Im Porträt: Der Verbrecher Verlag Berlin

Das Logo des Verbrecher Verlags

globe-M stellt die wichtigsten deutschsprachigen Independent-Verlage vor. Diesmal: Der Verbrecher Verlag aus Berlin.
Wie viel Politik verträgt ein Independent-Verlag? Und geht´s auch unpolitisch? Trotz Berlin?

Beim Verbrecher Verlag, der sich schon dem Namen nach für eine doppeldeutige Existenz entschieden hat, spielt der Verlagssitz inzwischen eine entscheidende Rolle: Mitten in Berlin Kreuzberg, dem ehemaligen Hausbesetzerstadtteil, befindet sich seit den 70ern der Mehringhof, ein autonomes Zentrum. Und der Verbrecher Verlag als Teil des selbstverwalteten Kolletivs im Mehringhof. Dorthin zog der 1995 gegründete Kleinverlag im Jahr 2003. Und so unambitioniert und vor allem unengagiert, wie die Verleger Werner Labisch und Jörg Sundermeier zu einem Verlag kamen, hätten sie 1995 da noch nicht hineingepasst.

Pseudoverleger

Die Geschichte der Verlagsgründung scheint im Betracht der heutigen Position des Verlags unglaublich: Die beiden Studenten Labisch und Sundermeier suchten einen Weg, um an unveröffentlichte Manuskripte für private Lesezwecke zu kommen und gaben sich als Verlag aus. Was den Verbrechern auf diese Weise ins Netz ging, war schon gleich ein großer Fisch: Dietmar Dath. Der war ihnen als Journalist aufgefallen, also fragten die Pseudoverleger nach Manuskripten. Sie erhielten die ersten Kapitel von "Cordula killt dich! Oder: Wir sind doch nicht die Nemesis von jedem Pfeifenheini", trafen sich mit dem Autoren 1994 auf der Frankfurter Buchmesse, wo er ihnen das vollständige Manuskript in die Hand drückte. Nun konnten sie sich mit dem üblichen Absagebrief nicht mehr aus der Affäre ziehen - so wurde Dietmar Daths Debütroman auch das Debüt für die unfreiwilligen Verbrecherverleger. Das Buch wurde ein Erfolg. Dennoch legten Labisch und Sundermeier eine mehrjährige Schaffenspause ein, bis sie 1999 ein Freund überredete, weiterzumachen. Der Verlag wurde immer professioneller und inzwischen umfasst das Verlagsprogramm etliche Titel. Der Schwerpunkt liegt auf Belletristik, die bei Großverlagen eher schwierig zu veröffentlichen ist, aber auch auf politischen Sachbüchern und Graphic Novels. Die Bestseller im Verlagsprogramm sind die Stadt(teils)bücher wie "Das Münchenbuch", "Das Frankfurtmainbuch" oder auch "Das Marburganderlahnbuch". Einige dieser Stadtbücher sind längst vergriffen wie zum Beispiel "Das Kreuzbergbuch" oder "Das Leipzigbuch".

Verbrecherversammlungen

So wie bei vielen Independent Verlagen gehört auch ein ambitioniertes Lesungskonzept mit ins Programm - bei Labisch und Sundermeier läuft dieses natürlich unter dem Namen "Verbrecherversammlung". Die wöchentlich abgehaltenen Sitzungen zählen zu den Höhepunkten des literarischen Undergrounds. Und mit der Selbstaussage über das Verlagsspektrum "Wir machen, was wir wollen und sorgen dafür, dass unsere Bücher grundsätzlich nicht rassistisch oder sexistisch und damit links durch "ex-negativo" sind" passt der Verbrecher Verlag inzwischen auch ausgezeichnet in den Mehringhof.

www.verbrecherverlag.de         
 

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