ton:art 2010

Jule D. Körber am 29.07.2010

Grau ist alle Theorie. Und still. Wer beschäftigt sich schon freiwillig mit Musiktheorie, wenn er auch Musik machen könnte?

Musikwissenschaften scheinen da doch manchem als das Spielfeld der Unbegabten, die gerne würden, aber nicht können, und deswegen durch theoretisches Zerpflücken und Nörgeln den wirklich Begabten die Tour vermiesen. Oder?

Noch abstrakter scheint es zu werden, schaut man sich das Studiengebiet Musikinformatik an: Musik ist emotionale Kunst, die aus dem künstlerischem Bauch heraus durch Talent kanalisiert ins Ohr des Zuhörers dringt, da scheint so etwas Technisches wie Informatik nichts zu suchen zu haben.

Bedenkt man dann aber jegliche Formen elektronischer Musik, wird es schon komplizierter mit den Vorurteilen.
Beschäftigen sich dann noch Praxis-Musiker mit dem theoretischen Aspekt ihres Schaffens und beginnen Musiktheoretiker, selbst zu komponieren, sind die getrennten Welt verschmolzen.

Dies geschieht täglich in Karlsruhe am Institut für Musikwissenschaft und Musikinformatik, das Teil der Karlsruher Musikhochschule ist. Die praktischen Musikhochschüler mischen sich unter die Theoretiker - und die Musikinformatiker komponieren.

Und das bringt bemerkenswerte Ergebnisse hervor, wie die "ton:art 2010" dieses Jahr zum zweiten Mal zeigt. Vom 29.07. bis zum 08.08. präsentieren Studenten des Instituts in der Galerie Margit Haupt im Passagehof 13 in der Nähe der Karlsruher Kunsthalle ihre Arbeiten.

Die musikalischen Arbeiten sind oft mit Videoinstallationen verbunden - so wie zum Beispiel bei der synästhetischen Arbeit "... contrast in space" von Daniel Domignuez Teruel und Sebastian Schmidt, welche die Kontraste zwischen Schwarz und Weiß in Musik übersetzt und die Räumlichkeit dieser Musik wiederum visualisiert.

Viele der Exponate bieten dem Besucher an, selbst elektronische Musik zu erzeugen, teilweise nur durch computersensorisch aufgenommene Bewegung. So ist "Where Piano", die Arbeit des Studenten Vincent Wikström, ein computergestütztes Musikinstrument, das durch die Bewegung von einem oder mehreren Benutzern im Raum gespielt wird. Der gefilmte Raum wird dabei horizontal in 8 Spalten geteilt. Jede Spalte entspricht einer Klaviertaste. Bewegt sich ein Benutzer durch den Raum, spielt er auf einer überdimensionalen, unsichtbaren Klaviertastatur. Der Ort der Bewegung definiert eine Note, während die Schnelligkeit der Bewegung die Anschlagshärte bestimmt.

Zu den zahlreichen studentischen Arbeiten kommt ein Abendprogramm zwischen Live-DJ-Set, Performance und elektronischen Konzerten.

Die ton:art 2010 zeigt, dass in Karlsruhe Theorie und Informatik weder grau noch still sind.

Ton:art 2010
29.07.-08.08.
Galerie Margit Haupt, Passagehof 13, Karlsruhe
www.ton-art-expo.de