Tim Strybny liebt Musik. Der Wahlhamburger, der hauptberuflich eine Promotionagentur betreibt, hält mehr von Tönen und Taten statt Worten. Gemeinsam mit seinem alten Schulfreund Oliver Krupp startete er daher im vergangenen Jahr sein Independent Label 141records.
Im Interview mit globe-M gibt der Musikliebhaber einen Einblick in die Motivationen und Arbeitsweise einer selbstgemachten Plattenfirma.
Globe-M: Independent Labels sind traditionell kleine Betriebe, bei denen jeder mit Leidenschaft anpacken muss. Was bedeutet Dir das Selbermachen, der D.I.Y.-Geist?
Tim Strybny: Also eigentlich haben wir uns darüber nie Gedanken gemacht. Wir sind eh gezwungen fast alles selber zu machen, da uns der finanzielle Background fehlt. Es macht aber ja auch tierisch Spaß für Bands, die man toll findet zu arbeiten oder mit ihnen zusammen zu malochen. Man sitzt zusammen, grübelt, überlegt sich, wie man eine Band oder einen Künstler weiter nach vorne bringen kann. Geil ist, dass man sich dann natürlich noch viel mehr über Erfolge freuen kann. Da weiß man dann, was man zusammen schaffen kann. Natürlich arbeitet man sich den Hintern wund, aber wir glauben daran, dass die Musik der Bands, die wir rausbringen, es wert ist.
Globe-M: Was war die Initialzündung dafür, ein eigenes Label zu gründen?
Tim Strybny: Oliver Krupp und ich sind seit über 15 Jahren befreundet, sind auf eine Schule gegangen und machen selber seit einer halben Ewigkeit zusammen Musik. Als Olli dann nach Hamburg gezogen ist und ich ihn das erste Mal besucht habe, war für mich klar: Hier will ich auch hin. Hab' ich dann auch gemacht und es hat jeder erstmal beruflich sein Ding durchgezogen. Olli hat lange bei QFilm gearbeitet und Musikvideos geschnitten, gedreht und produziert - ich war über vier Jahre bei edel records und habe den Online Promotion Zweig, der damals noch ziemlich belächelt wurde, mit aufgebaut. Dann haben wir uns beide vor etwa drei Jahren selbständig gemacht. Olli mit Kruppo Films und ich mit Black Mamba Promotion. Als wir dann Ende 2009 in ein Büro mit integriertem Studio gezogen sind, gab es dann letztes Jahr die konkrete Idee ein Label zu gründen. 
Globe-M: Wie ist die Struktur und Arbeitsweise von 141records?
Tim Strybny: Olli und ich kümmern uns zusammen um alle vertraglichen Dinge, um die A&R-Arbeit und um das Produktmanagement. Die komplette Promotion läuft über Black Mamba, alle Videos oder Clips über Kruppo Film, obwohl jeder auch jeden in den jeweiligen Bereichen unterstützt. Der eine hilft da, der andere da. Da supporten wir uns ziemlich gut. Natürlich machen auch die Bands selber eine Menge. Wir nutzen alle Kanäle, so gut es geht. Richtig praktisch ist auch, dass wir ein eigenes Studio im Haus haben, Timo Höcke betreibt die 141studios. Da kann man auch schnell, spontan und gut noch was aufnehmen. Bei Three Chord Society zum Beispiel haben wir dort die Single „The Swan Song“ als Akustik-Song recorded und die Band Chäirwalk, die ihr neues Album bei 141records veröffentlichen werden, sind seit zwei Wochen dabei aufzunehmen. Da kann man dann während der Büroarbeit schnell mal nach hinten ins Studio gehen und sich von den neuesten Sounds überzeugen. Das ist schon ziemlich cool!
Globe-M: Die erste Band auf 141records sind Three Chord Society aus Bad Segeberg. Wie bist du auf sie aufmerksam geworden?
Tim Strybny: Mit Ben, dem Sänger bin ich schon seit ein paar Jahren befreundet. Der war nämlich damals bei edel ein halbes Jahr mein Praktikant. Daher kenne ich die Band auch seit längerer Zeit. Ein paar Wochen, nachdem Olli und ich 141records gegründet haben, kam dann Ben zu mir und zeigte uns deren noch nicht veröffentlichtes Album. Das hatte uns direkt umgehauen. Wir trafen uns mehrere Male mit den Jungs und konnten sie von unserem Konzept überzeugen. Dann ging alles auch relativ schnell. Wir sind mit 3CS den Bund der Ehe eingegangen und haben schnell alle wichtigen Strukturen aufgebaut und mit Believe Digital und New Music Distribution zwei tolle Partner gefunden, die uns im Vertrieb unter die Arme greifen.
