Kriegerin mit Gefühl

Das Residenztheater München zeigt mit Penthesilea – dem Klassiker nach Heinrich von Kleist – die Zerreisprobe einer Kämpferin zwischen Gewalt und Liebe. Regie der stark gekürzten Fassung führt Hans-Joachim Ruckhäberle.

Hilflos gestammelte Satzfetzen

Gefühle können ein Leben komplizieren. Erst recht, wenn man wie Amazonen die Männer eigentlich nur zur Fortpflanzungszwecken gebraucht. Doch eben damit will sich Penthesilea nicht abfinden und will sich, entgegen den Gesetzen ihres Volkes, einen speziellen Mann auszusuchen. Ihre Wahl fällt ausgerechnet auf Achilles, den Stärksten aus den griechischen Streitkräften. Mit diesem Wunsch nach Individualität besiegelt sie nicht nur ihr eigenes, sondern das Schicksal ihres ganzen Volkes.

Vereinfachende Strukturarbeit

Gleich zu Beginn hat der Regisseur Ruckhäberle die Struktur des schwierig zu inszenierenden Textes verändert, um den Zuschauern den Zugang zum Stoff zu erleichtern. In einem Monolog wird erklärt, wie der Amazonenstaat als Reaktion auf erlittene Gewalt entstand. Insgesamt überwiegt in der weitgehend deklamierenden Inszenierung auch die Sprache vor Szene und Bildern. Oft ist Penthesilea als ein Drama der Überschreitung kultureller Normen und des Gefälligen bezeichnet worden. Ruckhäberle aber zähmt sie, treibt die Radikalität aus und bietet ein überdeutliches Spiegelbild der aktuellen gesellschaftlichen Situation.

Rostrote kantige Gebirgslandschaft

Für die Bühne erschufen Helmut Staubach und Uwe Kuckertz einige riesige Gebirgslandschaft, von deren Felsen aus die Figuren auf das Schlachtfeld schauen. Dort begegnen sich Achilles und die Amazonenkönigin, die fortan nicht mehr voneinander lassen können. Das expressionistische Bühnenbild wirkt übermächtig. Die bizarren Berge leuchten rostrot und bieten Ausblick und Versteck – nur vor den Körpern der Liebenden leuchtet es blutrot – es ist Krieg.

Leidenschaft auf Sparflamme

Manko der an Klarheit und Struktur gewonnenen Inszenierung ist der schleichende Verlust an Leidenschaft. Lisa Wagner spielt statt des Widerstreits der Affekte nur eine Seite Penthesileas aus. Sie führt eine starke zornige Königin vor, die völlig in ihrem Soldaten-Panzer gefangen ist. Shenja Lacher zeigt dagegen einen Kerl, dem die Verliebtheit den Kopf verdreht hat. Allein ein wenig heftiger knistern sollte es schon, wenn zwei sich so rückhaltlos aneinander verlieren. Und wo die Emotionen so schwach flackern, lässt sich kaum erahnen, was die Frau schließlich dazu treibt, das Objekt ihrer Begierde animalisch zu vernichten.

Kleists kriegerischer Ansatz

Kleist, dessen Stück 1876 in Berlin uraufgeführt wurde, stellt die Unvereinbarkeit und doch ausweglose Verbindung von zwischen Liebe und Krieg in den Mittelpunkt. Er bediente sich, seiner Zeit gemäß, klassisch antiker Figuren und klassischer Hochsprache. Durch ihre Haltung und Handlungsweise zeigt er die dem Menschen zugrunde liegenden Triebe auf – es ist ein psychologisches Seelendrama.

Bayerisches Staatsschauspiel - Residenztheater Max-Joseph-Platz 1 80539 München
24., 26. Sept 19 Uhr 1., 18. 26. Okt. 20 Uhr
Tel:: 089 / 21851940

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