für sie ein Konzert in Köln zu organisieren, stelle ich immer wieder fest, dass es meiner Meinung nach keine Szene für "Anti- Folk" und "Singer/Songwriter" - Musik in Köln gibt. Es gibt regelmäßig stattfindende Konzertreihen mit genreverwandten Künstlern, diese setzen sich aber irgendwie nicht richtig durch. Vielleicht bin ich aber auch zu schlecht informiert.

Globe-M: Gibt es denn szeneübergreifend Zusammenarbeit mit befreundeten Musikern?

Leon Laskowski:
Was Kölner Indie Musik angeht macht sich unser Kollektiv "Power To Peter" allmählich einen Namen, zum Beispiel mit Events in der Papierfabrik oder im Sommer bei der c/o pop. Wir sind auch im Internet unter powertopeter.com vertreten.  Ich denke Livemusik gibt es in Köln genug, allerdings kein besonderes Interesse daran, ansässige Independent Bands tatkräftiger zu unterstützen, außer vielleicht beim Techno. Da muss man schon selber Initiative ergeifen, so wie wir und beispielsweise auch das "Come Together"-Projekt es tun. Aber großartig andere Verhältnisse habe ich in New York und Brooklyn auch nicht vorgefunden, als ich dort war. Du musst dich schon immer selber eifrig darum bemühen, deine Musik an den Mann zu bringen. Egal wo.

Globe-M: Ist es schwer an Auftritte in Köln zu kommen?

Leon Laskowski: Wenn man sich wirklich darum bemüht, geht es eigentlich immer. Irgendwann geht man allerdings den Veranstaltern auf die Nerven, die einem dann nach dem fünften Konzert bei ihnen raten, sich mal außerhalb Kölns umzuschauen. Oft gibt man aus dem Grund dann auch Auftrittsmöglichkeiten und Kontakte an befreundete Bands in unserem "Power To Peter"-Kollektiv weiter. In die interessanten Locations schafft man es als Band unseren Niveaus ohnehin nur als Support. Wenn man dann alles in Köln durchgespielt hat, fängt man an sich auch rauszutrauen, so wie ich es im letzten Jahr verstärkt mit der Band beeline gemacht habe. Aber wenn man nicht direkt tourt, sind einzelne Konzerte in Berlin oder Hamburg schwierig, da Aufwand und Nutzen in keinem guten Verhältnis zueinander stehen.

Globe-M: Wie und wann reifte der Entschluss, ein Soloprojekt neben einer Band zu starten?

Leon Laskowski: Den Entschluss alleine Musik zu machen und meine Sachen aufzunehmen, habe ich im Sommer 2007 nach einer für mich magischen Begegnung mit Devendra Banhart im Kölner Gebäude 9 gefasst, bevor ich die beiden Projekte NIL und beeline angefangen habe. Hätte ich nicht mit einem Mal die Adresse von Devendra in der Hand gehabt, um ihm meine Aufnahmen zu schicken, hätte ich vielleicht nie angefangen, meine eigenen Sachen engagierter anzugehen. Am nächsten Tag hab ich mir dann ein Aufnahmegerät geholt und losgelegt. Leider blieb es bei meiner Musik immer bei kurzfristigen Arrangements für kleine Konzerte zu denen ich mir dann Cello, Geige, Percussion und Background dazugeholt habe. Ein längerfristiges Projekt ist aufgrund der Auslastung durch andere Bands, für die mein Engagement immer größer war, noch nicht zu Stande gekommen.

Globe-M: Welche Künstler beeinflussen Dein Songwriting?

Leon Laskowski: Als ich das erste Mal mit 14 zur Gitarre griff habe ich Led Zeppelin, Jimi Hendrix, The Doors und Ten Years After gehört. Es dauerte eine gewisse Zeit bis ich mich auch auf modernere Sachen wie The White Stripes und The Strokes einließ. Dann eröffnete mir Adam Green mit seinem Wuschelkopf und früheren Alben eine neue Welt. Große Einflüsse sind Conor Oberst, Sufjan Stevens und The National Caribou, Hot Chip und Leute wie Jeffrey Lewis, allerdings beeinflussen mich alle gleichermaßen. Es kommt immer darauf an, ob ich mit einer Band spiele oder alleine Songs auf der Akustikgitarre schreibe.

mehr Infos: 

http://www.myspace.com/leonlaskowskimusic

http://www.powertopeter.com