Ich weiß, was du sehen willst

Das Web hat viele Vor- und Nachteile, wird viel gelobt und viel verrissen, macht Angst und Freude. Eine der großen Bewegungen (und einer seiner großen Vorteile) ist das so genannte "Customizing".

Auf www.etsy.com und www.dawanda.de findet man selbstgestricktes, -genähtes und -gemachtes und kann sich bei dem jeweiligen Designer auch ein eigenes zugeschnittenes Teil bestellen.Auf www.mymuesli.de (dem Startup des Jahres 2008) kann sich der gesundheitsbewusste Netzbesucher sein ganz persönliches Müsli zusammenstellen. Auf www.lastFM.de gibt's den eigenen Radiosender, bei vimeo kann man sich sein eigenes Videoprogramm zusammenstellen und überhaupt ist das Anschauen von Filmen sehr populär, je nach Stimmung, Lust und Laune, ob nun auf www.youtube.de, www.myvideo.de oder eben dem wesentlich anspruchsvolleren www.vimeo.com.

Für viele jüngere Menschen hat das Internet bzw. der Computer längst den Fernseher abgelöst, sie sind nicht mehr an das doch mittlerweile sehr beschränkte Fernsehprogramm gebunden, sondern können sich nun über DVD oder Streaming das anschauen, was sie wollen und wann sie wollen. Customized TV.

Mach dein eigenes Sehverhalten

Aber was soll man denn schauen? Wie die überbordende Auswahl in kapitalistischen Shoppingmalls ist auch die Auswahl an möglichen Filmen zu groß, um sie zu überschauen - nach was sollte man imdb.com durchsuchen, welche Stichworte googlen? Die freie Wahl kann schnell schwierig werden, ist man nicht einer derjenigen, die sich stundenlang auf youtube treiben lassen können. Für diejenigen, die gezielter sehen wollen (oder gar genau gezielt) gibt es jetzt www.jinni.com. "The test engine" verrät einem, worauf man Lust hat. Es ist ein Portal, das das Customizing, also das Personalisieren, zum Programm gemacht hat.

Beim Öffnen von jinni.com ist das erste, das ins Auge springt, die Filmausschnitte, die als Tag-Cloud für Sehfreuden die Seite dominieren: Plot, Mood, Genre, Time/Period, Place, Audience und Praise sind die Auswahlkriterien, nach denen der noch unwissende Filmkonsument sich etwas vorschlagen lassen kann. Eine "Coming of age"-Geschichte, die "witty" und "touching" ist? jinni schlägt beispielsweise vor: Die fantastische und fast unbekannte Serie "Freaks and Geeks", "Toy Story" oder auch "About a boy".  Ein Thriller, der 1950 spielt und "atmospheric" ist? Hier stehen unter anderem "Psycho", "Shutter Island" und, ganz aktuell, "The killer inside me" zur Auswahl.

Social Networking für Willige

Für diejenigen, die sich im Social Networken wohlfühlen, gibt es die Möglichkeit, sich ein Profil anzulegen, Filme zu bewerten und damit noch passendere Filmvorschläge zu bekommen: Die eigene "Movie personality". Auch gegen Beziehungstress wird vorgebeugt. "Movies you both like" ist ein weiterer Service der Seite, der zwei Profilbesitzern Filme vorschlägt, die beiden gefallen könnten.
Ein Profil einzurichten wird aber nicht zwingend vorausgesetzt, in Zeiten der Datensammelwut ist das ein großes Plus dieser hübschen Seite. Als zusätzliches Schmankerl gibt es nicht nur Filmvorschläge, die sich in Movies, Series und Shorts aufspalten lassen, sondern es werden auch gesondert die Filme gezeigt, die frei im Netz gesehen werden können.

Der Selbsttest zeigt Folgendes: Viele der Vorschläge sind Klassiker, erwartbar. Aber besonders die kleineren Filmbilder der jeweils angezeigten Tag-Cloud sind meistens Geheimtips, wie zum Beispiel Drew Barrymores zweite Regiearbeit "Whip it" (http://www.imdb.com/title/tt1172233/), die Coming-of-age-Geschichte einer texanischen Jugendlichen, die das Roller Derby (Eine Mischung aus Rollschuhrennen und Wrestling) für sich entdeckt und sich so von den Debütantinnen-Träumen ihrer Mutter emanzipiert. Nicht besonders "atmospheric", aber ein netter Filmabend jenseits dessen, was aus Amerikas Mainstream in die deutschen Kinos und DVD-Läden schwappt.
Bisher gibt es die Seite nur in Englisch, es wird aber sicher nicht lange dauern, bis eine deutsche Version auftaucht.

Probleme, die wir nicht haben müssten, die aber wunderbar gelöst werden ...

Die übermäßige Wahlfreiheit im Netz führt dazu, dass Tools entwickelt werden, mit denen sie bezwungen werden kann. Viele der Tools lösen Probleme, die wir ohne das Netz nicht hätten. Aber manche, dazu gehört auch jinni.com, können Schätze erschließen, die vorher zu weit hinten im Shoppingmall-Regal standen, als dass der verwirrte Verbraucher sie hätte entdecken können. Danke dafür.

http://www.jinni.com

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