Globe-M: Das Debütalbum von Three Chord Society wurde Ende Januar veröffentlicht. Wie sind die Reaktionen der Fachpresse bisher?
Tim Strybny: Die Reaktionen sind bisher unfassbar gut. Wir sind selber total positiv überrascht. Es gab bisher fast nur gute Rezensionen und im Online-Sektor ging richtig viel. Printmäßig hätte ruhig noch mehr passieren können, aber die waren nicht ganz so aufgeschlossen. Doch auch da können wir uns unterm Strich nicht beschweren.
Globe-M: Schlagen sich die positiven Rezensionen auch bei den Musik-Käufern nieder?
Tim Strybny: Das Thema Musik-Käufer ist natürlich ein ganz spezielles. „Musik-Käufer“ ist ja schon fast ein Unwort. Aber, wir haben auch hier keinen Grund enttäuscht zu sein. Die meisten Verkäufe erzielt man als „kleine“ Band sowieso über Live-Auftritte. Doch auch über die digitalen Shops und den Handel wurden schon einige CDs an Mann/Frau/Kind gebracht. Für die Charts reicht es nicht und für einen Maledieven-Urlaub auch nicht. Das ist uns aber auch egal. Wichtig ist aus Labelsicht nur, dass man pro Veröffentlichung keine Miesen macht. Bei Three Chord Society sieht das bisher ganz gut aus!
Globe-M: Zur Veröffentlichung des Albums gab es kleine Filme, in denen befreundete Bands Statements zu Three Chord Society abgaben. Für ein kleines Indie Label erscheint dieser Aufwand an Promotion außergewöhnlich. Muss man sich heute mehr einfallen lassen als Aufkleber?
Tim Strybny: Man muss sich schon etwas mehr einfallen lassen als nur Flyer und Aufkleber, auf jeden Fall! Der Vorteil bei 141records ist, dass wir promoseitig und in Sachen Videoproduktion durch Olli und mich sehr gut aufgestellt sind, daher konnten wir da aus dem Vollen schöpfen. Bei Three Chord Society haben wir dann viele befreundete Bands angeschrieben und sie gefragt, ob sie nicht Lust hätten, kleine Clips zu machen. Da haben dann auch alle mitgemacht. Das war genial. Wir konnten die Trailer über unsere Promo-Kanäle raushauen, haben natürlich auch immer fleißig bei Facebook gepostet und somit eine Menge Leute erreicht. Das Video und das EPK (elektronische Pressekit) sind mit viel Hilfe von Freunden und einer Menge Arbeit richtig toll geworden. Das kann man auch ohne 10 000 Euro auf dem Geschäftskonto wuppen! Danke nochmal an alle, die uns da unterstützt haben! Vor allem die Videocrew war der Wahnsinn.
Globe-M: Der Firmensitz von 141records ist deine Wahlheimat Hamburg. Hatte die Stadt etwas mit der Entscheidung zu tun, ein Label zu gründen?
Tim Strybny: Hamburg ist natürlich ein guter Standort für ein Label. Es gibt hier viele Bands, Konzerte – kulturell gibt’s hier schon eine Menge mehr im Angebot als zum Beispiel in Kleinstädten. Aber wir haben das Label nicht gegründet, weil wir in Hamburg leben. Die Entscheidung hatte mit der Stadt nichts zu tun. Wenn wir in Köln, Berlin oder München gestrandet wären, hätten wir da sicherlich auch ein Label gegründet. Ich bin ja auch kein gebürtiger Hamburger, sondern bin in Friesland aufgewachsen und erst Anfang 2000 nach Hamburg gezogen.
Globe-M: Seit Deinem Umzug verfolgst Du die Musikszene Hamburgs sehr genau. Sind im Laufe der Zeit Veränderungen festzustellen? Was sind aktuelle Trends?
Tim Strybny: Die Hamburger Schule hat sich schon sehr etabliert hier, Labels wie Grand Hotel sind aus Hamburg nicht mehr wegzudenken, und auch das kleine Electro-Label Audiolith hat ordentlich angezogen. Das macht uns natürlich Mut, dass man es schaffen kann, langfristig etwas aufzubauen. Punkrock wird in Hamburg und speziell in St.Pauli definitiv auch nie sterben – es gibt so viele gute kleine Bands hier. Es ist schwer, einen Trend auszumachen, aber der Pfeil geht eher Richtung Indie, würde ich mal sagen. Und wer etwas mit seiner Band erreichen will singt auf Deutsch.
Globe-M: Vielen Dank für das Gespräch.
weitere Informationen:
Offizielle Homepage von 141records
Offizielle Homepage von Three Chord Society