Literaturfestival: David Wroblewski

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Mitteilung – Verstehen –Verständnis. Das sind die Begriffe, um die es Wroblewski in seinem neuen Roman „Die Geschichte des Edgar Sawtelle“ geht. Und laut New York Times wird daraus ein „großartiges, hypnotisierendes Leseerlebnis.“

Lesen – das ist, was Edgar bleibt, denn Edgar Sawtelle ist stumm. Verständnis findet er nur bei den Hunden, die seine Eltern auf ihrer abgelegenen Farm in Wisconsin züchten. Sie sind es auch, die ihm helfen, als er eines Tages fliehen muß.
Auch sein Halbbruder Claude, mit dem die Verständigung schon schwieriger ist, wird dabei in die Pflicht genommen. Claude aber steht für einen Menschen, „wie wir sie alle im Laufe unseres Lebens einmal treffen“ (Wroblewski), mit denen man im selben Raum sitzt, mit denen man über dieselben Dinge spricht, sich sogar austauscht, aber die dennoch ein bißchen „wie ein schwarzes Loch sind“ – weil sie sich und dem eigenen Verständnis schließlich doch immer wieder entziehen, und die einem immer irgendwie entzogen bleiben. Trotz aller engagierter Debatten verstehe man letzten Endes doch nie, wie diese Menschen eigentlich dächten.
Die gemeinsame Tour von Edgar und Claude im kaum noch fahrbereiten Impala (ein alter Chevy) gehört sicher zum gruseligsten, was dem Berichterstatter seit langem untergekommen ist. Dieses gemeinsame Aneinander-vorbei-Kommunizieren (auch beim Fahren selbst) wird nur noch getoppt von den erschreckend unerwarteten Reaktionen von Edgars Halbbruder, die den Berichterstatter an ausgerenkte Kiefer oder den Überbiß eines räudigen und unberechenbaren Kampfhundes gemahnen. Eine „haunting figure“, wie in der anschließenden Diskussion eine Dame aus dem Publikum ihn klassifizierte. Wroblewski, einigermaßen verblüfft über diese Treffsicherheit, konnte ihr nur zustimmen.
David Wroblewski hat ein großartiges Epos über Heimat, Schuld und Sühne geschaffen. Ulrich Matthes hat es auf dem Literaturfestival im Babylon gewohnt souverän und einfühlsam in der deutschen Übersetzung dem Publikum näher gebracht.
Zurecht meinte der für die äußerst minimalistische Auswahl seiner Lektüre bekannte Stephen King über Wroblewskis Roman: „…wonderful and mysterious…I enter a richer world….”
Das bringt es ziemlich auf den Punkt.

David Wroblewski – Die Geschichte des Edgar Sawtelle
Gelesen von Ulrich Matthes im Babylon
 

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