Gefangen in der virtuellen Welt?

Das Netz wird zur Bühne, wenn sich die Künstler vom IMAL - International Munich ArtLab in ihrer ersten net opera „Esc@pe“ live von Level zu Level kämpfen und das Publikum mit in ihren Sog ziehen.

Faszination virtueller Welten

30 Münchner Jugendliche aus unterschiedlichen Ländern haben zusammen ein neues Musikdrama entwickelt. „Es handelt von der Sucht. Genauer, der Mediensucht. Noch genauer, der Computerspielsucht und noch einmal genauer, der Online-Rollenspiel-Sucht.“ Esc@pe ist die Geschichte einer Reise und einer Suche. Aber die Suche nach dem wahren Leben vollzieht sich im falschen Leben. Thematisiert wird die Faszination virtueller Welten und die Einsamkeit im realen Leben.

Die Geschichte von vier Freunden

Da ist zum Beispiel Tom, ein schüchterner Junge, der Angst hat dem Idealbild seiner spießbürgerlichen Eltern nicht entsprechen zu können. Er träumt davon, von allen bewundert und geliebt zu werden – besonders von dem Mädchen Esther.
Oder Luna O, die für ihren sterbenskranken Bruder mit aller Macht Geld für teure Operationen zusammenbekommen will. Sie spielt im Internet um Geld und verliert mehr als nur das.
Als weiteres kommt Alice vor, genannt Kirsche, die als gefeierte Sängerin Anerkennung und echte Liebe sucht. Sie gewinnt im richtigen Leben.
Oder Trixi, die unter ihrem gewalttätigen Ehemann leidet, aber im Internet unter dem Namen Klitoris als Mann und Macho auftrumpft.

Der Online-Spiele-Kosmos

Diese vier Helden kämpfen sich durch viele Abenteuer. Sie gewinnen und verlieren und das Publikum fühlt mit ihnen. Selbstverständlich spielt auch die -Taste der Computertastatur auf der Bühne im gleichnamigen Spektakel mit. Oder ein zerstörerischer Virus befällt die Computerspielewelt und es tauchen PopUp-Fenster mit grotesken Werbebotschaften auf. Zugleich werden Saiten zum Klingen gebracht, die tief im menschlichen Unterbewusstsein ruhen. Online-Rollenspiele sind vereinfachte Varianten der alten Heldenmythen, haben also mit dem Erwachsenwerden zu tun, dem für Jugendliche wichtigsten Entwicklungsprozess.

Heroin aus der Steckdose

In Esc@pe wird ein brisantes Problem behandelt. Der Verein „Aktiv gegen Mediensucht“ nennt es „Heroin aus der Steckdose“ und die Bundesdrogenbeauftragten Sabine Bätzing spricht von bis zu 2,8 Millionen Online-Süchtigen. Esc@pe weist also nicht nur auf die Taste der Computertastatur hin, sondern darf auch als Aufforderung verstanden werden: Geh raus! Entkomme! Lebe im richtigen Leben!

International Munich ArtLab - IMAL

Die Jugendlichen von IMAL kommen aus Deutschland, Israel, Ungarn, Kamerun, Kurdistan/Iran, Senegal, Spanien, Ägypten, Südafrika und Irland. Ihre selbst komponierte Musik reicht von Hiphop über Ballade und Opern-Rock bis Reggae. Das neue Musiktheaterstück Esc@pe wurde anlässlich des 10-jährigen Jubiläums auf die Beine gestellt. IMAL bietet Jugendlichen berufliche Qualifizierung und künstlerische Produktionen und hilft jährlich rund 70 Jugendlichen von 16 bis 25 Jahren ihr Potential zu entwickeln. Es gibt zwei Fachbereiche: Bildende Kunst und Darstellende Kunst. Von der ersten Idee über die Handlung, Choreographie, Musik, Technik, bis hin zum Bühnenbild wird alles von den Jugendlichen gemeinsam erarbeitet und zur Aufführung gebracht. Über 90 Prozent der Kursteilnehmer finden danach einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz.

Weitere Informationen

ARRI Studio

Türkenstraße 95

80799 München

Tel: 089/3809-0

E-Mail: info@escape-musiktheater.de

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