In manchen Bereichen der Kultur haben digitale Medien die Printmagazine nahezu vollkommen abgelöst. Auf dem Feld Populärmusik durchsuchen Neugierige schon länger das Netz nach neuen Fundstücken. Seit zwei Jahren ist das Blog "Reling Sichern" eine zuverlässige Quelle.
Daniela Joos ist mit ihrem Blog immer auf der Suche nach spannenden Musiktipps. Die Maßgabe dabei: ihr persönlicher Geschmack und eine musikaffine Spürnase.
Globe-M: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag. Wie wurde denn gefeiert?
Daniela Joos: Oh, vielen Dank. Da es erst der zweite Geburtstag war, musste mit einem Glas Cherry Coke angestoßen werden. Mein Macbook und ich konnten auch nicht so übertreiben, mussten am nächsten Tag beide früh raus.
Globe-M: Wie ist die Idee entstanden, ein Blog zu starten?
Daniela Joos: Ich hatte früher schon diverse eigene Blogs. Das waren aber meist Zusammenstellungen aus Konzertberichten, Fotodokumentationen, Reiseberichten und CD-Rezensionen, um meine Freunde auf dem Laufenden zu halten. Ich habe parallel immer gerne nordamerikanische Musikblogs gelesen, um für mich neue Sachen zu entdecken und leider lange in Deutschland Vergleichbares gesucht. Da habe ich mir ein Herz gefasst und selbst ein reines Musikblog gestartet. Um über die Musik zu schreiben, die mir am Herzen liegt. Dass ich so lange durchhalte, hätte ich allerdings nicht gedacht. Inzwischen hat sich die deutsche Musikblogszene zum Positiven entwickelt, hinkt im internationalen Vergleich aber schon ein bisschen hinterher.
Globe-M: Wie findest du die Bands und Künstler, die du vorstellst?
Daniela Joos: Inzwischen werde ich direkt von Labels, Agenturen oder Künstlern bemustert. Ich schreibe grundsätzlich nur darüber, wenn es mir persönlich gefällt. Als werbefreier Non-Profit Blog wäre es sinnfrei, nur die Promosheets der Agenturen zu kopieren. Bands und Künstler, die ich im Rahmen von "Reling Sichern" vorstelle, finde ich oftmals auf Streifzügen durch das Internet. Seien es die schon erwähnten nordamerikanischen Blog-Kollegen, Myspace, Facebook, Tipps von Freunden - was wirklich nicht zu unterschätzen ist - oder Konzerte, die ich selbst besuche oder plane zu besuchen.
Globe-M: Was war deine Lieblingsplatte in einem Jahr „Reling Sichern“ und warum?
Daniela Joos: Meine Lieblingsplatte ist „Recitation“ von der Band Envy aus Japan. Diese Band hinterlässt mich schon seit fast zehn Jahren sprachlos. Gestartet als meine Lieblinge des Screamo/Hardcore, erschaffen sie inzwischen epische Atmosphären zwischen Weltuntergang, Verzweiflung, Postrock und Hardcore. Envy wachsen mit jedem Album. Ich dachte, da wäre eigentlich kaum noch Luft nach oben, aber mit ihrem neuen Meisterwerk schaffen die Japaner eine Champions League für sich, ohne Gegner. Herzlichen Glückwunsch. Platz 1. Mit Abstand. Mir fehlen wirklich die Worte und das passiert selten.
Globe-M: Welche Blogs außer deinem liest du regelmäßig?
Daniela Joos: In meiner RSS-Feed Liste sind: "Captain Obvious", "Gorilla vs Bear", "I Guess Iam Floating", "My Old Kentucky Blog", "Pretty Much Amazing", "You Ain’t No Picasso", "Largehearted Boy", "Stereogum", "Chromewaves", "yvyvyl"
Globe-M: Bitte gib uns zum Abschluss ein paar heiße Tipps für 2011. Welche drei Künstler sollten wir uns in diesem Jahr nicht entgehen lassen?
Daniela Joos: Der heißeste Tipp für das letzte Jahr, waren eigentlich schon Freelance Whales aus Brooklyn. Zuckersüßer Indie-Folkpop irgendwo im Fahrwasser von Sufjan Stevens und Arcade Fire. In Amerika sind sie absolut durchgestartet. Hier warte ich immer noch auf den großen Durchbruch. Viele denken Yuck und Braids starten dieses Jahr durch, dem schließe ich mich an. Außerdem möchte ich, dass der Indierapper Astronautalis endlich die Aufmerksamkeit bekommt, die er verdient. Der Typ ist nämlich großartig. Egal, ob als Support von Tegan&Sara im ausverkauften E-Werk zu Köln oder in einem ganz kleinen, gemütlichen Club in Wuppertal. Wenn ich mir zum Schluss dann noch einen ganz krassen Außenseitertipp erlauben darf, möchte ich allen Lesern Kopecky Family Band aus Tennessee ans Herz legen. Sie machen wunderbaren Indiefolk irgendwo zwischen BISHOP ALLEN, MUMFORD & SONS und DELTA SPIRIT. Facettenreich instrumentiert, alles schön D.I.Y. und von harmonischem Mann/Frau-Gesang getragen. Eine Herzensangelegenheit, wie mein gesamtes Projekt "Reling Sichern".
weiterführende Informationen: zum Blog "Reling Sichern"