Don’t panic!

Panika, was russisch nichts anderes als „Panik“ heißt, ist der Name einer aufstrebenden russischen Designerin, die in Moskau junge Großstadtmode kreiert. globe-M fragte die Designerin, was sie antreibt.

globe-M: Hallo Panika! Den Namen finde ich cool.   

Panika: „Panik“ ist ein lustiges Wort. Es wurde nach dem griechischen Gott des Waldes und der Natur Pan benannt. Seit er auf die Welt kam, sprang er nur herum und lachte. Am besten gefällt mir, dass er der Gott des Waldes ist.

globe-M: Er amüsiert sich und Menschen geraten in Panik.

Panika: Nur weil sie die Etymologie nicht kennen.

globe-M: Und warum nennst du dein Label anders? Mir würde das Wort „Panik“ als ein Brandname ganz bestimmt gefallen.

Panika: Panika ist meine Bezeichnung als Mensch und Künstler.

globe-M: Unter dieser Bezeichnung könnte man doch auch Kleidung und Schmuck anbieten, oder? Denn es ist auf keinen Fall gewöhnliche „Ware“, sondern eindeutig deine Kreation.

Panika: Mein Label ist nur ein Teil von mir. Ich als Panika bin aber mehr. Wenn du so willst, ist der Name meiner Kunst vorbehalten. Ich mache Artprojekte, deren zentrales Ausdrucksmittel Kostüm ist. 

globe-M: Unter Kostüm verstehst du nicht unbedingt die Mode, nicht wahr?

Panika: Mode repräsentiert doch ausschließlich den sozialen Aspekt der Kleidung, ihre Bedeutung ist aber viel, viel breiter. Sie spielt eine wichtige sexuelle, politische, psychologische und sogar philosophische Rolle. Meine Vorstellungen setze ich im Kostüm um, das auch als bewegliche Skulptur oder wandernde Idee bezeichnet werden kann.

globe-M: Erschreckt deine wandernde Idee etwa die Menschen?

Panika: (lacht) Doch, doch!  Ich habe schon viele Menschen umgekrempelt – natürlich nur äußerlich. Oder sagen wir so: Ich habe ihr Äußeres in Einklang mit ihrem wahren „Ich“ gebracht.

globe-M: Das ist ein schwerwiegender Schritt.

Panika: Ja, manche sagen sogar, sie seien noch nicht bereit, außen so zu sein, wie und was sie in der Tat sind. Einem Kerl habe ich direkt geantwortet: „Dann geh und bereite dich vor“. Eine Woche später war er so weit. Wir haben alles Notwendige gemacht, um sein Aussehen und sein Inneres zu harmonisieren. Und jetzt ist der Kerl Mathematiker geworden.

globe-M: Wie hast du ihn denn angezogen?

Panika: Ich machte für ihn ein Jackett, das wie ein Hemd ist, in das Knopfloch habe ich ein Rosenfoto einlaminiert, ein T-Shirt wurde zum Hemd.

globe-M: Na klar, ein typischer Mathematiker!

Panika: Zu diesem Zeitpunkt, muss man gestehen, hat er das selbst noch gar nicht gewusst.

globe-M: Würdest du lieber nur für private Kunden oder doch lieber Kollektionen nähen?

Panika: Es ist ganz spannend, individuell zu nähen, aber es kostet extrem viel Kraft. Wenn ich für einen konkreten Menschen arbeite, versuche ich, ihn zu ergründen und zu verstehen. Für einen ziemlich rauen und resoluten Schriftsteller zum Beispiel, habe ich, nachdem ich ihn näher kennen gelernt hatte, zwei Sachen gemacht: einen Nadelstreifenanzug aus weichem Stoff und mit magentafarbenem Innenfutter und einen dunkelroten Trenchcoat mit Schulterklappen, die bis zu den Ellbogen reichten.

globe-M: Hört sich nach einem zartbesaiteten General an.

Panika: Ganz genau. Solche Kleidungsstücke sind äußerst individuell.

globe-M: Im Namen deines Labels „POMESTAYMENYAMI“ sind die Buchstaben ziemlich durcheinander gewirbelt. Man erkennt aber doch, dass es „Plätze vertauschen“ heißt.

Panika: Ich mag es gern, wenn etwas andersrum oder an einer „falschen“ Stelle ist.

globe-M: In deinen Kleidern ist aber alles an der richtigen Stelle.

Panika: Nur weil dort alles, was durcheinander gebracht wurde, gut sortiert ist.

Das Gespräch führte Victoria Belikova
Foto von Ekaterina Bazhenova

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