Ausgehen auf Pariserisch

Bonne soirée! Der Ruf des Pariser Nachtlebens ist legendär. Das abendliche Ausgehen beginnt hier spät und will gut vorbereitet sein, will der Besucher nicht am falschen Platz oder vor verschlossenen Türen stehen.

“Boites“-Tage und „circuits“

Szenelokale, so genannte „boites“, sollten Vergnügungssüchtige nicht vor Mitternacht ansteuern - bis dahin herrscht noch gähnende Leere. Professionelle „nuitards“, Nachtschwärmer, beginnen einen „circuit“, einen Zug durch ganz bestimmte Kneipen, bevor sie ihren Club gegen ein oder zwei Uhr stürmen. Allerdings sind ganz bestimmte Clubs auch nur an ganz bestimmten Tagen angesagt. So gehört etwa der Dienstag der Chapelle des Lombards, der Donnerstag dem Balajo. Die besten Ausgehtage sind Montag, Mittwoch, Donnerstag und Sonntag. Was gerade „In“ ist bestimmen die „branches“, jene Feierwütigen, die stets wissen, wo’s langgeht und wenn sie eines Ortes müde sind, ziehen sie weiter, um einen anderen Club in Mode zu bringen.

Verhaltenscodes und Themenabende

Fast alle Lokale sind mit einem Türsteher versehen. Wer nicht elegant oder zumindest besonders originell angezogen ist, hat meist keine Chance. Billige Tanzschuppen sucht man hier vergebens. Dafür ist das Pariser Nachtleben ständig in Bewegung und reicht von verrückten Themenabenden über konzeptionelle Bars bis hin zu Burleske oder neuer Gemütlichkeit. Auch das musikalische Angebot ist breit gefächert: afrikanische Musik, Salsa und auch französische Chansons. Zur Vorbereitung gehört auch der Gedanke an die Rückfahrt, denn die öffentlichen Verkehrsmittel verkehren nur bis etwa 0.30 Uhr. Zur Wahl stehen Nachtbusse, wenige Taxis oder die erste Métro am Morgen.

Angesagte Viertel für die Nacht

Die besten Viertel zum Ausgehen heißen Bastille und Oberkampf und befinden sich im 11. Arrondissement. Hier wird in den Cafes, Kneipen und Clubs die Nacht zum Tag. Das Bastille-Viertel hat seine historische Bedeutung durch den Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 und ist auch heute noch politisch aktiv. Anfang der 90er Jahre vollzog sich im einst vom Möbelhandwerk geprägten Quartier ein Wandel zu einem neuen Boheme- und Yuppie-Viertel mit Designerboutiquen und Hinterhofateliers als Lofts. Modedesigener kreierten sogar einen "Look Bastille".
Inzwischen hat sich die Szene jedoch auch weiter Richtung Norden zum Oberkampf verlagert. Die Zentren sind Rue Oberkampf und die Rue Menilmoment mit trendigen Bars, Restaurants, Galerien und Clubs. In den Hinterhöfen haben sich Produktionsfirmen, Fotostudios, Agenturen und Architekten niedergelassen. Hier ist das angesagte Künstlerviertel, wobei Insider gerne unter sich bleiben. So sind einige Kneipen und Stammcafes nicht durch ein Schild gekennzeichnet und es wird dort nur bedient, wer den Besitzer kennt.

Ob Salsa-Tempel oder Hip-Disco

Im Balajo-Nightclub, der seit 1936 besteht und zugleich Tanzschule und Disco ist, wird wie zu Edith Piafs Zeiten noch nach Akkordeonklängen „valse musette“ getanzt. Es wird zum Cha Cha Cha aufgefordert, aber es gibt auch Rock, Rap und Oldies der 60er und 70er Jahre. Wer will, kann vorher auch noch einen Salsa-Tanzkurs machen.

Schon eine Institution der Pariser-Szene ist das Bains Douches – tonangebende Jetset-Disco in einem umgebauten öffentlichen Badehaus. Im beliebten Club steigt die Party erst gegen Mitternacht und schäumt erst richtig ab 2 Uhr. Unter den Gästen befinden sich oft Models und internationale Stars. Wer vorher im Hausrestaurant reserviert, kommt auf jeden Fall rein.

Weitere Informationen

Balajo

Dienstag bis Sonntag

9, rue de Lappe 75011 Paris

Tel.: 01 47 00 07 87

Les Bains Douches 7, rue du Bourg-l’Abbé (3e), 75003 Paris

Tel. : 01 48 87 01 80

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