Das Prinzip Uschmann

Oliver Uschmann

Oliver Uschmann schreibt Post-Pop-Literatur, den "alles-erlaubt" Nachfolger der Popliteratur der 90er.

Er ist witzig und das äußert erfolgreich - die Geschichten rund um Hartmut und dessen Mitbewohner haben definitiv Kultstatus. Was ist sein Geheimnis?
Globe-M schaut sich den Autoren einmal etwas genauer an ...

Vielleicht liegt es daran, dass Uschmann seinen Zivildienst in der Urologie abgeleistet hat. Uschmann hat einen Blick für die inneren Befindlichkeiten von Männern und wie diese zum Vorschein treten.
Aber von vorne.
Oliver Uschmann, Jahrgang 1977, wird in Wesel (where the f... is Wesel?) geboren. Er beginnt eine Lehre als Buchhändler, die er nach einem Tag wieder abbricht, und jobbt unter anderem als Packer bei UPS - das hat er mit seiner Hauptfigur, dem "Ich" aus den "Hartmut und ich"-Romanen, gemeinsam. Das dann wiederum ein Germanistik-Magister über Kafka dazu kommt, das würde eher zum Philosophiestudenten Hartmut passen, dem zweiten "Part" der Roman-Männer-WG.
Männer. Wo wir wieder bei Uschmanns Fachgebiet wären.
Sein Debüt-Roman "Hartmut und ich" - Teil eins der "Hui"-Pentalogie (Teil 5 "Feindesland - Hartmut und ich in Berlin" erscheint im Mai) - hat sich über eine halbe Millionen Mal verkauft und das will schon etwas heißen bei einem deutschsprachigen Popromandebüt. Solche Zahlen erreichen nur die ganz Großen.

Männer-WG

Die Grunderzählung der "Hui"-Romane ist leicht erklärt: Zwei Männer, Hartmut und der namenlose Erzähler "Ich", wohnen zusammen, zuerst in Bochum, später in einem verfallenen Haus in der Hohenloher Provinz unter den Wandelgermanen, im neusten "Hui"-Band in Berlin.
Die beiden sind grundverschieden: Hartmut, der philosophierende, rabiat weltverbessernde Dauerstudent und der Ich-Erzähler, der gutbürgerlich-arbeitende Packer bei UPS. So zumindest die Ausgangslage. Das die beiden zu Schulzeiten schon so waren (und sich trotzdem mochten), erklärt die "Hui"-Homepage, die um die beiden Uschmann-Hauptfiguren eine ganze, sagen wir es mit Hartmuts Worten, Mythologie aufbaut.
Virtuell kann man dort die WG betreten, mit Uschmann über die nächsten Abenteuer der Jungs debattieren, Fan-Artikel kaufen - und trotzdem wirkt das nicht wie eine ausgebuffte Marketing-Strategie, nein, eher wie eine Dienstleistung für interessierte Leser. Und die sind bei Uschmann immer sehr schnell Fans - und zwar nicht welche von der stillen Sorte, nein, "Hui"-Fans wollen mitreden - und dürfen das auch.

Selbsterkenntnis

Uschmann weiß, was er macht. Und das liegt nicht unbedingt an seinem Germanistik-Studium - in der ersten Phase seines Studium hat sein eigenes Schreiben unter "Literaturtheorieverbildung" eher gelitten - obwohl er sein Magister-Thema Kafka immer noch als großes Vorbild bezeichnet. Es gab Zeiten vor den "Hui"-Romanen, da ging es ihm alles andere als gut, er war typisches Kulturprekariat mit schlechtbezahltem Werbetexterpraktikum und Discounterernährung. Was ihm vor allem auf half, war die Erkenntnis seiner damaligen Freundin und heutigen Frau Sylvia Witt, die Beiden arbeiten praktisch durchgehend als Team. Die riet ihm, sich auf seine Stärke zu konzentrieren - den Humor.

Und jetzt?

Heute ist Uschmann nicht nur der erfolgreiche Autor der "Hui"-Romane und weiterer Bücher, sondern auch freier Dozent und Journalist, Schreiblehrer, Ghostwriter und Übersetzer. Gemeinsam mit seiner Frau betreut er die Internet-Galerie "Haus der Künste. Und zu seinen WG-Romanen wird es demnächst sogar eine eigene Ausstellung geben - die koplette "Hui"-Welt, nachgebaut im Kulturgut Haus Nottbeck, betreten erlaubt!

Und auf seiner Homepage www.wortguru.de gibt er zukünftigen Autoren Tipps zum Schreiben.
Einer dieser sehr pragmatischen Tipps ist ein schönes Schlusswort:

"Um es in der Sprache der Kunst zu sagen: Bevor man Fettecken und Filzobjekte ausstellt, sollte man fehlerlos einen Kreis malen können. Oder eine Landschaft." 

www.hartmut-und-ich.de

www.wortguru.de

www.haus-der-kuenste.de

Ausführliche Besprechungen der "Hui"-Romane finden Sie in der globe-M Boulevard-Rubrik Literatur

 

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