Neue Sachlichkeit - Eindringlich nüchtern

Jessica Bock am 16.12.2011
Otto Dix: Familienbildnis, 1925, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: Jürgen Karpinski, © VG Bild-Kunst, Bonn (Ausschnitt)
Otto Dix: Familienbildnis, 1925, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: Jürgen Karpinski, © VG Bild-Kunst, Bonn (Ausschnitt)
Wilhelm Lachnit: Mädchen mit Pelz, 1925/26, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: Hans-Peter Klut, © Erbgemeinschaft von Wilhelm und Max Lachnit (Ausschnitt)
Wilhelm Lachnit: Mädchen mit Pelz, 1925/26, Galerie Neue Meister, Staatliche Kunstsammlung Dresden, Foto: Hans-Peter Klut, © Erbgemeinschaft von Wilhelm und Max Lachnit (Ausschnitt)
Otto Griebel: Der Schiffsheizer, 1920, Privatsammlung, Foto: Christian Wirth, München (Ausschnitt)
Otto Griebel: Der Schiffsheizer, 1920, Privatsammlung, Foto: Christian Wirth, München (Ausschnitt)
Otto Dix: Drei Weiber, 1925, Kunstmuseum Stuttgart, Foto: Uwe H. Seyl, © VBK, Wien 2011 (Ausschnitt)
Otto Dix: Drei Weiber, 1925, Kunstmuseum Stuttgart, Foto: Uwe H. Seyl, © VBK, Wien 2011 (Ausschnitt)

In den 1920er Jahren war Dresden das Zentrum einer Kunstströmung, die die gesellschaftliche Wirklichkeit ungeschminkt zeigen wollte.

Die herausragendsten Arbeiten der Neuen Sachlichkeit sind nun im Lipsiusbau zu sehen.

Die wahren Verlierer des Kriegs

Die Zeit der Weimarer Republik war nicht nur eine Zeit des Umbruchs nach dem Kaiserreich. Es war auch eine Zeit der Ernüchterung und des Elends. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg fühlten sich vor allem die Heimkehrer von der Gesellschaft ausgeschlossen. Diese Gesellschaft verkörperte für sie Amoral und Vergnügungssucht. Auf dem Rücken der einfachen Arbeiter lebten die Reichen ihre Laster aus. Es war die Blütezeit des Kommunismus und der Beginn des Verismus. Die Hinwendung zur Wahrheit äußerste sich nicht nur in sozialkritischen Motiven, sondern auch in provokanten – fast karikierenden – Darstellungen.

Die Gesichter der Weimarer Republik

Der bekannteste Vertreter der Neuen Sachlichkeit in Dresden war Otto Dix. Er ist vor allem für seine Porträts bekannt. Sie zeigen die Abgebildeten nicht in idealisierter Weise. Dix erkannte ihre charakteristischen Gesichtszüge und betonte und überspitzte sie.
Porträts waren ein sehr beliebtes Thema der Neuen Sachlichkeit. Wilhelm Lachnits Mädchen mit Pelz sorgte 1926 für Furore. Vor einem neutralen Hintergrund zeigt das Bild sachlich und nachdenklich zugleich eine in Pelz gehüllte Frau.
Viele Veristen porträtierten einfache Menschen aus dem Volk, denen dieses Privileg bisher vorenthalten war. Otto Griebel malte 1920 einen tätowierten Schiffsheizer und Hans Grundig 1925 eine arbeitslose Zigarettenarbeiterin. Viele dieser Porträts sind zugleich auch Milieustudien, wie zum Beispiel Drei Weiber von Otto Dix. Seine Faszination lag zwischen dem dekadenten Leben der Reichen und dem Elend der Armen. Drei Weiber steht stellvertretend für beide Welten.
Allen Bildern der Neuen Sachlichkeit ist die Suche nach neuen Motiven gemein, zugleich aber auch eine geradezu altmeisterliche Technik. Diese erlernten viele Maler an der Dresdner Kunstakademie, an der Otto Dix später auch lehrte.
Mit der Machtübernahme der Nazis endete die Neue Sachlichkeit und die Künstler entwickelten sich in verschiedene Richtungen weiter. Einige Künstler wie Dix und Grundig galten als „entartet“. Grundig wurde sogar im KZ Sachsenhausen interniert. Andere wiederum adaptierten den Stil der Nationalsozialisten.
Mit über 70 Künstlern gibt die Ausstellung im Dresdner Lipsiusbau einen umfassenden Überblick über diese für die Deutsche Kunst so wichtige – wenn auch kurze – Periode. Der Lipsiusbau ist mit seinem rauen Charme genau die richtige Kulisse für diese Bilder, die trotz aller Sachlichkeit berühren.

Weitere Informationen

Neue Sachlichkeit in Dresden. Malerei der Zwanziger Jahre von Dix bis Querner
1. Oktober 2011 bis 8 Januar 2012
Kunsthalle im Lipsiusbau
Brühlsche Terasse, 01067 Dresden
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr

Ausstellungsvermerk der Staatlichen Kunstsammlung Dresden

 
 

Folge globe-M auf Twitter