Auszeichnung für einen unbequemen Künstler

Hans Haacke, Der Bevölkerung, 1999

Der 73-jährige Hans Haacke erhält für sein Lebenswerk den Bremer Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum. Er habe „über Jahrzehnte hinweg immer wieder neue, unorthodoxe ästhetische Mittel und Strategien gefunden, um verborgene Widersprüche, falsche Gewissheiten und verdrängte Missstände der Gesellschaft aufzudecken und auf übersteigerte Weise öffentlich zu machen“, begründet die Jury ihr Urteil.

Das (verdeckte) Zusammenspiel von Kunst und Kapital steht oft im Mittelpunkt seiner Arbeiten. Die Installationen Haackes zeigen nicht selten große Texttafeln, die über diese Zusammenhänge informieren. Bei seinen Recherchen schreckte der junge Haacke in den Siebzigern nicht davor zurück, gerade die wirtschaftlichen Verstrickungen von Museen aufzudecken, die ihn zu Ausstellungen eingeladen hatten.

1971 veröffentlichte er für eine Ausstellung im Guggenheim Museum den Mietpreisspiegel besonders teurer Straßen in New York und zeigte, wie mit dem erwirtschafteten Profit das Guggenheim Museum gesponsort wurde. Haackes Ausstellung wurde daraufhin abgeblasen.

In Deutschland schuf Haacke 1974 im Wallraff Richards Museum Köln eine Dokumentation über die Herkunft von Edouard Manets „Spargel-Stilleben“ (1880), das dem Museum gehört. Die Arbeit schlug hohe Wellen, da Haacke die Rolle Hermann Josef Abs in seiner Arbeit thematisierte. Abs hatte den Kauf des Bildes angeregt und unterstützt. Haacke dokumentierte aber auch Abs' Zeit als Vorstand der Deutschen Bank im Dritten Reich. Hans Haackes Werk wurde daraufhin nicht zur Ausstellung im Museum zugelassen.
Die Vergangenheit Deutschlands, die in der Gegenwart sichtbar wird, ist immer wieder Thema in Haackes Werk. 1993 brachte Haacke im Deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig mit der Installation "Germania" die Wiedervereinigung in Verbindung mit dem Besuch des Pavillons 1937 durch Hitler und Mussolini.

Für seine wohl bekannteste Arbeit, der Installation „DER  BEVÖLKERUNG“ im Reichstag, verknüpfte Haacke die Geschichte des Gebäudes mit der deutschen Demokratie, die allen in Deutschland lebenden Menschen gelten solle. Ähnlich wie schon unter Kaiser Wilhelm II. entstand eine politische Debatte um die Gebäudeinschrift, die schließlich damit endete, dass der Deutsche Bundestag erstmals in seiner Geschichte über ein Kunstwerk abstimmte und sich für Haackes Handlungskonzept entschied: Jeder Abgeordnete des Deutschen Bundestages sollte einen Zentner Erde aus seinem Wahlkreis in die große vorhandene Wanne schütten.
1972, 1982 und 1992 war Hans Haacke Teilnehmer der documenta in Kassel.

Die Preis wird in einer öffentlichen Veranstaltung am Montag, den 19. Oktober 2009, um 16.00 Uhr in der oberen Rathaushalle durch den Präsidenten des Senats und Senator für Kultur Bürgermeister Jens Böhrnsen an Hans Haacke vergeben. 

Mit dem Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum werden Künstlerinnen und Künstler gewürdigt, die mit ihren Arbeiten für herausragende Konzeptionen stehen und mit ihren Werken neue Denk- und Aktionsfelder erschließen. Die Konzeption des Preises und seine Vergabe stehen in enger Verbindung mit dem Bremer Programm von Kunst im öffentlichen Raum. Der Preis wird alle drei Jahre auf Vorschlag eines Kollegiums von der Stiftung Bremer Bildhauerpreis vergeben. Er ist mit € 15.000 dotiert. Bisherige Preisträger sind Jochen Gerz (1990), Maria Nordman (1993), Christian Boltanski (1996), Thomas Hirschhorn (2003), Stephan Huber (2006).

Der Preis ist in Anlehnung an die Statue des Roland benannt, die im Jahre 1404 auf dem Bremer Marktplatz errichtet wurde und Bremens erste freistehende Skulptur im öffentlichen Raum war. Das Preisgericht und die Stiftung Bremer Bildhauerpreis verbinden mit der Auszeichnung die Hoffnung, dass Hans Haacke für ein Projekt im Stadtraum von Bremen gewonnen werden kann.

 

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