Klein aber fein - Mi Amante Records

Mi Amante Records

Es gibt sie noch, kleine Independent-Label, die unbekannten Künstlern eine Plattform geben. Mi Amante-Records ist solch ein Label. Globe-M sprach mit Gründer Thomas Weber über die Zukunft der Musikbranche.

 
Globe-M: Erzähl uns doch bitte zuerst ein bisschen über die Geschichte von Mi Amante.

Thomas Weber: Gerne. Mi Amante existiert seit 2001. Ich habe damals Konzerte für Bands wie Jr. Ewing, Pretty Girls Makes Graves, The Black Heart Procession und andere organisiert. Durch die Kontakte, die sich über die Konzerte zu Bands, Mailordern und Booking-Agenturen entwickelten, war es mir möglich, den nächsten Schritt zu gehen und Mi Amante als Label zu gründen. Im Sommer 2004 habe ich mit Mi Amante einen großen Schritt nach vorne gemacht: Der besiegelte Vertriebsdeal mit Cargo Records ermöglichte dem Label die Präsenz in den Plattenläden. Obendrein erhöhte sich damit auch die Chance, Rezensionen in den größeren Magazinen zu bekommen und so ein größeres Publikum zu erreichen. Seit dem habe ich Künstler wie Björn Kleinhenz aus Schweden, Headlights aus den USA, Snailhouse aus Kanada und Palestar aus Leipzig auf Mi Amante veröffentlicht.

Globe-M: Machst Du Mi Amante als Hobby, oder versuchst Du ernsthaft davon zu leben?

Thomas Weber: Gegenfrage: Kann man heute noch von Musik leben? Ich denke, dass gelingt nur wenigen. Ich habe aber auch nicht den Anspruch. Es ist eher ein Hobby, wenn auch ein sehr kostenintensives. Aber so lange es Spaß macht und man weiterhin so viele nette Leute trifft, lohnt sich der Aufwand.

Globe-M:
Kommst Du denn zumindest finanziell über die Runden?

Thomas Weber: Das fehlende Geld ist ein großes Problem, welches mich schon seit Beginn begleitet. Bis jetzt hat sich erst eine meiner Veröffentlichungen selbst getragen, bei allen anderen habe ich Geld drauf zahlen müssen. Von daher gab es immer wieder Momente, in denen ich überlegt habe, mit dem Label aufzuhören. Aber immer dann, wenn man kurz davor ist, diesen Schritt zu gehen, kommen die interessantesten Demos oder Anfragen rein und ich mache doch weiter.

Globe-M: Woran glaubst Du liegt das, dass kleine Labels so leicht in finanzielle Probleme stürzen? Und was kann man Deiner Meinung nach dagegen machen?

Thomas Weber: Nach meiner Einschätzung hat sich die Zahl an Veröffentlichungen pro Jahr im Vergleich zu den 1990er Jahren deutlich erhöht. Hinzu kommt, dass Musik durch den technischen Fortschritt kostenfrei erhältlich ist. Und so werden wir alle mit Musik „überschwemmt“. Die Verkaufszahlen brechen massiv ein. Dass dabei die großen Major-Labels nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können, interessiert mich dabei wenig. In der Folge können aber auch kleine Künstler aus dem Indie-Spektrum kaum noch kostendeckend Musik veröffentlichen. Ich halte es aber trotzdem für falsch, illegale Downloads strafrechtlich zu verfolgen.
Wir müssen vielmehr bei den jungen Hörerinnen und Hörer ein anderes Verhältnis zur Musik entwickeln: Ich nenne es mal Lebensgefühl. Allein schon der Gang in den kleinen Plattenladen ist doch ein Ereignis. Der Typ hinter der Theke hat Ahnung, empfiehlt mir das Neueste, ich kann mir die Platten vor Ort anhören. Zuhause setzt sich dieses Gefühl dann fort: Ich nehme die Schallplatte aus der Verpackung, lege die Nadel auf und es erklingen die ersten Töne. Das kann ich doch nie fühlen, wenn ich mir die MP3 aus dem Netz ziehe und Play drücke.

Bei allem Pathos muss ich aber auch sagen, dass die Kids ihre liebgewonnene Szene und die Bands zu Grunde richten. Wenn die Plattenverkäufe nicht einmal mehr ausreichen, um das Studio für die Aufnahme des neuen Albums zu mieten, dann wird zukünftig bei vielen Bands nach dem ersten Album Schluss sein.

Wir haben deshalb kürzlich eine EP von Snailhouse veröffentlicht, die wir auf Konzerten, in Plattenläden und –versänden sowie über unseren eigenen Mailorder kostenlos verteilen, um die Band bekannter zu machen. Wir haben aber auch einen kleinen Brief beigelegt, in dem Mike und ich die Hörer bitten, die Band und das Label zu unterstützen – durch den Kauf von Alben und Konzertbesuche. Ich hatte ja bereits gesagt, dass es mir nicht darum geht, mit Mi Amante Records Geld zu verdienen und für Snailhouse gilt das auch. Und wenn die Leute wollen, dass Mike nicht nur in seinem Zimmer Musik macht, sondern diese auch veröffentlicht und Konzerte spielt, dann müssen sie auch etwas Geld zurückgeben. Denn im fortgeschrittenen Alter und nach über 20 Jahren in verschiedenen Bands kann Mike nicht mehr seine Eltern nach Geld für das Studio oder eine Tour fragen.

Darüber hinaus versuchen wir dem ganzen Problem entgegenzutreten, indem wir versuchen, den „Wert“ unserer Veröffentlichungen zu steigern. Aufwendigere Verpackungen, buntes Vinyl auf der einen und faire Preise auf der anderen Seite. Und: Vinyl ist immer noch der beste Kopierschutz.

Globe-M: Wie sehen die Pläne für 2011 aus?

Thomas Weber: „Lies on the Prize“ von Snailhouse war eines von zwei Alben, die wir im Herbst 2008 veröffentlicht haben, bevor eine längere Pause eintrat. Während dieser mehr als zwei Jahre war Mike Feuerstack aka Snailhouse mal allein, mal mit Band in Europa unterwegs. Zu unserer großen Freude wuchs und wächst die Zahl der Fans des sympathischen Kanadiers stetig an. Und als Mike mich dann fragte, ob wir gemeinsam das neue Album „Sentimental Gentleman“ veröffentlichen wollen, habe ich alle Bedenken hinsichtlich der Krise der Musikindustrie beiseite geschoben und Mi Amante aus der längeren Ruhephase zu neuem Leben erweckt. So erscheint im März 2011 das bereits genannte Album und ab April sind Snailhouse dann auch auf Tour.

Globe-M:
Vielen Dank für das Interview.
 

Weiterführende Links: 

Offizielle Homepage von Mi Amante Records

Expertenstimmen Archiv