Was die Kunst heute so zu bieten hat, zeigte die Messe Art.Fair 21 in Köln. Zahlreiche Galerien warben um die Aufmerksamkeit der Besucher und Käufer. Die Blooom hingegen präsentierte sehr unterschiedliche Vertreter aus der Kreativwirtschaft.
Art.Fair 21 – Messe für aktuelle Kunst
Die Art.Fair 21 will Künstler ab Jahrgang 1960 fördern und ein Netzwerk bieten für Galerien, Sammler und Kuratoren, die zeitgenössische Kunst vertreten. Da die Art.Fair 21 zudem eine Publikumsmesse ist, will sie Kunst der breiten Masse zugänglich machen und neue Käuferschichten erschließen. Die Veranstaltung sieht sich nicht als elitäres Branchentreffen, sondern will Kunst in jeden Bereich des Lebens integrieren. Die Messe fand bereits zum achten Mal statt, erstmals im Staatenhaus am Rheinpark. Sie bot Platz für über 70 Aussteller, erwartet wurden 30 000 Besucher.
Neben begehrten Werken etablierter Künstler wie Georg Baselitz, Keith Haring und Siegmar Polke gab es auch viele neue Talente zu entdecken. Dazu gehörte auch die Isländerin Charlotte McGowan-Griffin. Ihre filigranen Scherenschnitte zeugen nicht nur von Kunstfertigkeit, sondern auch von überbordender Fantasie. Sie kreiert schneeweiße Welten, in denen sich der Betrachter im wahrsten Sinne des Wortes verfängt. Der in Barcelona geborene Samuel Salcedo hingegen steht in der Tradition Duane Hansons. Auch seine Plastiken wirken wie echte Menschen. Salcedo geht es jedoch nicht um die lebensnahe Darstellung, sondern um die Verzerrung und Segmentierung. Er erschafft ein menschliches Horrorkabinett. Im Gegensatz zur Werbeindustrie lädt er den Körper nicht sexuell auf, sondern zeigt ihn in all seiner vermeintlichen Abscheulichkeit.
Das Rahmenprogramm der Messe vereinte Kunst mit anderen Bereichen der Kultur wie Mode, Musik und Performance. Die Eröffnungsparty wurde zum Beispiel von der Band My Baby Wants To Eat Your Pussy musikalisch untermalt.
Blooom – Die Messe der Kreativindustrie
Zusammen mit der Art.Fair 21 fand die Blooom statt, eine interdisziplinäre Plattform für die Kreativwirtschaft. Vertreten waren beispielsweise Urban Art, Mode, Musik, Literatur, Typografie und Film. Einen großen Teil nahm der Bereich Design ein. Vom Porzellan bis zum Skateboard reichten die Entwürfe.
Neben vielen neuen Namen konnten aber auch Szenegrößen wie Street Art-Veteran Shepard Fairy, Pin Up-Künstler Mel Ramos und der düstere Maler Mark Ryden (vertreten durch die Strychnin Gallery) gesichtet werden. Besonders beeindruckend waren die Plastiken von Elmer Preslee. Er erschafft kleine Biotope unter Glas. Erst bei genauen Hinsehen entpuppen sich diese als gruselige Miniuniversen, besiedelt von Würmern, Käfern und anderem Getier. Ebenfalls nichts für schwache Gemüter sind die Werke von Jordu Schell. Er entwirft und produziert Hollywood-Monster. Seine Arbeiten wurden bereits bei Avatar und Men in Black eingesetzt. Mit großer Liebe zum Detail und viel Einfallsreichtum erschafft Schell künstliche Kreaturen, die paradoxerweise vollkommen real wirken.
Höhepunkt der Blooom war die Verleihung der Blooom Awards. Anna Kubelik aus Berlin gewann mit einer Konstruktion aus Stoff und Pappe namens Movigami den ersten Preis und damit eine Einladung zur Art Basel Miami Beach und eine Mentorenunterstützung durch ein Jurymitglied ihrer Wahl. Sie kann sich zwischen der Direktorin der Blooom Yasha Young, dem Direktor der Art.Fair 21 Walter Gehlen, der Geschäftsführerin der Warsteiner AG Catharina Cramer, dem MTV-Moderator Joko Winterscheidt und dem Sänger Maxim von The Prodigy entscheiden.
Direktorin Yasha Young nannte die Blooom in ihrer Eröffnungsrede eine „Crossover-Messe“. Zudem betonte sie, dass die hier ausgestellten Stücke auch Wertanlagen sind, deren Sammlergeschichte auf dieser Messe beginnt. Als Vergleich zieht sie ein Bauhaus-Geschirr heran. Das verdeutlicht die Rolle, die die Blooom einnehmen soll. Als Plattform für aktuelle Angewandte Kunst ist die Messe am Puls der Zeit. Sie bezieht nicht nur Design von Konsumartikeln mit ein, sondern beschäftigt sich auch mit neuen Formen wie Special Effects beim Film. Zugleich will man aber auch Stücke von kunsthistorischer Bedeutung und Sammlerwert zeigen.
Als Ergänzung zur Art.Fair 21 funktioniert die Blooom hervorragend. Beide Messen wollen zeitgenössische Kunst fördern, neue Talente entdecken und so ein Stück des hart umkämpften Kunstmarkts für sich behaupten. Daher setzen beide Messen auf Qualität und Substanz – jedoch ohne den Zeitgeist zu vernachlässigen.
Art.Fair 21 & Blooom
29.10.-1.11.2010
Staatenhaus
Am Rheinpark, Köln
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