Berlin Festival 2010

Soulwax Live

Am vergangenen Wochenende fand auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof das Berlin-Festival statt. Während der Freitag im Chaos endete, bekam die Veranstaltung am Samstag gerade noch einmal die Kurve.

Eigentlich hätte alles so schön sein können. Das Berlin-Festival war ausverkauft und die 20.000 Menschen auf dem Gelände bester Laune. Acts wie LCD Soundsystem, Robyn, Caribou, 2manyDJs und Fatboy Slim ließen eine rauschende Partynacht erwarten. Highlights wie Adam Green, der mit „Kevin allein zu Haus“-Star Mackaulay Culkin Scorpions „Wind Of Change“ coverte, oder die Belgier Goose wurden ebenso abgefeiert wie der Franzose Hermann Düne. Alles lief nach Plan.

Das änderte sich aber nach dem Ende des Programms auf der Hauptbühne gegen 23:30 Uhr. Als dort die Editors ihr furioses Set beendeten, strömten einige tausend Menschen zu den beiden Hangars, die parallel zur Main Stage als Konzerthallen dienen sollten. Um den Besucherandrang in diesen Hangars zu kontrollieren, hatten die Veranstalter Schleusen vor den Hallen errichtet, an denen es nun recht eng wurde. Um 1:00 Uhr gab es bereits keine Möglichkeit mehr Caribou auf der Bühne zu erleben.

Der erste Tag endet mit einer großen Enttäuschung

Erster Unmut machte sich bei den Besuchern breit. Zumal die Alternative zu Caribou die eher gewöhnungsbedürftigen Atari Teenage Riot waren. Diese konnten zwar einige Zuschauer begeistern, der Rest der 4.000 Menschen vor der Bühne war hingegen sichtlich erleichtert, als deren Sänger Alec Empire endlich von selbiger verschwand. Während das Publikum nun auf die beiden Headliner 2manyDJs und Fatboy Slim warteten, staute sich parallel vor dem Hangar eine Menschenmasse an der Schleuse.

Dies bewog den Veranstalter (nach Rücksprache mit der Polizei) nun dazu, den Rest des Veranstaltungstages abzusagen. Nach der Tragödie der Love Parade eine verständliche, wenn auch übervorsichtige Maßnahme, denn in der Halle war noch Platz für einige Hundert Zuschauer. Und so endete der erste Festivaltag mit einer riesigen Enttäuschung, denn viele Besucher waren von weit her angereist, um Fatboy Slim zu sehen.

Der Samstag begann mit einer weiteren Enttäuschung. Das Programm, das ursprünglich bis 6:00 Uhr morgens gehen sollte, wurde kurzerhand gekürzt und endete letztendlich gegen 23:30 Uhr. Hierdurch wurden Bands abgesagt und der Zeitplan komplett umgeworfen, was für erheblichen Unmut beim Publikum und wahrscheinlich auch bei einigen Bands sorgte. Die fantastischen Wedding Present mussten hierdurch sechs Stunden früher auf die Bühne, und spielten vor wenigen hundert Zuschauern – eigentlich eine bodenlose Frechheit und vom Veranstalter schlecht kommuniziert.

Das Festival nimmt Fahrt auf

Zu allem Überfluss enttäuschten Edwyn Collins und Gang Of Four auch noch mit unspektakulären und langweiligen Auftritten, so dass sich beim Publikum so etwas wie Resignation breit machte – Stimmung kam vorerst keine auf. Dank Soulwax und Boys Noize, die am späten Samstag Abend tolle Sets ablieferten, bekam das Berlin-Festival 2010 dann aber doch noch einen versöhnlichen Abschluss. Tanzende Menschen, fröhliche Musiker und tolles Wetter, so hatte man sich die Veranstaltung vorgestellt. Trotzdem bleibt ein äußerst übler Nachgeschmack, denn eine Entschädigung für die verpassten Künstler wird es für die Zuschauer wahrscheinlich nicht geben.

 

Foto: Boris Stoff

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