Streetstyle-Blogs wie Stil in Berlin oder der Sartorialist erfreuen sich nach wie vor ungebrochener Beliebtheit. Schöne, gut angezogene Menschen sind das Objekt dieser populär gewordenen Straßenfotografie, die dann über das Internet in alle noch so entlegenen Winkel des Planeten verbreitet wird. Weltweit werden die dort Fotografierten kritisch beäugt, bewundert und kopiert.
Altes Konzept, neue Verkleidung
Das Konzept ist jedoch nicht so neu, wie gemeinhin angenommen. Als Urheber lässt sich ein 1928 geborener New Yorker mit dem Namen Garry Winogrand nennen– seine Fotografien gibt es derzeit im Rahmen des europäischen Monats der Fotografie unter dem Titel „Women Are Beautiful“ noch bis zum 27.11.2010 in Berlin zu sehen.
Umbruchsstimmung
Garry Winogrand gilt als Erfinder der Street Photography. Seine zwischen 1960 und 1975 entstandene Serie scheinbarer Schnappschüsse, wahlloser New Yorker Momentaufnahmen, stellt einen Meilenstein der Dokumentarfotografie dar. Sie zeigt die Frauen gerade in dieser Zeit sozialer Bewegungen, gerade in dieser Stadt, dem selbsternannten Nabel der Welt, in einer Phase des Umbruchs, sie zeigt den Wandel weiblichen Selbstverständnisses.
Emanzipation auf Zelluloid
Sein Werk ist nicht inszeniert, bannt sondern echte, ungeschminkte Emanzipation auf Zelluloid. Es ist eben nicht das weibliche Schönheitsideal, wie es noch eine Dekade vorher anzutreffen gewesen wäre, das Winogrand mit seiner Leica eingefangen hat. Nicht eingeengt in Mieder und Petticoat sind seine Beautiful Women, sondern frei von diktierter Rocklänge, Büstenhalter und Lockenwicklern. Sie lachen offen und frei heraus, sie tanzen, essen oder demonstrieren. Und das ist es, was sie so schön macht.
Galerie Camerawork
Kantstr. 149
10623 Berlin
Di-Sa, 11-18 Uhr geöffnet