Er ist wahrscheinlich Deutschlands erste Sportlegende, leider längst in Vergessenheit geraten, rückt Thaddäus Robl jetzt anlässlich seines 100. Todestages wieder ins Licht der Öffentlichkeit. Eine Ausstellung im Kulturhaus Milbertshofen erinnert an den tollkühnen Piloten und Extremsportler.
König der Dauerfahrer
Heute ist Thaddäus Robl, genannt Thaddy, nahezu unbekannt, obwohl er im Radsport Weltruhm für Deutschland erringen konnte. Robl beherrschte ein knappes Jahrzehnt den deutschen Radrennsport, wurde zweifacher Welt- und fünffacher Europameister. Als Berufs-Rennfahrer ab 1893 fuhr er hauptsächlich Steherrennen, das sind Bahnrennen, bei denen der Radsportler im Windschatten hinter einem Motorrad fährt. Mit einem spektakulären Sieg im Juni 1906 stellte er auf „der schnellsten und größten Radrennbahn der Welt“ in Milbertshofen einen neuen Stundenweltrekord auf.
Radrennbahn Milbertshofen
Thaddäus Robl begründete den Boom des Radsports entscheidend mit. Er war einer der Gründe, warum in Milbertshofen eine der bis heute größten Radrennbahnen der Welt entstand. Mit 666 Metern war das Oval ungewöhnlich lang und bot Raum für 38.000 Zuschauer. München war zu dieser Zeit eine Fahrradrennsport-Hochburg und es kam mehrfach vor, dass das Stadion ausverkauft war. Mit Beginn des ersten Weltkrieges 1914 wurde die Radrennbahn aber anders genutzt und danach nie wieder aufgebaut.
Nach der Karriere der Absturz
Nach seiner Sportlerlaufbahn wurde der aufkommende Flugsport zu seiner Leidenschaft. Doch bei einer Flugvorführung in Stettin am 18.Juni 1910 stürzte er aus rund 75 Meter Höhe tragisch ab. Damit wurde er noch ein letztes Mal berühmt – in der deutschen Luftfahrtchronik ist Thaddäus Robl als das erste Todesopfer des zivilen Motorflugs aufgeführt. Robl war nicht verheiratet und starb hoch verschuldet, obwohl er in seiner Glanzzeit die unglaubliche Summe von 50.000 Mark verdiente. Unter großer Anteilnahme der Münchner Bevölkerung wurde er auf dem alten Südfriedhof beigesetzt, wo sein Grabstein noch heute zu besichtigen ist.
Freundeskreis Thaddäus Robl
Am 30. September laden der Hobby-Historiker Martin Schreck und der Radsport-Experte Walter Lemke zu einem Lichtbildervortrag ein, um die Lebensgeschichte des mehrfachen Münchner Welt- und Europameisters wieder lebendig zu machen. Dazu der Radsportenthusiast und spätere Buchautor A. Klimanschewsky: „… und mir ist heute noch Milbertshofen in guter Erinnerung, dass wir Jungen nicht vom Radfahren sprachen, sondern nur vom ‚Durch-die-Straßen-Robln‘.“
Kulturhaus Milbertshofen ... was lange währt
Milbertshofen hat ein reiches Vereinsleben, aber immer wieder mussten sich die Vereine auf die Suche nach neuen Versammlungsräumen machen – es fehlten Übungsräume oder ein zentraler Ort für Auftritte und Veranstaltungen. Als Lösung sollte ein Bürgerhaus entstehen, ein Ort für Initiativen und Institutionen aus dem Viertel. Bereits 1997 geplant, dauerte es bis 2004 bis das Haus entstand und sich der „Förderverein Bürgerhaus Milbertshofen“ als „Trägerverein Kulturhaus Milbertshofen“ neu gründen konnte.
Kulturhaus Milbertshofen Ausstellung: Nach Milbertshofen zur Radrennbahn
02. Juli 2010 – 30. September Täglich, außer Montag, 8-18 Uhr
Im August geschlossen
Donnerstag, 30. September 19 Uhr Lichtbildervortrag
Curt-Mezger-Platz 1,
80809 München
Telefon: 089 - 350 636 39