Am 17. Dezember gab die Biermösl Blosn nach 35 Bühnenjahren ihre endgültig letzte Vorstellung. Vor etwa 1000 begeisterten Zuschauern, umgeben vom neuzeitlichen Charme einer Mehrzweckhalle in Neuburg an der Donau, beendete das Trio die gemeisame Arbeit und ein Stück bayrische Kabarett-Geschichte.
Die Musiker betreten die Bühne, und es kommen die ersten Vorschuss-Lacher. Das Publikum weiß: Heute wird's lustig. Die Musiker wissen: Das ist ein Heimspiel – wie immer. Heimspiel-Athmosphäre kennen die Biermösl Blosn von Anfang an: zuerst im Kreis der kritischen Kleinintellektuellen, dann zunehmend im parteiübergreifenden Mittelfeld. Seit 35 Jahren singen und dichten sie ihre Klischee-Kritik gegen Kirche und Konservative, gegen das Kapital und die Korruption. Die Verhältnisse haben sich seitdem verändert, die Feindbilder sind die gleichen geblieben, und die Kritisierten sitzen jetzt mit im Publikum und lachen auch. Da ist es an der Zeit aufzuhören, sonst läuft man Gefahr so peinlich zu werden wie der Starkbieranstich am Nockherberg.
Bodenständiger Underground?
Auf ihrer Internetseite kriechen die drei Well-Brüder aus einem Kanalschacht wie der Underground-Filmer Andy Warhol in einer Straße in New York. Die Well-Brüder als bayerische Bürgerschrecks aus dem Untergrund? Ja, doch, in ihren Anfängen, da waren es neue Reime zu alten Tönen, die dazu führten, dass ihre Musik nicht im Bayerischen Rundfunk gespielt wurde. Ähnlich ging es nur Dieter Hildebrandt und seinen Fernsehsendungen Neues aus der Provinz, später Scheibenwischer, die manchmal vom bayerischen Bildschirm verbannt wurden, weil die herrschende CSU die Macht dazu hatte.
Musik hilft
Die Brüder Well schrieben mit ihrem bayerischen Musikkabaret eine Erfolgsgeschichte: Kaum eine Formation spielt so lange in der Originalbesetzung und kaum eine Gruppe behält über die Jahre einen kritischen Blick auf die gesellschaftlichen Entwicklungen. Beim Abschiedsauftritt wurden die manchmal angestrengten Texte und pubertären Anspielungen multiinstrumental überspielt und damit bleiben die Biermösl Blosn als das in Erinnerung was sie vor allem auch sind: wunderbare Musikanten.
Foto:oro
Weitere Informationen
2012 gibt es in der Besetzung mit Gerhard Polt noch zwei Auftritte in Fürth.
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