Jesus stieg vom Kreuz, ganz zum Mißfallen der FSK. Mit seinem Film "Das Gespenst" sorgte der Regisseur Herbert Achternbusch Anfang der Achtziger Jahre für einen kleinen Medienskandal.
Pessimistisch und nihilistisch?
Herbert Achternbusch war bereits als Autorenfilmer in Szenekreisen etabliert, 1982 brachte ihn der Rummel um seine skurille Episodenkomödie "Das Gespenst" gar bis auf die Titelseiten der Tagespresse. Den Prüfern der FSK war das Thema des Films ein Verbot wert gewesen, man warf dem Werk ein "pessimistisches und nihilistisches" Weltbild vor und auch der damalige Innenminister Zimmermann (CSU) hatte sich eingeschaltet und strich Achternbusch bereits zugesicherte Mittel der Filmförderung.
Infolge dieser Vorkommnisse erregte sich in Filmkreisen der Unmut und diese öffentliche Kontroverse bescherte dem mittlerweile freigegebenen Film schließlich ein Publikum von 150.000 Kinobesuchern. Jetzt ist der Film in der ungekürzten Fassung von 1982 auf DVD erhältlich und ein entrüsteter Aufschrei der Öffentlichkeit dürfte ausbleiben, obgleich sich religiöse Traditionalisten durchaus an der Art, wie Achternbusch seinen Spott mit der Kirche treibt, reiben können. Dennoch ist "Das Gespenst" heute in erster Linie als Dokument einer höchst vielfältigen Autorenfilmerszene zu sehen.
Regie, Drehbuch und Hauptrolle in Personalunion
Ganz einem Selbstmach-Ethos ebenso verpflichtet, wie der bissigen Satire, ist Achternbusch Regisseur, Autor und Hauptdarsteller in Personalunion. Daneben wurde die weibliche Hauptrolle der Autorin von seiner engen Vertrauten und jahrelangen Geliebten Annamirl Bierbichler gespielt, während deren Bruder Joseph einige Nebenrollen übernahm. Eine derartig persönliche Arbeitsweise erlaubten dem Filmemacher eine kompromißlose Umsetzung seines doppelbödigen Humors.
Achternbuschs Darstellung des vom Kreuz in die bayerische Wirklichkeit entstiegenen Jesus erinnert stellenweise an Karl Valentin und Monty Python gleichermaßen. Tollpatschig und naiv taumelt dieser Heiland durch sein neugewonnenes Leben und findet sich nur mühsam in seine neue Rolle an der Seite der Oberin eines Klosters ein, die zu seiner Geliebten wird. Aus dem Wortwitz, fortan ein Ober sein zu müssen, entwickelt Achternbusch einige Szenen, in denen Jesus in der Klosterkneipe die Gäste bedient oder beim Picknick angesichts eines Glases Rotweins über Theologie spricht.
Skuriller Episodenfilm
Durch eine grobe, metaphorisch lesbare Rahmenhandlung ordnet der komplett in Schwarzweiß gedrehte Film einige Episoden lose aneinander, die oft einem trockenen Wortwitz oder leicht überdrehtem Slapstick verpflichtet sind. Zentral ist dabei unter anderem ein Dialog, den zwei Polizisten führen, während sie versuchen, ihre Notdurft in Schnapsgläser zu verrichten.
So bekommt jeder sein Fett weg. Die miefige Provinz ebenso, wie die Vertreter der Staatsmacht und eine als scheinheilig angeprangerte Kirche. Der satirische Rundumschlag ist vielleicht eine Herausforderung für die heutigen Sehgewohnheiten und doch ein lohnenswertes Dokument des deutschen Independent-Kinos.
Erschienen auf DVD bei Pierrot Le Fou / Al!VE AG
Mehr Informationen: http://www.alive-ag.de