Das Völkerkundemuseum lädt zur Ausstellung über Gesichtstatauierungen der Chin-Frauen in Birma ein. Die Fotografien von Jens Uwe Parkitny zeigen die Kunst der steten Schmückung der Haut durch Einritzen, wobei Szenen aus dem Tierreich und der Natur verwendet werden.
Weiter als der Horizont
Das Kunstkabinett 4 ist der Sonderausstellungsbereich des Staatlichen Museums für Völkerkunde. Hier präsentiert das Museum innerhalb seiner Dauerausstellung „Weiter als der Horizont – Kunst der Welt“ eine Fotoausstellung über die Gesichtstatauierungen der Chin-Frauen in Birma (Myanmar). Gezeigt werden 22 Fotografien von Jens Uwe Parkitny, die in den Jahren 2001 bis 2007 entstanden sind. Die umfangreiche fotografische Dokumentation der Gesichtstatauierungen ist die erste ihrer Art, die in Europa gezeigt wird.
Das Volk der Chin
Ursprünglich stammen die ca. 1,5 Millionen Chin aus Zentralchina, leben aber heute im Nordwesten Birmas, in Bangladesh und Indien. Alleine in Birma existieren über 30 verschiedene Untergruppen mit eigenen Dialekten. Das Gebiet zählt zu den am wenigsten entwickelten Gebieten Birmas und ist auch aufgrund seiner Topografie mit tief eingeschnittenen Tälern und hohen Bergen sehr schwer zugänglich. Die Flüsse sind nur mit kleinen Booten befahrbar und die wenigen Straßen in der Regenzeit unpassierbar. Seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Chin in großem Umfang missioniert, so dass sich heute über 70 Prozent der Bevölkerung zum Christentum bekennen, während die Mehrzahl der Birmanen Buddhisten sind.
Tatauierte Gesichter
Die Technik der Gesichtstatauierung ist nicht vergleichbar mit der unserer Gesichts-Tattoos. Über einen langen Zeitraum hinweg wurde den jungen Mädchen in einem schmerzhaften Prozess mit Dornenkämmen und einem Gemisch aus Ruß und Pflanzensäften Zeichnungen in das Gesicht gestochen. Die komplexen Muster gehen auf eine Jahrhunderte alte Tradition zurück und galten als Voraussetzung für die Heirat.
Die heutige Generation der Chin steht der Tatauierung inzwischen eher ablehnend gegenüber, denn das westliche Schönheitsideal und die westliche Kleidung setzen sich auch bei den Chin immer mehr durch. Auch der birmanische Staat und die Mission sind dafür verantwortlich, dass dieser alte Brauch bald verschwunden sein wird. So sind es meist nur noch die alten Frauen, die auf ihren zerfurchten Gesichtern eindrucksvolle Muster tragen.
Die Arbeit des Fotografen
Regelmäßig seit 2001 bereiste Jens Uwe Parkitny das schwer zugängliche Gebiet der Chin, wobei er auf behutsame und sehr ästhetische Weise Porträtaufnahmen dieser Frauen anfertigte. Als Ergänzung zu den Fotos werden handgewebte Textilien der Chin-Frauen aus dem Besitz des Fotografen gezeigt. Damit wird an eine Sammlungstradition des Museums vom Beginn des 20. Jahrhunderts erinnert – bereits der damalige Direktor Lucian Scherman und seine Frau Christine brachten von ausgedehnten Expeditions- und Sammelreisen traditionell hergestellte Textilien nach München mit.
Zweitgrößtes Völkermuseum Deutschlands
Das Staatliche Museum für Völkerkunde München ist mit etwa 150.000 Objekten das zweitgrößte Völkerkundemuseum Deutschlands. In den Sammlungen des Museums sind Objekte aus einer Vielzahl außereuropäischer Länder vertreten, wobei die Anfänge auf ethnographische Sammlungen der Wittelsbacher Herrscher zurückgehen. Zurzeit sind Lateinamerika, Nordamerika, Afrika, Ozeanien und der Islamische Orient mit eigenen Ausstellungen und Asien mit einem großen Buddha-Saal vertreten. Zudem können Besucher die Präsenzbibliothek des Hauses mit über 40.000 Bänden nutzen.
Im Porträt: Gesichtstatauierungen der Chin-Frauen in Birma
Mitte Juni bis Ende Oktober Öffnungszeiten: Dienstag - Sonntag: 9.30 - 17.30 Uhr
Staatliches Museum für Völkerkunde München
Maximilianstraße 42, D-80538 München
Tel.: 089- 2101 36 100
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