Raffiniertes Farbenspiel

Schon frühzeitig stand die Schumann f-Moll-Sonate op. 14, das „Konzert ohne Orchester“ für den Klavierabend von Grigorij Sokolov im Herkulessaal München fest. Das weitere Programm mit Bachs c-Moll-Partita BWV 826 und den Brahms Fantasien Op. 116 kam erst später hinzu, fiel aber keinesfalls ab. Ganz im Gegenteil, Sokolov gelang hier eine in den Klangbögen romantische, aber dennoch schlichte und gut strukturierte Interpretation der Stücke.

Seelenvoller Techniker

Dass eine herausragende Spieltechnik bei Konzertpianisten unabdingbar ist, zeigt die fast schon gnadenlose Konkurrenz in diesem Bereich. Welch außergewöhnliches Talent Grigorij Sokolov aber in die Wiege gelegt wurde, musste der Fachwelt spätestens nach seinem ersten Platz im weltberühmten Tschaikowsky-Klavierwettbewerb in Moskau aufgehen – zumal der Pianist die Auszeichnung gerade mal 16-jährig erhielt. Heute eilt Sokolov der Ruf voraus, einer der besten Pianisten weltweit zu sein.

Von Bach und Brahms zu Schumann

Das Konzertprogramm im Herkulessaal der Residenz war nicht einfach – weder für den Künstler, noch für die Zuhörer, denen die volle Aufmerksamkeit abverlangt wurde. So vermied Sokolov große Rubati und verblieb in der Bach Partita melodisch schlicht auf die harmonischen Modulationen konzentriert. Seine langjährigen Erfahrungen als Cembalospieler kamen hier besonders zum Tragen. Auch in den Brahms-Fantasien schlug der Russe nur ein gemäßigtes freies Tempo an und legte stattdessen Miniaturen frei. Erst nach der Pause, bei Schumann, erlaubte er sich größere Kontraste und raffinierte Klangschattierungen, die den gesamten Saal in atemlose Spannung versetzten. So gelang ihm das Kunststück, trotz fast 40-minütiger Dauer der Klaviersonate, die volle Intensität bis zum Schluss durchzuhalten.

Zugaben ohne Ende

Waren die Zuhörer bis zum letzten Ton atemlos angespannt, so entlud sich dieser Zustand in begeistertem Applaus und nicht enden wollendem Jubel. Nur Sokolov selbst blieb äußerlich ungerührt, war sich aber nicht zu schade für zahllose Zugaben. Erst als zwei kleine Mädchen ihm ein kleines Gebinde überreichten, strahlte sein Blick kurz auf, um dann sofort wieder in feierlichem Ernst zu versinken. Seine schnellen Abgänge oder die knappen Verbeugungen lassen den Pianisten nach außen etwas kauzig und als Einzelgänger wirken, aber sicher als einen, dem die Musik wichtiger ist, als eitle Selbstdarstellung.

Kommentare

Bild von globe-M

Ein großartiger Musiker!

Ein großartiger Musiker!

Expertenstimmen Archiv