Die Toten erobern München

(c) Zwerchfell Verlag

Selten hatten die lieblich bemalten Stuckdecken des Münchner Künstlerhauses solch eine Bandbreite an Illustrationsformen beherbergt wie in den letzten vier Tagen, als dort – und an vielen anderen Standorten in München – das diesjährige Comicfestival stattfand. 

Im Zeichen des Zeichnens

Für Comicfans aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stand das vergangene Wochenende ganz im Zeichen des Zeichnens. Dabei war der Andrang an Fans, Sammlern, Ausstellungsbesuchern und Zeichnern im Künstlerhaus am Lenbachplatz ungleich verteilt: Während die Stände der Großverlage im zentralen Festsaal dicht umlagert wurden, waren die kleineren unabhängigen Verlage und Magazine im dritten Stock untergebracht worden, den man nur über eine schmale Wendeltreppe erreichen konnte. Entsprechend gemäßigter ging es dort zu, obwohl gerade hier die meisten Entdeckungen zu machen waren. 

Die Arbeiten des jungen Berliner Grafikers Till D. Thomas beispielsweise, der für seine Heftreihe „Zirp“ mit einem der Preise des Interessenverbands Comic (ICOM) ausgezeichnet wurde. Oder die frankobelgisch angehauchten Comics des Zeichners Erik, der mit seinen epischen „Deae ex Machina“ bekannt wurde, die er im Internet veröffentlicht. Erik, von dem inzwischen zwei Alben der Krimireihe „Dedé“ im Epsilon-Verlag vorliegen, wurde für „herausragendes Artwork“ ausgezeichnet. Großer Gewinner waren aber die bluttriefenden Sammelbände „Die Toten“ (siehe Bild), mit denen der Zwerchfell-Verlag eine eher hartgesottene Leserschaft beglückte. 

Preise und Ehrungen

Der 87-jährige Comicpionier Helmut Nickel dagegen wurde am Samstagabend mit dem PENG!-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Seine Winnetou- und Robinson-Comics sind noch bis zum 10. Juli 2011 im Jagd- und Fischerei-Museum zu sehen. Weiter offizielle Ehrungen des Festivals gingen an eine Graphic Novel über den Serienmörder Fritz Haarmann (von Peer Meter und Isabel Kreitz) und die film-noir-hafte Detektivgeschichte „Blacksad“ rund um den gleichnamigen Katzendetektiv: Was für ein Glück, das dessen Erfinder Juanjo Guarnido ohnehin als Zeichenstar aus dem diesjährigen Gastland Spanien angereist war. 

Gerade der unverändert hohen Menge importierter Alben ist anzusehen, dass die Comicszene im deutschsprachigen Raum immer noch einen schweren Stand hat: Vom Ruhm, den Zeichner in den Comicnationen Frankreich, Belgien oder Japan genießen, sind ihre Kollegen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz noch weit entfernt. Entsprechend mürrisch äußerten viele der professionellen Comicautorinnen und -autoren, dass es im deutschsprachigen Raum wenig geeignete Vertriebsmöglichkeiten gebe und die Auftragslage in ihrem Arbeitsfeld nach wie vor schlecht sei.

Fast 10 000 Besucher

Am Sonntagmittag zogen die Festivalleiter, Michael Kompa und Heiner Lünstedt, eine kurze Bilanz. Auch wenn Besucherzahlen im fünfstelligen Bereich nicht erreicht worden waren, zeigten sich beide zufrieden mit dem Verlauf. In zwei Jahren soll das Festival, so war zu hören, wieder im Alten Rathaus stattfinden, wo auch alle Verlage sich wieder auf dem gleichen Stockwerk präsentieren werden.

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