Kölner Klänge: Nil

Bastian Küllenberg am 13.07.2010
Nil live, Fotos: © Moritz Jansen
Nil live, Fotos: © Moritz Jansen
Die Band, Foto: nilmusik.de
Die Band, Foto: nilmusik.de

Hier arbeiten einige junge Herren am Soundtrack für Köln und die ganze Welt. Nil verbinden Indie Rock internationaler Prägung mit deutschen Texten und klarem Bezug zur heimischen Szene.

Köln - mehr als Elektro und Karneval

„Wir sind eine Rockband aus Köln. Wir mögen Lederschuhe." So knapp beschreiben sich Nil auf ihrer MySpace-Seite. Das Quartett mag keine großen Worte, so scheint es und wenn, dann verpacken sie diese lieber in Melodien, die oft vertrackt und doch eingängig sind. Zu ihren musikalischen Vorbildern zählt die Band verschiedenartige Künstler, von amerikanischen Indie-Bands wie The National, Bright Eyes oder Kings of Leon bis zu Afro-Pop von Fela Kuti oder Techno wie Pantha du Prince sowie die Veröffentlichungen des einheimischen Labels Kompakt.

Im elektronisch geprägten Köln als deutschsprachige Indie Rock-Band zu bestehen, ist dabei kein Problem, so Sänger Christian Brodüffel: „Ich denke da wir ja nicht gerade Macho-Schweine-Rock machen, haben wir eigentlich recht ähnliches Publikum wie unsere elektronischen Kollegen. Daher ist es kein Problem." Schwieriger sei es eher, generell in der deutschen Indie-Szene Fuß zu fassen: „Es ist leider immer noch so, dass in Hamburg und Berlin die "Fahne" steht. Ich glaube bei Köln denken viele nur an Karneval und Elektro, was natürlich Quatsch ist."

Indie Rock mit durchdachten Texten

Nil mögen ihre Stadt und ihre Szene, vernetzen sich gut. So ist Gitarrist Leon Laskowski auch solo als Songwriter unterwegs und die Band weiterhin Teil des höchst aktiven Kreativen-Kollektivs Power To Peter, das gleichzeitig als Label agiert und auch die neue EP „Masken" veröffentlicht. Darauf zu hören sind fünf Lieder, die mit variantenreichem Indie Rock und durchdachten Texten gleichzeitig den Discogänger sowie die Kopfhörerfraktion ansprechen. Das getriebene „Hunger" eröffnet den Reigen und man merkt schnell, welches Potential hier schlummert.

Wer mag, darf  gerne genauer hinhören, denn bei Nil sind die Texte nicht nur schmückendes Beiwerk. „Sie ist jung und ist gelangweilt" stellen Nil da etwa im dezent in die Beine gehenden „boy meets girl"-Song „Silhouetten" fest. „Ich bin auch ziemlich oft gelangweilt/ Kommst du mit mir mit?" lautet der antwortende Schlachtruf, in den man gerne einstimmt. Auch der Titeltrack „Masken" oder das melancholische „Wer frei ist braucht nichts" liefern einige Zeilen zum wiederholten Hören. Lieder wie diese verdienen Aufmerksamkeit.

Die Veröffentlichung der EP und ein Auftritt bei der c/o pop sind wichtige Schritte in Richtung breiterer Wahrnehmung. Ferner ist geplant, ein Video zum Lied „Hunger" zu drehen und deutschlandweit aufzutreten. „Mir ist es vor allem wichtig, dass die Leute wissen, dass es uns gibt. Ob sie dann denken, 'noch so ne deutschsprachige Rockband' oder  'cool, gefällt mir', ist nicht der Punkt. Hauptsache ist, gehört zu werden" fasst Christian Brodüffel die nächsten Ziele der Band zusammen.

Mehr Informationen: http://www.nilmusik.de/