Mit Anfang Zwanzig verließ Fotograf Christian Berg das beschauliche Bonn, um in Ho Chi Minh City seine Tagträume zu leben und Erfahrungen sowie Eindrücke zu reflektieren. Jedes seiner Bilder erzählt eine Geschichte!
Globe-M: Herr Berg Sie sind 2001 nach Vietnam ausgewandert, um sich dort als Fotograf selbstständig zu machen. Wie kommt man mit Anfang Zwanzig auf diese Idee?
Christian Berg: Ich wohne seit 2007 in Ho Chi Minh City (ehemals Saigon Anm. d. Red.). Aber ich mag den Begriff des Auswanderns nicht. Ausgewandert klingt so endgültig. Und danach, dass jemand mit seiner Heimat gebrochen hat. So sehe ich das aber gar nicht, und so fühlt sich das auch nicht an. Durch soziale Netzwerke wie Facebook bin ich eigentlich immer im engen Kontakt zu meiner Heimat. Ich schaue dieselben TV-Serien und Filme wie meine Freunde und höre dieselbe Musik. Ich bin auch oft zuhause, oder Freunde und Familienmitglieder kommen nach Vietnam. Oft denke ich, dass ich, wenn ich nach Berlin gezogen wäre, auch nicht wirklich näher wäre. Ich sehe es eher so, dass ich mich und meine Arbeit nach Asien “outgesourced“ habe.
Globe-M: Aktuell leben Sie in Ho Chi Minh City. Was ist das Besondere an dieser Stadt? Und wieso haben Sie sich diese Stadt als Standort ausgesucht?
Christian Berg: Eigentlich komme ich seit 2002 jedes Jahr hier hin. Das Besondere an der Stadt? Ich glaube, dass es zur Zeit keine Stadt in Südostasien gibt, die einem so schnellen und rapiden Wandel ausgesetzt ist. Das fängt beim Stadtbild an, (eines meiner Langzeitprojekte) und zieht sich mit dem starken Einfluss der Globalisierung durch alle Gesellschaftsschichten. Im Grunde sehe ich die Stadt als eine der Fronten der Globalisierung. Hier zu Leben, macht mich zu einem Zeitzeugen. In Vietnam ist Saigon das wirtschaftliche Zentrum und die Medienwelt hier in der Stadt ist fantastisch mit anderen Medienhubs der Region verbunden. Darüber hinaus ist die Stadt ein sehr guter Ort, um internationale Kontakte aufzubauen.
Globe-M: Ihr Portfolio reicht von schlichten Werbefotos bis hin zu sehr stilvollen Momentaufnahmen des vietnamesischen Alltags. Wie kommen diese Momentaufnahmen bei den Einheimischen an?
Christian Berg: Das ist schwer zu sagen, da ich meine Bilder bisher eigentlich keinem einheimischen Publikum gezielt zugänglich gemacht habe, sondern eher einem ausländischen Publikum. Von einheimischen Freunden und Bekannten vor Ort habe ich durchweg Positives zu hören bekommen. Mein Ziel ist es, hier eine eigene Ausstellung zu machen. Dann könnte ich auch mehr einheimische Reaktionen sehen.
Globe-M: Wie schwierig war oder ist es, als Deutscher in Ho Chi Minh City Fuß zu fassen und darüber hinaus das Vertrauen der Vietnamesen zu erlangen? Zum Teil wirken Ihre Fotos sehr intim.
Christian Berg: Als "Expat" zu leben hat natürlich immer seine ganz besonderen Herausforderungen. Das fängt mit solchen Sachen wie der Wohnungssuche an, und hört bei der Gesundheit auf. Aber im Großen und Ganzen würde ich sagen, dass es mir hier nicht sehr schwer gefallen ist, Fuß zu fassen. Im Endeffekt hatte ich eigentlich nie geplant, so lange am Stück hier zu sein. Das hat sich viel mehr ergeben. Dazu muss man allerdings auch sagen dass ich bereits in Bonn Vietnamesisch studiert habe. Meine Sprachkenntnisse haben mir mit Sicherheit einige Türen geöffnet und gerade für meine Fotografie (als Dokumentarprojekte) ist die Sprache ein notwendiges Werkzeug.
Globe-M: Sehen Sie sich als Künstler?
Christian Berg: Ich sehe mich in erster Linie als Zeitzeugen und stehe mit meiner Dokumentarfotografie in einer starken journalistischen Tradition. Das heißt, in meiner Dokumentararbeit geht es darum, Situationen so einzufangen,wie sie wirklich geschehen. Das ist für mich der größte Reiz der Fotografie. Zwischen den Zeilen der Realität zu lesen. Aber meine Bilder haben natürlich auch einen gewissen ästhetischen Anspruch und in gewissen Projekten wie meiner Streetfotografie arbeite ich auch digital an den Farben. Ob man das nun als Kunst bezeichnen kann, müssen andere entscheiden.
Globe-M: Was sind Ihre liebsten Motive? Und mit welcher Intention fotografieren Sie hauptsächlich?
Christian Berg: Menschen. Wie zuvor schon gesagt, die Idee einen Teil unserer Welt zu dokumentieren und durch mein Auge auch zu einem gewissen Grad zu interpretieren, ist meine Intention.
Globe-M: Glauben Sie, dass Sie irgendwann nach Deutschland zurückkehren werden?
Christian Berg: Das kann durchaus sein. Allerdings nicht in nächster Zukunft, da ich hier zur Zeit einige Projekte habe – unter anderem für das Goethe-Institut. Was ich mir sehr wohl vorstellen kann, ist es schon bald öfter für längere Zeit nach Deutschland zu kommen. Auch um potentielle Auftraggeber, Verleger et cetera zu treffen und an verschiedenen Projekten in Europa zu arbeiten.
Globe-M: Wir danken Ihnen für das Gespräch.
Christian Berg: Es hat mich gefreut.
Weiterführende Informationen:
Offizielle Homepage von Christian Berg