Gisbert Pöppler ist der Stararchitekt für Prominente in Berlin, Frankfurt und Zürich.
Französische Opulenz und japanische Schlichtheit gehen eine atemberaubende Synthese in seinen Werken ein. Die Fachzeitschrift World of Interiors entdeckte in seinen Arbeiten den „Pöppler-Effekt“.
Globe-M: Herr Pöppler, warum sind Sie Architekt geworden? Und warum Innenarchitekt?
Gisbert Pöppler: Weil ich Augenmensch bin. Und Innenarchitekt, das hat einen praktischen Grund: Da hat man weniger Verantwortung. (Heiterkeit)
Und weil Wohnen mich selber interessiert – ich mache auch ganz gerne Gewerbe und Büros, Bars und Restaurants, aber für Wohnen hatte ich immer 'nen Faible.
Dann interessiert mich Luxus. Andererseits ist der mir in manchen Zeiten wiederum völlig egal.
Und ich bin Innenarchitekt, weil es mir Spaß macht, Dinge zu entdecken; wenn ich nach Paris fahre zum Beispiel, und nach Möbeln und nach Stoffen gucke.
Globe-M: Welche sind das?
Gisbert Pöppler: Stoffe von dedar, Lelievre… und dann Möbel. Total spannend die Franzosen aus den 40er Jahren, bis in die 60er hinein, Jean Royère, Jean-Michel Frank, Robert Mallet Stevens. Möbel auch gerne die von ecart. Die gibt’s leider kaum noch. Denn die Firma existiert zu meinem großen Bedauern nicht mehr. Oder Herve van der Straeten!
Da macht mir Spaß, wie die in vielen Dingen unverkrampfter rangehen. Da findet man oft überraschende Details, die hier kein Mensch machen würde, die sich hier keiner traut. Das ist ein Thema für mich ohnehin, diese Mischung aus Minimalismus und französischer Opulenz, das ist beides bei mir drin!
Globe-M: Was treibt Sie an?
Gisbert Pöppler: Ich glaube tatsächlich ganz banal: Schönheit.
Globe-M: Was ist für Sie schön?
Gisbert Pöppler: Das, glaube ich, kann man nicht beantworten. Da haben sich wohl schon viele dran versucht, oder? Das ist ganz schwer.
Globe-M: Ist Schönheit für Sie absolut?
Gisbert Pöppler: Nein. Absolut geht gar nicht.
Globe-M: Was ist Ihnen wichtig?
Gisbert Pöppler: Qualität, also einmal die Materialien, und zum anderen handwerkliche Qualität.
Und dass ich mit dem Bauherrn gut zusammenarbeite. Das ist natürlich nicht immer leicht, aber das ist schon ein Anliegen von mir – und das merkt man auch. Ich versuche den erst zu verstehen und zu interpretieren und dann zu gucken, was ich vorschlage. Was aber dann trotzdem wieder abweichen kann von dem, was sich der Bauherr vorher vorgestellt hat; das ist aber auch meine Aufgabe, seine Aussagen zu interpretieren.
Das kann dann trotzdem was anderes heißen, das muss ich eben rauskitzeln. Der ist ja nicht Architekt oder Innenarchitekt, der benutzt seine Sprache, das muss ich erst übersetzen.
Globe-M: Was ist der Pöppler-Effekt?
Gisbert Pöppler: Wenn ich da was dazu sage, hört sich das eitel an.
Globe-M: Nehmen wir an, Sie hätten es mir vorhin erzählt – was würde ich da jetzt schreiben?
Gisbert Pöppler: Also gut: Den hat eigentlich ein Journalist in der Zeitschrift World of Interiors erfunden. Ich will das an einem Beispiel erklären. Ganz besonders kommt der raus in der Wohnung Peter Schlesselmann im Berliner Hansa-Viertel.
Für uns war immer ganz wichtig, dass wir diese Wohnung nicht im 60er Jahre Stil originalgetreu möblieren. Das ganze Farbkonzept ist nicht nach alten Vorbildern gemacht, obwohl das viele denken und sagen. Ich hab mich gar nicht da drum gekümmert: Ich habe ihn nach Farben gefragt, was er mag, ich habe mir die Umgebung angeguckt, die Möglichkeiten überlegt – und so ist das Farbkonzept entstanden.
Und da ist einiges – einerseits gehe ich auf die Strenge des Bauhauses ein, kombiniere mit Marmortisch von Mangiarotti und Saarinen, dann steht da ein Sofa der Neuen Wiener Werkstätten drin – das würde keiner in eine Gropius-Wohnung stellen. Und das ist – vielleicht – der Pöppler-Effekt.
Da kommt bei mir auch ne ganz starke Gegenhaltung durch, gegen das oftmals so typische Architektendenken. Dass ich mit Dingen, die ich kombiniere, auch provoziere. Wobei das manchmal auch kein Mensch kapiert.
Ganz oft weiß ich zum Beispiel, wie ein ausgebildeter, straighter Architekt von einer Berliner Uni denken würde, aber so mach ich es nicht!
Wenn es einem Raum gut tut, mache ich auch mal ganz skrupellose Scheinarchitektur. Was Schinkel auch gemacht hat, was viele aber überhaupt nicht wissen: Wenn ich ne künstliche Stütze brauche, weil es dem Raum besser tut, stell ich eben auch ne Stütze hin.
Aber Achtung: Dieses Theoriegedöns killt jegliche Kreativität. Meine Sprache ist mein Beruf! Die theoretische Untermauerung liefere ich nur, wenn der Bauherr das ausdrücklich will!
Globe-M: Worauf achten Sie während der Planungsphase bzw. späterer Bauphasen besonders?
Gisbert Pöppler: Termine, Kosten, Kommunikation mit dem Bauherren. Der Entwurf muss stimmig sein, der Ablauf muss funktionieren.
Globe-M: Was muss ein Handwerksbetrieb für Eigenschaften haben, damit Sie mit ihm zusammenarbeiten wollen?
Gisbert Pöppler: Ich kann sagen, was er nicht haben darf: Wenn ein Handwerker sagt: Alles kein Problem! weiß ich, ich will mit dem nicht zusammenarbeiten.
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Globe-M: Schlechte Erfahrungen mit der Phrase?
Gisbert Pöppler: Da klingeln bei mir alle Alarmglocken! Da hab ich gelernt, um den muss ich mich in Wahrheit besonders kümmern.
Globe-M: Haben Sie Vorbilder? Und wenn ja, welche?
Gisbert Pöppler: Ja. Andrée Putman, die Gründerin von ecart, die versucht, in ihren Interiors für private Bauherren Portraits ihrer Bauherren zu machen. Mir ist das … Ich könnte das auch von mir sagen, aber ich finde das schon sehr hochgegriffen! Vielleicht brauche ich dafür noch 20 Jahre.
Globe-M: Was würden Sie jungen Kollegen raten?
Gisbert Pöppler: Reich zu heiraten.
Globe-M: Vielen Dank!
Das Interview führte Justinus Pieper.
Gisbert Pöppler unter
www.gisbertpoeppler.de
und
www.worldofinteriors.co.uk