globe-M hat die Art Basel 42 besucht, die vom 15.-19.06.2011 stattfand. Eine Show der Superlative: 241 Galerien aus der ganzen Welt und mehr als 2 500 Künstler. Im ersten Teil berichtete globe-M über Prominenz und Pop-Kultur auf der Messe. Im zweiten Teil geht es über:
Alte und neue Religionen
Ein zentrales Thema waren Skulpturen, die alte Kunst aufgreifen. Faszinierend ist der Publikumsmagnet „the Damned“ von Liza Lou (Galerie L & M Arts, NY/LA)

Die beiden goldglänzenden Figuren lassen sofort an Adam und Eva bei der Vertreibung aus dem Paradies denken. Adam verdeckt seine Augen und senkt den Kopf, Eva, die ihren Körper mit Händen schützt, schreit und wehklagt. Ein altes Sinnbild auf die heutige Menschheit übertragen.
Religiöse Motive sind auch bei Katharina Fritsch

zu entdecken. „6th Still Life“ (Matthew Marks Gallery, NY) vereint heidnische und christliche Symbole: die Schlange, das Ei, den Totenkopf, Maria und Petrus. Die knalligen Polyesterfarben katapultieren die uralten Motive in unsere Zeit und machen uns bewusst, wie tief wir sie verinnerlicht haben.
Fabrice Samyn lässt eine Madonna mit Kind entflammen.

„From Sap“ (Sies + Höcke, Düsseldorf) besteht aus einer mit Kunststoff übergossenen Holzskulptur. Ein Angriff, ein Eingriff, ein Hilferuf? Der krasse Gegensatz der Materialien verabschiedet sich vom hehren Kunstideal der Vergangenheit und bietet ein neues Modell an.
Hyperrealismus und Realitäten
Mit einer überdimensionalen Porträtbüste „Young Self“ hat Evan Penny sein jüngeres Ich wachgerufen

(Galerie: Sperone Westwater, NY). Das bemalte Silikon, Haarapplikationen und eine Aluminiumbrille machen den jungen Künstler gegenwärtiger als viele seiner verstörten Betrachter.
„Security“ ist das Thema des Skandalkünstlers Maurizio Cattelan (Galerie Gagosian, NY).

Vor dem Eingang seiner Galerie hat er die zwei Wachsfigur-Polizisten „Frank & Jamie“ kopfüber in den Boden gerammt und in Gesellschaft mit einem aufrecht stehen lebenden Wachmann gebracht. Eine ironische Antwort auf die heutige, teils überzogene Sicherheitsdiskussion.
An die aktuellen Revolutionen in Tunesien, Ägypten und Libyen „erinnert“ Rirkrit Tiravanija (Galerie Tonson, Bangkok).

Bei einem vom Künstler gekochten „Muslim Curry“ können die Besucher an seinen Revolutions-Wandbildern „Who is afraid of ...“ mitmalen. Bilder-Realitäten, die nicht mehr der Künstler, sondern die Interaktion mit dem Betrachter bestimmt.
globe-M wirft noch einen Blick auf den Weltkarten-Einkaufsbeutel und den Globuskleiderbügel von Mona Hatoum

und auf den führenden Berliner Galeristen Bruno Brunett (Contemporary Fine Arts).

Dann machen wir eine wohlverdiente Art-Pause.

(Fotos: Lev Osenkov)