Kölns neues Kulturquartier

Das neue Museum Schnütgen: St. Cäcilien, Anbau von Karl Band und Erweiterung von Schneider + Sendelbach, © Rheinisches Bildarchiv/ Michael Albers

Kölns Museumslandschaft ist wieder um eine Attraktion reicher. Am 22. Oktober öffneten das neugebaute Rautenstrauch-Joest-Museum und das erweiterte Museum Schnütgen ihre Tore. Beide präsentieren bedeutende Sammlungen, die die Entstehung unterschiedlicher Kulturen dokumentieren.

Kultur am Neumarkt

Beide Museen sind nun Teil des neuen Kulturquartiers am Neumarkt, das auch die Zentralbibliothek, das Forum Volkshochschule, das Haus der Architektur sowie die Kunststation Sankt Peter umfasst.
Der Plan für den Neubau wurde bereits vor 15 Jahren geschmiedet. Damals wurde ein europaweiter Architektenwettbewerb gestartet, den schließlich das Architekturbüro Schneider + Sendelbach aus Braunschweig gewann. Nach einem zweijährigen Baustopp aufgrund der desolaten Finanzlage Kölns konnte 2007 das Richtfest gefeiert werden. Am 22. Oktober 2010 war die feierliche Eröffnung und am Wochenende darauf konnten alle Interessierten die Museen kostenlos besuchen. Entsprechend groß war der Ansturm, aber dank der großzügigen Architektur kam es trotzdem nicht zu langen Wartezeiten und Gedränge.
Kölns Kulturdezernent Professor Georg Quander über die Bedeutung des neuen Kulturquartiers: „Nach fünfzehnjähriger Planungs- und Bauzeit ist hier eine Kulturachse zwischen der Museumslandschaft Dom/Rhein über KOLUMBA und das zur Sanierung anstehende Opernquartier hinüber auf die andere Seite der Cäcilienstraße entstanden".

Kulturen der Welt

Das Rautenstrauch-Joest-Museum glänzt im Gegensatz zu anderen Völkerkundemuseen durch ein unkonventionelles Konzept. Die Ausstellungsfläche wird nicht in geografische Großräume aufgeteilt, sondern durch Einzelausstellungen zu verschiedenen Themen strukturiert. Dazu zählen zum Beispiel Der Körper als Bühne: Kleidung & Schmuck und Vielfalt des Glaubens: Religionen. Das gesamte Museum ist in zwei übergreifende Themenbereiche gegliedert: Die Welt gestalten, zu dem auch die bereits erwähnten Unterthemen gehören, und Die Welt erfassen. Dieser Bereich ist besonders interessant, da er sich selbstreflexiv mit der ethnologischen Museumsarbeit befasst.
Unter dem Motto „Die Welt in der Vitrine“ wird hier die Begegnung mit anderen Kulturen nachgezeichnet. Über das Reisen, den Umgang mit Vorurteilen bis hin zur Vermittlung in Museen wird die europäische Sicht auf fremde Kulturen verdeutlicht.
Die Ausstellungsräume sind fantasievoll gestaltet und passen sich den jeweiligen Themenparcours an. Auch die Exponate sind beeindruckend. Zahlreiche große und sehr gut erhaltenen Stücke werden in geschmackvoller Atmosphäre präsentiert. Besonders das neue Wahrzeichen des Hauses, ein indonesischer Reisspeicher im großen, lichtdurchfluteten Foyer, steht exemplarisch für das Leitmotiv des Museums „Der Mensch in seinen Welten“.

Kunst des Mittelalters

Durch einen Durchgang ist das Rautenstrauch-Joest-Museum mit dem Museum Schnütgen verbunden, eine der größten Sammlungen mittelalterlicher Kunst.
Am 26. Oktober feiert das Museum seinen 100. Geburtstag. Benannt wurde es nach dem Domkapitular Alexander Schnütgen, der seit etwa 1870 massenhaft mittelalterliche Kunst zusammentrug. 1906 schenkte er seine Sammlung der Stadt Köln, die vier Jahre später das erste Museum Schnütgen eröffnete. Seit 1956 befindet sich das Museum nun in der romanischen Kirche Sankt Cäcilien am Neumarkt. Da mittelalterliche Kunst vor allem christliche Kunst meint, ist diese sakrale Atmosphäre die ideale Umgebung für die Exponate. Skulpturen aus Bronze, Elfenbein, Stein und Holz überwiegen, aber auch Handschriften und Glasmalerei sind vertreten. Die Sammlung des Museums Schnütgen ist enorm. Durch die Erweiterung des Baus können nun rund 2 000 Objekte ausgestellt werden – lediglich ein Bruchteil der 13 000 Werke umfassenden Sammlung. Während das Rautenstrauch-Joest-Museum die Entstehung fremder Kulturen erforscht, zeigt das Museum Schnütgen die Wurzeln der europäischen Kultur, die fest im Christentum verankert sind.

Die Kombination der beiden Museen ist durchaus gelungen. Sie bilden einen Dialog zwischen Heimat und Fremde, Alt und Neu und machen neugierig auf die Vielfalt der Welt. Die Kölner erschienen zahlreich zum Eröffnungswochenende – ein gutes Zeichen nicht nur für die Kulturlandschaft der Stadt, sondern auch für die Annäherung unterschiedlicher Kulturen.


Rautenstrauch-Joest-Museum & Museum Schnütgen
Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 – 18 Uhr, Donnerstag 10 – 20 Uhr

Weitere Informationen Rautenstrauch-Joest-Museum

Weitere Informationen Museum Schnütgen

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