Das Prinzip Hotlist

Hotlist 2009

Die Franzosen verleihen seit über 100 Jahren den Prix Goncourt, fast genauso lang vergeben die U.S.A. den Pulitzer-Preis an einheimische Autoren und die Engländer seit gut 40 Jahren den Booker- Preis. Und Deutschland?

Die Kulturhoheit der Bundesländer hat lange Zeit einen nationalen Literaturpreis im Weg gestanden – die Bundesländer haben einzeln Autoren aus ihrem Land geehrt. Seit 2005 gibt es aber – neben wenigen anderen nationalen größeren Literaturpreisen – den Deutschen Buchpreis, der von Anfang an ein großer Erfolg war. Die Gewinner – von 2005 bis 2009: Arno Geiger, Katharina Hacker, Julia Franck, Uwe Tellkamp und 2009 Kathrin Schmidt – sind teilweise erst seit der Ehrung gesetzte Namen in der deutschen Literaturszene. Der Deutsche Buchpreis taugt immer wieder für eine Entdeckung.

Jury, Longlist, Shortlist und die Qual der Wahl   Das Prinzip des Deutschen Buchpreises (kurz: DBP) ist einfach: Alle Verlage aus dem deutschsprachigem Raum dürfen maximal zwei Titel aus ihrem aktuellen Programm einsenden. Aus diesen wählt nun eine jährlich wechselnde Fachjury 20 Titel aus, diese werden auf der sogenannten Longlist veröffentlicht. Einen Monat später wählt die Jury aus dieser Longlist die sechs Finalisten aus und präsentiert sie auf der Shortlist. Der Gewinner des DBP stammt von dieser Shortlist und bekommt auf der Frankfurter Buchmesse ein Preisgeld von 25.000 Euro überreicht. Der DBP – ein reines Marketinginstrument?

  Außer dem Preisgeld erzielt der DBP-Geehrte noch mehr finanziellen Gewinn aus der Auszeichnung: erfahrungsgemäß schnellen die Verkaufszahlen des Siegerbuchs nach oben. Und auch die Shortlist-Titel verkaufen sich nach der Nominierung meist besser als vorher. So muss sich der DBP die Kritik gefallen lassen, ein Verkaufsinstrument zu sein. Und auch noch eines, das nur den großen Verlagshäusern dient. Denn zu Recht wird an der Auswahl der DBP-Jury immer wieder kritisiert, dass fast nie Titel der kleinen unabhängigen Verlage auf der Longlist auftauchen.

Die „Kleinen“ setzen sich zur Wehr   2009 gingen ein kleine Zahl unabhängiger Verlage nun zum Gegenangriff über, indem sie die Hotlist aufstellten. Spontan per Telefon stellten 20 Independentverlage je einen Titel aus ihrem aktuellen Programm auf der Hotlist zur Wahl. Abgestimmt wurde im Internet und das nicht durch eine Fachjury, sondern durch das Publikum. Genau wie der DBP wurde auch der Hotlistpreis während der Frankfurter Buchmesse vergeben. Die 5.000 Euro Preisgeld, die die Mayersche Buchhandlung gestiftet hatte, gingen an Alexander Schimmelbuschs Roman „Blut im Wasser“, der im Blumenbar Verlag erschienen ist. 

Im nächsten Jahr wird alles besser   Schon das Jahr 2009 konnten die Initiatoren der Hotlist als Erfolg verbuchen: Über 10.000 Leser nahmen allein an der Internetabstimmung der Hotlist teil. Noch sind viele Fragen offen. Zum Beispiel, warum gerade diese 20 unabhängigen Verlage repräsentativ für die große deutsche Independentverlagszene stehen sollen. Oder ob eine Hotlistauswahl durch eine Jury nicht besser wäre als eine Nominierung durch die Verleger selbst. Eine Frage ist aber schon beantwortet: 2010 wird es definitv wieder eine Hotlist geben, und dann unter verbesserten Bedingungen. Und weil sich schon 2009 viele interessante Titel auf der Hotlist befanden, wird globe-m diese nach und nach vorstellen – damit auch unabhängigen Verlagen etwas mehr von der Aufmerksamkeit zuteil wird, die sie verdient haben.  

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