Kein Zweifel – Hanif Kureishi hat Humor. Wenn es nach der Lektüre seines Romans „Something to tell you“ noch eines Beweises bedurft hätte – hier hat ihn der Autor im direkten Dialog mit dem Publikum erneut erbracht: trockenen, britischen Humor.
Leicht impertinente Frage (in ebensolchem Ton) eines
native speaker: „Warum sind Sie ausgerechnet
nach Berlin gekommen?“
Kureishi (ohne eine Miene zu verziehen): „Wenn ich Sie sehe, frage ich mich das auch.“ (Die Dolmetscherin läßt diese Antwort übrigens weg).
Kureishi, preisgekrönter Drehbuchautor u. a. zu Stephen Frears „Mein Wunderbarer Waschsalon“ (1985) beweist auch Selbstironie, was bei Schriftstellern seiner Liga selten ist:
Sinngemäß: „Ich kann ihre Frage nicht beantworten. Ich hab das Buch vor einem Jahr geschrieben. Dann hab ich nicht mehr hineingeschaut.” Wörtlich: “You write a book in order to forget about a book!“ Verblüffung, zuallererst bei seiner beflissenen Lektorin. Oder:
„Reden ist Geschlechtsverkehr der Bekleideten.“
Oder: Wenn Henry, ein wichtiger Theaterregisseur und bester Freund der Hauptfigur, des Psychiaters Dr. Kahn, die unbedarfte Haushälterin eben dieses Psychiaters als Punchingball seiner eigenen wilden Gedankensprünge nimmt und diese sich daraufhin einbildet, sie führe ein Gespräch mit dem berühmten Mann…
Oder: Wenn die Hauptfigur sich an ihre erste große Liebe erinnert, mit der es nur deshalb etwas werden konnte, weil sie das einzige schwarze Mädchen und er der einzige schwarze Junge im gleichen Kurs waren – und es für den jungen Kahn schon allein deshalb vom Schicksal vorherbestimmt gewesen sein muß…
Kureishi, pakistanischer Herkunft, lebt seit einem halben Jahrhundert in London. Einst Angehöriger der einzigen „schwarzen“ Familie in seinem Bezirk, kann er heute zu seinem Sohn sagen, dieser sei dort der einzige Weiße. Usf.
Kureishis Roman, aus dem er selbst seine Lieblingspassagen vorliest, wird auf deutsch (perfekt!) ergänzt von Vanessa Remy, die übrigens genauso aussieht, wie sie heißt.
Literatur muß Spaß machen. Als Kureishi gegen Mitternacht zu signieren beginnt, sind anderthalb Stunden wie im Flug vergangen. Kurzweiliger ist eine Lesung selten gewesen.
Hanif Kureishi - Das sag ich Dir