Steel Panther aus Los Angeles sehen so aus wie Poison zu ihrer schlimmsten Zeit. Mit noch mehr Lipgloss. Die Band, die seit Jahren eine feste Größe auf dem Sunset Strip ist und mit Covernummern bekannt wurde, startet nun mit ihrem Debutalbum ihre erste Europa-Tour.
Handfester, klassischer 80er Jahre Heavy Metal gepaart mit schauspielerischem Talent, cheesy Attitude und eben Songtiteln wie „Fat Girl (Thar she blows)“ oder „Pardy all Day (F*** allnight): Welches Publikum zieht ein Steel Panther Konzert an? In der Hamburger Markthalle findet sich am Mittwochabend ein buntes Metal-Publikum ein. Mittzwanziger, die den Spaß an der Kombination von Spandexhosen und Cowboystiefeln sicherlich total ironisch meinen, neben jung gebliebenen Altrockern, bei denen ihr Orginal Outfit aus den frühen 80ern auch knappe 30 Jahre später noch (schon wieder?) in Mode ist. Heute tragen die Herren vermehrt Augen-Make-up und als die Band endlich in verheißungsvollem Nebel die Bühne betritt, kreischen sogar einige Teenie-Mädchen! Steel Panther lassen eine längst verloren geglaubte Ära des Rock wieder aufleben – und das Konzert hat gerade erst angefangen.
Kreisch, das können die nicht ernst meinen!
Aus dem Cover Artwork ihrer aktuellen CD „Feel the Steel“ und aus ihren Merchandise-Artikeln schreien einem die schlimmsten Facetten der 80er Jahre entgegen. Grelles Pink und Lila treffen auf lodernde Flammen und mittendrin: vier Herren mit wallenden Perücken, Bandanas, Make Up und wirklich, wirklich engen aufgerissenen Netzhemden. Die Texte der Songs sind durchweg politisch unkorrekt, hochgradig sexistisch und tragen zurecht durch die Bank das Siegel ‚Parental Advisory – Explicit Content’. Die wichtigsten und am häufigsten gebrauchten Vokabeln bezeichnen primäre Geschlechtsorgane und das, was man damit so anstellen kann. Jedoch nicht ohne einen postmodernen Mash-up, der seines gleichen sucht. Der Song „Fat Girl“ beschäftigt sich nicht nur mit der, breit im Refrain gesungenen Frage „where does your neck begin“, sondern um die Anspielung „Thar she blows“ einordnen zu können, ist es nützlich, schon einmal Hermann Melville gelesen zu haben. Denn das Zitat stammt aus seinem großen Roman Moby Dick. Nicht witzig? Die eindeutig übergewichtige Frau im Publikum feiert den Song jedenfalls ordentlich ab.
Spätpupertär oder chauvinistisch?
Das jeglichen guten Geschmack entbehrende Stilkonzept von Steel Panther nimmt Bezug auf sämtliche Rock-Klischees mit Groupies, Sex und dem wilden Rockstarleben. Poison, Bon Jovi oder Mötley Crüe klingen im Songwriting mehr als deutlich durch und so ist Steel Panther aus rein musikalisch-handwerklicher Sicht vor allem eins: lupenreiner, tighter 1A-Hairmetal! Die Riffs und die Licks sitzen und die Stimme von Sänger Ralph Saenz aka „Michael Starr“ ist einfach eine perfekt ausgebildete Metalstimme. Bei den Songs sitzt das „Whoa-ho“ und das darauffolgende „Hey, hey, hey“ an der richtigen Stelle und die Melodien haben allerbeste Ohrwurm-Garantie. Die volle Markthalle ist übrigens absolut textsicher und grölt lautstark alle Songs mit. In den ersten Reihen tobt der Mob in ausgelassener Partystimmung und es fliegen sogar vereinzelt Rosen auf die Bühne.
Hollywood gets the Party started
Für die Generation der nach 1980 Geborenen bietet sich endlich das Konzerterlebnis, von dem sie bislang immer nur in den Annalen der Rockgeschichte lesen konnten. Gerade weil Steel Panther sich nicht zu Schade sind, Cover von Klassikern wie "Sweet Child of Mine" oder "Kickstart my Heart" zum Besten zu geben, leuchten in Hamburg alle Augen in der kochenden Markthalle. Der Aufritt bietet neben der erstklassigen musikalischen Performance aber auch Showelemente im wahrsten Sinne: Bassist Lexxy Foxx („The double x ist for extra sex!“) prüft im glitzernden Handspiegel sein Make-up, Stripperinnen werden auf die Bühne gebeten und entblößen sich zur hellen Freude des Publikums und gemeinsam mit Gitarrist Satchel wird synchron gerockt oder mit absichtlich inszenierten Durcheinander eben auch nicht. Bei all der Parodie merkt man den Amerikanern um den dauergrinsenden Sänger die Nähe zu Hollywood doch gewaltig an. Aber das ist durchaus positiv gemeint: Steel Panther liefern die absolute Show. Runde zwei Stunden, in denen jeder der Besucher ein maximales Konzerterlebnis erfahren haben dürfte.