Hommage an Oskar Sala

Wer kennt ihn nicht – Alfred Hitchcocks Klassiker “Die Vögel”. Vertont jedoch wurde der Thriller nicht in Hollywood, sondern von Oskar Sala, einem Pionier der Elektronischen Musik und Erfinder des Mixtur-Trautoniums.

Retrospektive des Musikpioniers

Aus Anlass des 100. Geburtstages von Oskar Sala zeigt das Filmmuseum München in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum eine Retrospektive mit einer kleinen Auswahl aus den über 450 Spiel-, Dokumentar-, Fernseh- und Kurzfilmen, für die Oskar Sala musikalisch tätig war. Er widmete sein Leben dem Trautonium, ging mit dem unhandlichen Gerät auf Tournee durch Europa, hatte eigene Rundfunksendungen, begleitete herkömmliche Konzerte und komponierte eigens für sein neues Instrument. Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde er durch seine Mitwirkung an „The Birds“ 1963 von Alfred Hitchcock.

Musiker, Komponist und Naturwissenschaftler

Der am 18. Juli 1910 geborene Thüringer studierte in der Meisterklasse von Paul Hindemith Komposition und kam dort mit dem Ingenieur Friedrich Trautwein in Kontakt, den er bei der Entwicklung des Trautoniums unterstützte. Zeitgleich studierte er von 1932 bis 1936 Physik. Ab 1930 entwickelte Sala erste Klänge für den Film „Stürme über dem Mont Blanc“ von Arnold Fanck. Bis in die 1990er Jahre schuf er die Klangkulissen für mehrere hundert Filme, Klänge für Hörspiele und Theaterproduktionen sowie autonome Musik.
Bis zu seinem Tod am 27. Februar 2002 blieb Sala der einzige Spieler des Trautoniums. Er war Wegbereiter für die elektronische Musik, Gruppen wie Kraftwerk oder die Einstürzenden Neubauten verdanken ihm grundsätzliche Inspirationen. Sein nahezu vollständiger Nachlass ist im Deutschen Museum von München zu finden. Darunter die Ausstattung seines Berliner Studios.

Meister des Trautoniums

Das Trautonium wird häufig fälschlich als Vorläufer des Synthesizers bezeichnet, dabei ist Oskar Salas Instrument ein völlig eigenständiges Gerät. Es ermöglichte erstmals die musikalische Komposition mit subharmonischen Strukturen – eine zuvor rein theoretische Spiegelung natürlicher Tonreihen. Neben Klängen für Film, Rundfunk und Werbung, fand das Instrument aber auch im Theater und in der absoluten Musik Verwendung. Komponisten wie Paul Hindemith und Harald Genzmer widmeten ihm Werke.

Musik und Geräusche zu Alfred Hitchcocks „Die Vögel“

Der Filmklassiker lebt nicht nur von neuartigen visuellen Effekten, sondern auch von einem Verzicht auf Musik zugunsten eines ungewöhnlichen Sounddesigns. Offenbar gefiel die Idee, durch die künstlich erzeugten Töne den Sound vollständig kontrollieren zu können. Dabei wurden keineswegs nur Vogelschreie erzeugt, sondern auch Flügelschlagen und elektronisch erzeugte Stille für die Spannungsmomente des Films.
Hitchcock: „Auf dem Dachboden“ - der grausamsten Szene - „wollte ich einen Ton, der dasselbe bedeutete, wie wenn die Vögel zu Melanie gesagt hätten: 'Jetzt haben wir dich, jetzt fallen wir über dich her, wir brauchen kein Kampfgeschrei auszustoßen, wir bringen uns nicht in Wut, wir werden einen lautlosen Mord begehen.' Genau das sagen die Vögel zu Melanie Daniel, und das haben mir die Techniker mit dem elektronischen Ton auch gebracht.“

Das Filmuseum

Das Filmmuseum wurde 1963 als eine Abteilung des Münchner Stadtmuseums gegründet. Im hauseigenen Kino mit 165 Sitzplätzen wird ein täglich wechselndes Filmprogramm gezeigt, vor allem Werke der deutschen und internationalen Filmgeschichte. Neben Filmreihen und Retrospektiven gibt es auch Stummfilme mit Livemusikbegleitung. Einführungen zu den Filmen oder Gespräche mit bekannten Gästen ergänzen das Programm. Außerdem widmet sich das Museum der Sammlung, Konservierung und Restaurierung von Filmen und ermöglicht wissenschaftliche Forschung.

Filmmuseum im Münchner Stadtmuseum St.-Jakobs-Platz 1, 80331 München
Tel.: 089/233 22348

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