Open Source Treffen in Brüssel

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Open Source? Free Software? Das ist doch nur was für fette, bärtige, weiße und vor allem männliche Geeks. Oder? Das diesjährige FOSDEM in Brüssel, eines der größten europäischen Treffen zum Thema Open Source und Free Software war gut besucht – von Männern wie Frauen.

Das Thema freier Zugang zu Software, Wissen und die Möglichkeit, selbst an Software und am Inneren seines Computers zu arbeiten, gelangt mehr und mehr aus der Nerdwelt zur Allgemeinheit.

FOSDEM heißt ausgeschrieben: Free and Open Source Developers' European Meeting und entstand aus einer Idee des Belgiers Raphael Bauduin, der 2000 beschloss, ein Treffen zu veranstalten, bei dem Entwickler von Open Source Software sich begegnen und austauschen können. Er richtete eine Mailingliste ein und schaffte es, Entwickler und Interessierte in ganz Europa nach Brüssel zu bringen.

Was war nochmal Open Source?

Man unterscheidet zwischen Free Software und Open Source. „Free“ in Free Software bezieht sich auf die Freiheit der Nutzung einer Software – das impliziert auch die Freiheit, diese Software zu einem beliebigen Preis verkaufen zu können, allerdings ist die meiste freie Software kostenlos im Netz zu erhalten – und macht damit den Verkauf nicht besonders interessant.
Open Source (deutsch: „quelloffen“) bedeutet, dass der Quellcode eines Programms eingesehen werden kann bzw. zusammen mit einem Programm geliefert wird. Der Quellcode ist die Grundlage eines jeden Programms, geschrieben von einem Programmierer oder Entwickler. Ist der Quellcode bekannt, kann jemand, der dessen Programmiersprache versteht, die jeweilige Software verändern, weiterschreiben oder auf ihrer Grundlage neue Programme entwickeln. Nur wenn der Quellcode bekannt ist, kann mit der Software weitergearbeitet werden.
Die beiden Begriffe liegen recht nah beieinander, werden aber dennoch für unterschiedliche „Denkschulen“ verwendet. Die eigentliche Lizenzierung eines Programms oder Betriebssystems erfolgt ohnehin noch einmal anders: Die GNU GPL, eine der bekanntesten Arten, ein Programm zu lizensieren, besagt zum Beispiel, dass ein Code beliebig weiterverwendet werden kann, aber immer unter eben diese GNU GPL stehen muss.

Eine frei zugängliche Welt eröffnen

Solche und andere Themen aus dem Umfeld der Freien-Software-Welt wurden und werden bei  FOSDEM diskutiert. Zehn Jahre nach dessen Initialtreffen ist die Konferenz zu einem der größten Treffen der Free and Open Source-Gemeinde geworden, dass sich besonders dadurch auszeichnet, dass weder Anmeldung noch Konferenzgebühren bezahlt werden müssen. Hunderte von Talks und Präsentationen, von Diskussionrunden und Meetingpoints sind völlig frei zugänglich – passend zum Grundgedanken der Open Source.

Rund 4000 Menschen werden nun jedes Jahr Ende Februar auf dem Campus der ULB Solbosh empfangen. Mit Themen wie „Evil on the internet“, wo Pirshing, Spam und Schlimmeres erklärt und besprochen werden, „Write and Submit your first Linux kernel Patch“, „Scaling Facebook with Open Source Tools“ oder „jpoker: a pure javascript poker client“ wird eine riesige Bandbreite an aktuellen Themen, diskursiven Möglichkeiten und technischen Details vermittelt.

Alle Talks sind mittlerweile als Videos auf http://fosdem.org/2010/news/video-recordings-online anzuschauen, hier kann man sich auch durch die letzten Jahre klicken.

Mail-Interview mit Wynke Stulemeijer, Informatikerin aus den Niederlanden. Sie war beim diesjährigen FOSDEM (Free and Open Source Software Developers' European Meeting) als Helferin im Organisationsteam.

globe-m: Kannst Du – in Deinen Worten – erklären, was FOSDEM ist?

