
Seit gestern ist die 16. Moskauer Kunstmesse Art Manege für das allgemeine Publikum geöffnet. Im Gegensatz zu Art Moscow misst sie sich nicht an großen internationalen Schauen, sondern bewegt sich auf dem Terrain bezahlbarer Kunst.
Art Manege 2011 richtet sich an eine breite Schicht kaufwilliger Kunstliebhaber. Gemeint sind Menschen, die durchaus modern sind, aber noch nicht bereit für „superaktuelle“ Experimente, wie sie bei der Art Moscow angeboten werden. Der Antiquarische Salon, die dritte große Moskauer Messe, auf der neben Einrichtungsgegenständen alte Gemälde und Graphiken verkauft werden, ist für dieses Publikum zu pompös und zu „altmodisch“. Außerdem bewegen sich die Preise sowohl bei der Art Moscow als auch beim Antiquarischen Salon überwiegend im obersten Segment. Auf der Art Manege 2011 dagegen können auch Leute mit kleinerm Geldbeutel passende Weihnachtsgeschenke finden.
Kunst unter dem Weihnachtsbaum
Die Art Manege war von Anfang an als eine Verkaufsmesse konzipiert, daher war das Niveau der teilnehmenden Galerien immer schon sehr uneinheitlich. In der Regel stellten die Anbieter hochwertiger und interessanter Kunst direkt am Eingang und am Hauptgang aus, dahinter begann ein Meer von Geschmacksverirrungen. Auch in diesem Jahr gibt es immer noch recht viel Kitsch, aber deutlich weniger als in der Vergangenheit. Tonangebend sind diesmal Galerien, die Arbeiten namhafter Künstlern anbieten.
Bereits für 350–800 Euro kann ein Sammler kleinere Ölbilder von anerkannten Künstlern oder erstklassige Druckgraphik kaufen. In diesem Preissegment finden sich Namen international renommierter Künstler wie Oleg Kulik. Dabei ist seine Sorgfalt bei der Herstellung der Drucke bekannt: Er achtet stets darauf, dass die Auflage klein bleibt und dass alle Blätter korrekt nummeriert und unterschrieben sind. Ähnlich günstig ist ein Druck mit Arnold Schwarzenegger inmitten der Sommernatur des ebenfalls sehr erfolgreichen Künstlerduos Wladimir Dubossarski und Alexander Winogradow.
Wertbeständiges für wohlhabende Mittelständler
Für etwas mehr Geld, aber noch durchaus tragbar für wohlhabende Mittelständler, von denen es in Moskau nicht wenige gibt, bietet Art Manege eine breite Auswahl von Tauwetter-Künstlern aus den 1960ern, von Konzeptualisten und naiven Outsidern. Zwischen zwei- und achttausend Euro werden für Künstler verlangt, die einen hohen Bekanntschaftsgrad – oft seit Jahrzehnten – haben. Die Herkunft der angebotenen Arbeiten ist dabei meistens sehr gut nachgewiesen.
Mit etwa 40 000 Euro sind expressive, farbintensive Gemälde von Aron Buch deutlich teuerer als die meisten anderen Bilder, aber die Stiftung, die den Nachlass des bekannten Moskauer Malers verwaltet, begründet den Preis mit der ausgesprochen hohen Qualität der angebotenen Werke. Keine Preisangabe findet sich für das beeindruckende Selbstportrait des Künstlers, denn hier sind auch die Gemälde ausgestellt, die nicht für den Verkauf bestimmt sind. Vielleicht gerade deswegen erweist sich die Ausstellung der Stiftung als das wahre Schmuckstück der Messe.