von Irena Akopjan
Die gestrige Premiere im Schloss Neuhardenbeg gibt Aufschluss: Tolstois spätes, autobiograpgisch geprägtes Stück „Und das Licht scheint in der Finsternis“ wird nicht umsonst selten gespielt - da passiert nämlich so gut wie überhaupt nichts.
Es bleibt bei der Predigt über die Verderblichkeit des Reichtums und die Notwendigkeit alles wegzugeben, die vom wohlhabenden Gutsbesitzer Nikolai Sarynzew mit Verve vorgetragen wird, und einem grundsätzlichen Unverständnis über seine Haltung seitens der anderen. Bereits in der Eröffnungsszene ist alles gesagt worden. Keine der Personen darf eine Entwicklung erfahren.
Dieser vorgegebenen Statik kann Volker Schlöndorff in seiner Inszenierung nicht wirklich entkommen. Der Oscar-Regisseur folgt dem erhabenen Text mit würdevollem Schritt. Das bis in die Nebenrollen prominent besetzte Ensemble kann dagegen nichts ausrichten. Auch nicht die großartigen Hauptdarsteller: die zarte, nachdenkliche, geradezu schimmernde Angela Winkler als unglückliche, sorgende und sich ungeliebt fühlende Ehefrau und der emotionale, kraftvolle, glühende Hans-Michael Rehberg in der Rolle des ebenfalls tief unglücklichen, kompromisslosen, aufbrausenden Gutsherrn.
Trotz thesenhaftem Text und manchen steifen Szenen ist es aber auf keinen Fall eine Inszenierung, die in ihrer Gesamtqualität abzutun wäre. Volker Schlöndorff gelingt es vor allem, die großartige natürliche Kulisse des Schlossparks unaufdringlich und dennoch stimmungsvoll in die Handlung zu integrieren und so eine Atmosphäre eines weiten Landes und eines großzügigen Lebens zu erschaffen.
Einen nicht zu unterschätzenden Beitrag dazu leistet ein klares, knappes Bühnenbild von Mark Lammert, das gleichermaßen Transparenz und Verschlossenheit in sich birgt und eine überraschend große Vielfältigkeit von Räumen entstehen läßt. Die gut durchdachte Szenographie ist unprätentiös und wirkungsvoll.
Das Schloss Neuhardenberg mit seiner klassizistischen Fassade und die dazu gehörende Kirche (beide von Karl Friedrich Schinkel erbaut), der englische Park und Wirtschaftsgebäuden bilden eine einmalige Architekturanlage, deren Beschaffenheit und Nutzung von herausragender Qualität sind. Eins steht fest: Diesem ihren wichtigsten Wesenszug wird auch die Aufführung des Tolstoi-Stückes gerecht.
Lieben muss man sie deswegen nicht.