FOSDEM ist eine Konferenz über Free- und Open Source. Es findet einmal im Jahr im Februar in Brüssel statt und ist vielleicht das größte freie Open-Source-Event in Europa. Vielleicht sogar in der ganzen Welt, aber da bin ich mir nicht ganz sicherV.

globe-m: Wer besucht FOSDEM?

Natürlich sind die Menschen, die FOSDEM besuchen, vor allem an Open-Source interessiert. Darüber hinaus ist das Publikum sehr gemischt – das ist etwas, das sich zu verstärken scheint. Jedes Jahr scheinen mehr Leute dort aufzutauchen, die überhaupt nicht in das Klischee vom „fat bearded white male geek“ hineinpassen. Besonders dieses Jahr ist mir, und einigen Leuten, mit denen ich gesprochen habe, aufgefallen, dass die Zahl der Frauen enorm zugenommen hat, genauso wie die der nicht-kaukasischen Menschen und derjenigen, die einfach nicht in den Geek-Stereotyp hineinpassen. Die meisten scheinen schon auf irgendeine Art und Weise Techniker zu sein, was Sinn macht, da die Konferenz natürlich die Technik zum Thema hat, aber es waren auch viele Leute da, die an weniger „technischen“ Dingen im Bereich Open Source arbeiten, sondern eher an Aspekten wie Marketing und Management oder an den Konzepten hinter Open Source interessiert sind.

globe-m: Warum warst du dort?

Es hat mir in den letzten Jahren immer sehr gefallen. Ich bin sehr interessiert an Open Source, genau wie viele meiner Freunde, außerdem lebe ich in der Nähe von Brüssel, so dass ich leicht für ein Wochenende vorbeischauen kann. Ich war dort vor allem, um Menschen zu treffen und natürlich auch wegen der Präsentationen. Dieses Jahr war ich auch freiwillige Helferin, vor allem um die Punkte im Blick zu behalten, die Frauen betreffen (Situationen, in denen Frauen sich unwohl oder schlecht fühlen) und um dort Anlaufstelle sein zu können, wenn solche Situationen eintreten und ein Eingreifen der OrganisatorInnen nötig machen würde.
Es war dann aber so, auch wenn ich noch immer denke, dass es gut war, auf diese Dinge zu achten, dass ich nur von einem Vorfall gehört habe (das Bild einer nackten Frau in einer Präsentation) und offenbar wurde dem Vortragenden danach erklärt, dass das für die meisten so nicht akzeptabel war – meine eigenen Aufgaben waren also vor allem typische Organisationssachen.

globe-m: Welche Vorträge/Diskussionen hast Du gesehen und warum?

Nicht besonders viele. Ich war beim Mozialla Women Talk, weil Frauen in der Open Source-Szene für mich ein ziemlich wichtiges Thema  ist und weil eben dieses Thema auch der Grund meiner Anwesenheit war. Und ich war beim Firefox Mobile Talk, weil ich eines dieser schicken Mobiltelefone mit zwei suboptimalen Browsern habe. Ich habe Minimo (den mobilen Mozilla Browser) ausprobiert, fand ihn aber wirklich unbenutzbar und wollte daher mehr über die Möglichkeiten wissen, die es in naher Zukunft geben wird.

globe-m: Was war, in Deinen Augen, der wichtigste Punkt/die wichtigste Schlussfolgerung?

Für mich persönlich waren es die Begegnungen, sowohl mit Menschen, die ich kenne, aber nicht besonders oft sehe als auch mit neuen Menschen. Da ich nicht bei so vielen Talks war, kann ich darüber nicht wirklich etwas sagen.

globe-m: Irgendwelche überraschenden Einsichten?

Nicht wirklich, außer dass die Bandbreite an Besuchern gewachsen ist, was mir auf jeden Fall als Verbesserung erscheint.

globe-m: Und schließlich: Wie war die Atmosphäre?

Großartig. Ich glaube, die große Bandbreite an BesucherInnen hat eine Menge dazu beigetragen.

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