Mehrere Erdbeben, ein Tsunami und die radioaktive Strahlung: Die Katastrophe in Japan hat ein kaum vorstellbares Ausmaß angenommen. Die in Deutschland lebenden Japaner Itsue Yanagida und ihr Mann Kei wollten nicht untätig aus der Ferne zusehen und haben in Mainz den Verein Mainzer Freunde für Japan gegründet, um Spenden zu sammeln.
Die junge Japanerin erklärt globe-M, wie es zu der Intitiative kam, was jetzt für die Menschen in Japan gerade wichtig ist und wie man helfen kann.
Globe-M: Wie hat der Verein angefangen?
Itsue Yanagida: Ich hatte mit meinem Freund in Sendai telefoniert und wollte ihm Geld schicken. Aber dann dachte ich, mein Geld allein hilft nicht viel. Weil ich gerne backe, veranstaltete ich eine Spendensammlung in meiner Wohnung und lud Freunde und Bekannte zu Kaffee und Kuchen ein. Jeder, der wollte, sollte zehn Euro spenden. Anfangs habe ich nur relativ wenige Freunde eingeladen, und diese haben die Mail an ihre Freunde weitergeleitet, zuerst nur in Mainz. Dann kamen auch sozusagen Freunde per Fernspende hinzu, die Geld überwiesen haben. So kamen schon zu meiner ersten Charity-Party 3000 Euro zusammen. Ich war überrascht und überwältigt von den vielen Spenden. Dann haben wir, mein Mann Kei und ich, mit ein paar Freunden beschlossen, das Ganze offiziell zu machen und einen Verein zu gründen. Die deutschen Behörden haben uns übrigens eine Ausnahmegenehmigung erteilt, damit alles schneller vonstatten geht. Das Verständnis ist groß.
Globe-M: An wen wird das gesammelte Geld gespendet?
Itsue Yanagida: Wie gesagt habe ich diesen Freund in der Region Sendai, er heißt Yoshimasa Aihara. Ich habe ihn beim Teak Won Do kennengelernt, als ich noch in Osaka studierte. Sendai ist eine der vom Erdbeben am stärksten betroffenen Regionen. Mein Freund hat nach dem Studium in Sendai eine eigene Teak Won Do Schule für Kinder gegründet und bei dem Erdbeben ist diese wie durch ein Wunder verschont geblieben. Seine Wohnung und fast alles andere darum herum ist kaputt; die meisten Leute stehen ohne Strom oder fließend Wasser da.
Globe-M: Warum wolltest Du nicht an das Rote Kreuz oder andere große Hilfsorganisationen spenden?
Itsue Yanagida: Ich habe gehört, dass es teilweise bis zu einem Jahr dauern kann, bis das Geld irgendwo ankommt. Ich hatte aber direkten Kontakt mit jemandem, der das Geld jetzt gezielt einsetzen konnte. Auch die Spenden, die in einem Jahr ankommen, werden noch helfen. Aber in dem Moment direkt nach dem Beben war es dort dringend nötig.
Globe-M: Was macht Yoshimasa genau mit dem Geld?
Itsue Yanagida: Man hört aus der japanischen Presse und den Medien jetzt immer mehr gute Nachrichten was die Versorgung der Menschen angeht. Aber tatsächlich bekommen die Menschen in den Evakuierungshallen oft nur einmal pro Tag eine Mahlzeit. Das hat meinen Freund und mich traurig und wütend gemacht. Deshalb hat er seine Teak Won Do Halle umfunktioniert und versorgt dort die Leute. Er hat großes Glück, denn dadurch, dass er in der Nationalmannschaft für Teak Won Do war, hat er gute Kontakte und ein großes Netzwerk. Er bekommt viele Spenden an Essen und Toilettenpapier, eben jene Dinge des täglichen Gebrauchs. Deshalb benutzt er viel von dem gespendeten Geld für Benzin. Er ist bis nach Nagano gefahren, um dort eine große Menge Benzin zu besorgen. Die Fahrt hat ihn über 18 Stunden gekostet. Aber Benzin ist wichtig.
Globe-M: Wofür ist das Benzin so wichtig?
Itsue Yanagida: Die Leute wollen ihre Familien suchen und besuchen. Manche waren in den Evakuierungshallen allein. Alte Menschen, ohne Papiere, ohne Taschen. Oder Schulkinder mit ihrem Lehrer oder Lehrerin, die zu den Eltern wollten. Auch Hilfspakete, die in der Post ankommen, müssen zu den Menschen oder in die Evakuierungshallen gebracht werden. Dazu braucht man so dringend Benzin.
Globe-M: Und wie geht es jetzt weiter?
Itsue Yanagida: Yoshimasa will jetzt fürs erste kein Geld mehr annehmen. Ich habe ihm, wie gesagt, 3000 Euro sehr schnell nach dem Erdbeben überwiesen. Er war sehr gerührt, dass soviel Geld von Menschen außerhalb Japans kommt. Nun hat er genug Hilfe von seinen japanischen Kontakten, von Sportlern etc. Er hilft jetzt obdachlos gewordenen, Wohnungen zu finden, wo sie eine Weile umsonst wohnen können. Die neuen Spenden, die wir sammeln, gehen jetzt an eine japanische Organisation, Shanti Volunteer Association (SVA), die in den betroffenen Regionen vor Ort Hilfe leistet. Ich habe absichtlich eine Seite ausgewählt, die japanisch ist, aber auch eine englische Homepage hat.
Globe-M: Wie empfinden die Japaner mit denen du gesprochen hast, die Katastrophe in Fukushima?
Itsue Yanagida: Das Problem ist, denke ich, dass die Menschen, die es am härtesten getroffen hat, diejenigen, die obdachlos und arbeitslos geworden sind durch das Beben oder den Tsunami, nun auf lange Zeit auch noch die Radioaktivität zu spüren bekommen werden. Aber viel wichtiger als diese unsichtbare Gefahr war und ist für die meisten Japaner erst einmal, ihre Familienangehörigen zu finden, wieder ein Dach über den Kopf zu haben und genug zu essen. International macht man sich mehr Gedanken über Fukushima, aber in den Katastrophengebieten haben die Menschen andere Sorgen. Auf der anderen Seite, wenn diese Geschichte überhaupt ein Gutes hat, dann dass die Japaner endlich anfangen über Atomkraft nachzudenken und nicht mehr blind darauf zu vertrauen, was ihnen von oben erzählt und als sicher verkauft wird.
Globe-M: Danke sehr!
Mainzer Freunde für Japan E.V.
Spendenkonto:
Konto 801 160 029,
Mainzer Volksbank eG,
BLZ 551 900 00