Richard Wagner war ein Mann, der die Frauen liebte. Doch seine Liaison mit Mathilde Wesendonck war von besonderer Intensität. Sie inspirierte ihn zu einem seiner ergreifendsten Werke: der Oper Tristan und Isolde.
Richard und Mathilde
Wagner traf zum ersten Mal am 17. Februar 1852 auf die damals 23jährige Mathilde. Sie war zu dieser Zeit bereits mit dem wohlhabenden Seidenhändler Otto Wesendonck verheiratet. Zusammen besuchten sie ein Konzert, das Wagner in Zürich, wo beide wohnten, dirigierte. Bereits nach dieser ersten Begegnung war er von Mathildes Schönheit verzaubert. Otto hingegen war Feuer und Flamme für Wagners Werk und so entwickelte sich eine Beziehung zwischen den beiden, die besonders von Ottos Großzügigkeit geprägt war. Ein Akt dieser Großzügigkeit war es, Wagner 1857 in ein kleines Haus direkt neben der prachtvollen Villa Wesendonck am Züricher See einziehen zu lassen. Wagner nannte es sein „Asyl“ und war voll des Dankes.
Zwischen ihm und Mathilde entstand eine enge – wahrscheinlich platonische – Freundschaft. Er fühlte sich von ihr verstanden und als Künstler geschätzt. Es entwickelte sich ein reger Schriftverkehr, in dem Wagner auch immer wieder Auszüge einer neuen Oper mit Mathilde teilte. Während Otto geschäftlich in Amerika weilte, wurde die Beziehung noch intensiver. Wagners Ehefrau Minna gefiel das gar nicht. Sie provozierte einen Skandal, durch den sich Wagner und Mathilde für immer trennen mussten. Er ging nach Venedig um weiter an der neuen Oper, die Tristan und Isolde heißen sollte, zu arbeiten. Doch noch Jahre später bezeichnete er Mathilde als seine erste und einzige Liebe.
Tristan und Isolde
Wagner trug sich bereits seit 1854 mit dem Gedanken, die keltische Tristan-Sage zu vertonen. Durch Bekannte wie Robert Schumann und Julius Mosen, die sich ebenfalls mit dem Stoff beschäftigten, kam er auf die Idee.
Während seiner Zeit in Zürich arbeitete er verstärkt an der Oper. Sein eigenes Beziehungsdreieck diente ihm dabei als Inspiration. Er war Tristan, Mathilde war Isolde und Otto kam die Rolle des König Marke zu. Wie Mathilde ist auch Isolde eigentlich eines anderen Mannes Braut – nämlich die Markes. Trotzdem verlieben sich Tristan und Isolde unsterblich ineinander. Nur während Markes Abwesenheit in einer Nacht können sie ihre Liebe ausleben. Doch sie sind unvorsichtig und werden im Morgengrauen entdeckt. Bis dahin stimmt die Geschichte mit der Wagners und Mathildes überein, die sich während einer Geschäftsreise Ottos sehr nah kamen.
In der Oper beschließen die beiden Liebenden nun, dass der Tod der einzige Ausweg für sie ist. Tristan lässt sich von einem Handlanger Markes verletzten. Später erliegt er diesen Verletzungen. Isolde sinkt über Tristans Leichnam zusammen und stirbt ebenfalls. „Ertrinken, versinken, unbewusst – höchste Lust!“ sind ihre letzten Worte.
Hier vermischt sich die romantische Vorstellung vom Tod als einzige Zuflucht für unglücklich Verliebte, für die Shakespeares Romeo und Julia das bekannteste Beispiel ist, mit Arthur Schopenhauers Pessimismus. Für Schopenhauer war die Welt ein einziges Jammertal voller Leid und Unglück und nur der Tod und die Künste stellten eine Erlösung dar.
Tristan und Isolde ist damit ein Spiegel für die Gefühle Wagners. Zum einem das Hochgefühl der Liebe zu Mathilde und zum anderen der Schmerz und die Melancholie ihres Verlusts. Konnte Wagner Mathilde im wirklichen Leben nicht haben, so setzte er ihr als Muse mit Tristan und Isolde ein ewiges Denkmal.