Musik in Bewegung

Musikmob-Website

Dieses Team lockt Musiker für spontane Auftritte an vergessene Orte und charmante öffentliche Plätze. Gemeinsam mit Kameramann Marcus Katscher betreibt der Musiker und Webdesigner Nicolas Huart in Leipzig die Website Musikmob.com, für die sie Videoclips mit nationalen und internationalen Künstlern drehen. Globe-M sprach mit dem gebürtigen Kanadier über sein bewegtes Projekt.

Globe-M: Wie ist die Idee entstanden, eine Website zu gründen und Videoclips dafür zu drehen?

Nicolas Huart:
Wir wurden inspiriert von den so genannten „Take Away Shows“ der Pariser Website „La Blogotheque“. Wir dachten, dass es so eine Sache auch an anderen Orten, überall auf der Welt geben sollte und dass dies am schnellsten geschehen würde, wenn auch wir selbst hier in Leipzig aktiv werden. Nach und nach fanden wir heraus, dass diese Idee tatsächlich auch in anderen Ländern verfolgt wird.

Globe-M: Wofür steht der Name Musikmob?

Nicolas Huart: Musikmob bedeutet  „Mobilization for music". Wir mobilisieren Menschen, Musiker und ihr Equipment, um einen Song in einer einzigartigen Live-Atmosphäre einzufangen. 

Globe-M: Wie kommt der Kontakt zu den Künstlern zustande, die ihr filmt?

Nicolas Huart: Am Anfang haben wir Bands angeschrieben und ihnen einen Videodreh angeboten, wenn sie auf Tour in Leipzig Station machen. Später bekamen wir dann zunehmend auch Anfragen von Bands, die gerne ein Video von uns hätten. Leider mussten wir eine Reihe der Anfragen aus zeitlichen Gründen ablehnen, oder deshalb, weil es Unstimmigkeiten zwischen ihnen und unserer Vision des Projektes gab.

Globe-M: Schreibt ihr vor jedem Videodreh ein Script für die Aufnahmen? Wie geht ihr bei der Produktion vor?

Nicolas Huart:
Es ist ein sehr spontaner Prozess. Marcus, der für alle Arbeiten mit der Kamera verantwortlich ist, und ich selbst schlagen spontane Ideen und Perspektiven vor, die wir dann mit den Künstlern absprechen, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Wenn wir einmal die Aufnahmetaste gedrückt haben, ist es eine Sache der Improvisation, mit was auch immer um uns herum geschieht.

Globe-M: Ihr filmt ausschließlich an Orten in eurer Wahlheimat Leipzig. Was macht die Stadt so besonders gut geeignet für eure Aufnahmen?

Nicolas Huart: Ich denke die Drehs, die wir bisher gedreht haben, hätten wirklich überall passieren können, aber es kommt darauf an, den richtigen Blick für passende Drehorte zu haben. Man muss genau den Ort finden, der dann dem Video das besondere Charisma verleiht.

Globe-M:
Hast du Lieblingsplätze in Leipzig, an denen ihr bisher noch nicht gefilmt habt? Wo würdest du gerne mal ein Musikmob-Video realisieren?

Nicolas Huart: Wir würden liebend gerne mal eine Band dabei filmen, wie sie auf einer öffentlichen Straße oder in der Fußgängerzone spielt und mit den Passanten interagiert. Allerdings bringen derartige Zusammenhänge einige Schwierigkeiten mit sich, in Bezug auf das Mitschneiden des Tons und weitere technische Aspekte. In einem Flugzeug zu filmen, wäre auch wirklich cool, aber das ist eine andere Geschichte.

Globe-M: Wie würdest du einem Touristen, der gerade erst in die Stadt gekommen ist, die Leipziger Musikszene beschreiben?

Nicolas Huart: Die Szene ist sehr vielfältig und breit gefächert. It's a musicians city! Es gibt an der Universität einige sehr anerkannte Musikprogramme, doch womit ich mich besser auskenne, ist die Indie-Szene, die ein bisschen gespalten zu sein scheint. Allerdings ist es dieser Tage nichts besonderes, dass viele Bands relativ ehrgeizig und konkurrenzbetont sind, in ihrem Streben, einen kleinen Platz im großen Ozean der Indie-Musik zu finden. Ich persönlich denke jedoch, dass Zusammenhalt und Austausch einen stärker machen, als es ganz alleine für sich zu versuchen. Das „Communion Community“-Projekt aus London ist ein großartiges Beispiel dafür.

Globe-M: Wenn du die freie Wahl hättest, welchen Künstler würdest du gerne für Musikmob filmen?

Nicolas Huart: Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich würde vermutlich Bob Dylan oder Leonard Cohen wählen, einfach aus dem Grund, dass dies unter keinen Umständen jemals realisierbar ist. Marcus würde jedoch wahrscheinlich jemand anderen vorschlagen. Am Ende ist es so, dass Musik uns beide auf recht unterschiedliche Art bewegt. Mit Musikmob teilen wir einfach, was wir beim Blick durch die Kameralinse sehen. 

Globe-M: Vielen Dank für das Interview.

Weitere Informationen: Offizielle Homepage von Musikmob

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